EMMEN: Züge erhalten eine Hilfsbrücke

Die SBB müssen ihre Brücke über die Kleine Emme verlängern. Dafür wurde gestern eine erstes Provisorium installiert. Die Frage bleibt: Wer trägt die Kosten?

Raphael Zemp
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Schaulustige beobachten, wie die Hilfsbrücke über die Kleine Emme auf Seite Reusszopf in der Nacht auf Sonntag installiert wird. (Bild Pius Amrein)

Schaulustige beobachten, wie die Hilfsbrücke über die Kleine Emme auf Seite Reusszopf in der Nacht auf Sonntag installiert wird. (Bild Pius Amrein)

Es ist Sonntagmorgen um 5.30 Uhr, noch zwei Stunden bis zum Sonnenaufgang. Das Rauschen der Kleinen Emme ist laut zu hören. Am Ufer brummen die Motoren von zwei Baggern. In grellem, klinisch weissem Scheinwerferlicht schaufeln sie Erde umher. Arbeiter in orangen Anzügen und in weissen Sicherheitshelmen assistieren. Dann fährt ein Kran auf Schienen vor, eine meterlange Eisenkonstruktion vor sich her baumelnd. «Beeindruckend!», meint Timo Schweizer (9) aus Reussbühl. Mütze tief in die Stirn gezogen, Hände unter der Jacke an der Brust aufwärmend, schaut er gebannt dem Treiben zu. «Jetzt wird das zweite Teilstück der Hilfsbrücke eingesetzt», kommentiert Peter Witschonke, Projektleiter Netzprojekte von den SBB, das Geschehen. «Das passt ja sogar in der Länge», scherzt ein Schaulustiger.

Hier am Reusszopf, kurz bevor die Kleine Emme in die Reuss fliesst, müssen die SBB ihre Bahnbrücke über die Kleine Emme verlängern. Denn das Gewässer soll einen zweiten Flussarm erhalten, um künftig Überschwemmungen wie jene im Jahr 2005 zu verhindern.

Zweiter Teil kommt nächste Woche

Eine erste Bauphase befindet sich nun im Abschluss. Die SBB haben in der Nacht auf Sonntag die erste von zwei provisorischen Hilfsbrücken installiert. Diese bestehen aus je drei 13 Meter langen Teilstücken aus massiven Stahlträgern mit eingelassenen Schienen, die zusammengefügt werden. Das zweite Provisorium für die Gegenrichtung wird am kommenden Wochenende montiert – ebenfalls in einer Nachtschicht.

Das sei ein notwendiger Zwischenschritt, sagt Witschonke von SBB. «Nur so können wir die Aufrechterhaltung des Bahnbetriebes garantieren.» Das Provisorium allerdings hat seinen Preis. «Alles in allem kostet das über eine Million Franken.»

Neue Brücke ist schon vor Ort

Bereits jetzt beginnen auch die Bauarbeiten für die eigentliche Brücke: Der Damm wird abgetragen und ein Fundament gebaut. Dazu werden etliche Pfähle in den Grund getrieben. Diese Arbeiten werden voraussichtlich bis März andauern. In einem letzten Schritt werden dann die Hilfsbrücken wieder zurückgebaut und die eigentlichen Betonbrücken, die schon jetzt praktisch fixfertig neben den Gleisen stehen, auf ihre endgültige Position verschoben. Witschonke prophezeit: «Im April rollen die Züge dann über die neue Brücke.»

Rund 10 Millionen Franken kostet das ganze Projekt. Peter Witschonke von den SBB sagt: «Die Bauarbeiten finden unter Bahnbetrieb statt, das treibt natürlich die Kosten in die Höhe.» Zudem seien die Ansprüche an eine Bahnbrücke grösser als an eine normale Strassenbrücke. Der Kanton hat den Bau vorfinanziert. Über die Verteilung der Kosten ist man sich aber noch nicht einig. «Es sind immer noch Diskussionen zwischen den SBB und dem Kanton im Gang», bestätigt Witschonke.

Dereinst wird diese Verlängerung der bestehenden Bahnbrücke den neuen Arm der kleinen Emme mit 33 Metern Länge überspannen. «25 Meter sind für das Flussbett einkalkuliert, die übrigen Meter werden für Velo- und Fussgängerweg genutzt», so Witschonke. Dies allerdings wird nicht mehr sein Problem sein: Für diese Bauarbeiten ist der Kanton Luzern zuständig.