EMMEN: Wie viel Fluglärm ist vertretbar?

Der Fluglärm bleibt in Emmen ein heisses Eisen: Gemeinde, Luftwaffe, Ruag und Schutzverband machten gestern ihre Standpunkte klar – und kamen auf keinen gemeinsamen Nenner.

Dave Schläpfer
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Leistungsstark – und laut: eine F/A-18 beim Start auf dem Militärflugplatz Emmen. (Archivbild Keystone/Sigi Tischler)

Leistungsstark – und laut: eine F/A-18 beim Start auf dem Militärflugplatz Emmen. (Archivbild Keystone/Sigi Tischler)

«Militärflugplatz Emmen – die Arbeitsplätze und der Fluglärm»: Dieses Thema stand im Mittelpunkt der traditionellen Emmer Dreikönigsgespräche. Rund 40 Gäste aus Politik und Wirtschaft waren dazu gestern ins Zentrum Gersag eingeladen worden. Als Redner zum Thema traten Rolf Born, Gemeindepräsident von Emmen, Bernhard Müller, stellvertretender Kommandant Luftwaffe, Heinz Scholl, Leiter Militärluftfahrt bei der Ruag, und Luzius Hafen, Präsident des Schutzverbands der Bevölkerung um den Flugplatz Emmen, auf.

«Grosses Bedürfnis nach Ruhe»

Gemeindepräsident Rolf Born zufolge ist der Flugplatz in Emmen wirtschaftlich wichtig und gut verankert. Gleichzeitig sei bei der Bevölkerung aber auch ein «grosses Bedürfnis nach Ruhe» feststellbar. Born: «Wir setzen uns bestmöglich für beide Anspruchshaltungen ein – eine nicht einfache Gratwanderung.»

Warten aufs Stationierungskonzept

Bernhard Müller von der Luftwaffe führte an, dass Emmen – verglichen mit den drei anderen aktiven Militärflugplätzen Meiringen, Payerne und Sion – mit rund 3000 am wenigsten Kampfjet-Flugbewegungen aufweise. Gleichzeitig sei in Emmen mit total etwa 1700 im Vergleich ein Vielfaches an Arbeitsplätzen angesiedelt, davon viele sehr qualifizierte. Generell betonte Müller: «Solange das Stationierungskonzept des Bundesrates nicht vorliegt, ist schwierig abzuschätzen, wie es künftig punkto Verteilung der Flugbewegungen weitergeht.» Eine Schliessung des Standorts Emmen sei sicher «keine Option»; dies aufgrund des dort angesiedelten Instand- und Reparaturzentrums für Jets.

Laut Heinz Scholl ist von den über 1200 Ruag-Arbeitsplätzen in Emmen gegen die Hälfte abhängig vom militärischen Flugzeugunterhalt. Rund 200 der Angestellten seien in Emmen wohnhaft. Für die Gemeinde und die Bevölkerung habe der Flugplatz viele Vorteile, «etwa der Steuerertrag und hochwertige Arbeitsplätze». Scholl: «Die Flugbewegungen sind im Verhältnis zur Wertschöpfung sensationell klein.» Er machte klar: «Die jährliche Sommerpause ist ein Handicap für uns, eine zusätzliche Verlängerung wäre ein grosses Problem.» Denn in diesen Zeiten sei man wie eine Garage ohne Strassenzufahrt, könne entsprechend nur sehr eingeschränkt agieren. Generell liessen sich Wertschöpfung und Immissionen in diesem Geschäft nicht voneinander trennen – «und das ist gut so», so Heinz Scholl.

Luzius Hafen vom Schutzverband zufolge ist die Wertschöpfung des Flugplatzes «schwer einzuschätzen» – der direkte monetäre Nutzen sei auf jeden Fall «nicht sehr hoch». Hafen machte ein «labiles Gleichgewicht zwischen Akzeptanz und Ablehnung des Flugplatzes» aus; dieses stehe jedoch auf der Kippe. «Dies, weil für Emmen als direkte Folge der erwarteten Schliessung von einem der Militärflugplätze – gerüchteweise Sion – eine massive Zunahme des Fluglärms drohe.» Mit der Präsentation des Stationierungskonzepts rechnet er Anfang 2014. Hafens Forderung: «Die Region muss geschlossen aktiv werden, bevor die Entscheide gefällt sind.»

Neue Überbauungen betroffen

Bei der anschliessenden kurzen Diskussion plädierte Bernhard Müller für eine gesamtheitliche Luftfahrtpolitik: «Es macht keinen Sinn, die Flugplätze gegeneinander auszuspielen.» Punkto Leben mit Fluglärm machte er ein klares persönliches Statement: «Ich wohne seit 25 Jahren beim Flugplatz Alpnach.» Also bewusst an der Quelle der Immissionen, zu denen er als Helikopterpilot beitrage. Luzius Hafen machte darauf aufmerksam, dass durch die sukzessive Verdichtung in Emmen immer mehr Personen von Fluglärm betroffen sein werden: «So etwa die künftigen Bewohner der Viscosistadt, der Feldbreite und des Betagtenzentrums Emmenfeld.»