EMMENBRÜCKE: Der «Fasan» kommt erneut unter den Hammer

Das Traditionshaus wird nach 2013 schon zum zweiten Mal zwangsversteigert. Die Pächter leiden unter dem Hin und Her – ihre Zukunft hängt nun vom künftigen Eigentümer ab.

Drucken
Teilen
Marko Anicic, Pächter des «Grottino» im Fasan-Gebäude. (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 23. Januar 2017))

Marko Anicic, Pächter des «Grottino» im Fasan-Gebäude. (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 23. Januar 2017))

Am Donnerstag um 11 Uhr ist es so weit: Das Traditionshaus Fasan in Emmenbrücke wird versteigert – schon wieder. Bereits vor gut drei Jahren ist das Gebäude, in dem sich ein Hotel, ein Café und zwei Restaurants befinden, unter den Hammer gekommen. Licht in die komplexe Geschichte zu bringen, gestaltet sich für den Aussenstehenden äusserst schwierig.

2006 hatte Joe Müller den «Fasan» aus einer persönlichen Notlage heraus an Johnny Prins verkauft. «Fasan-Joe» – unter diesem Namen ist Müller in Emmen bekannt – behielt sich aber vertraglich das Recht vor, sein Lokal innerhalb von fünf Jahren zurückzukaufen. Dieses Recht musste sich Müller dann trotzdem in einem langjährigen Prozess vor Gericht erkämpfen. Schliesslich konnte er die gewonnenen Rechte aber nicht ausüben, weil das Restaurant 2013 zur Zwangsverwertung ausgeschrieben wurde. Müller behauptete, dass Prins seine New Way Business Hotel AG mit einer Forderung von knapp 2 Millionen Franken quasi selber betrieben habe. Damit habe er möglichst viel Geld aus der Versteigerung herauspressen wollen. Prins wies diese Vorwürfe als haltlos zurück. Am Ende ging der «Fasan» wieder an Müller.

«Mussten finanziell stark unten durch»

Die Unsicherheiten haben auch Auswirkungen auf dessen Pächter. Das Geschwisterpaar Erika Felder und Irené Koller-Felder führt seit 2009 das Hotel Fasan und die Café-Bar. Die Pizzeria Grottino wird schon seit über zehn Jahren vom Ehepaar Zdenka und Marko Anicic geleitet. «Im Jahr 2013 musste das ‹Grottino› finanziell stark unten durch», sagt Marko Anicic. Viele Besucher dachten, dass der ganze «Fasan» geschlossen sei, obwohl das «Grottino» den Betrieb normal weiterführte. Die Kundschaft blieb aus.

Auch das Hotel hatte es in den letzten Jahren nicht einfach. «Eigentlich müsste das ganze Haus renoviert werden», sagt Erika Felder.

Keine Investitionen wegen unsicherer Zukunft

Da aber aufgrund der Versteigerung die Zukunft des «Fasans» ungewiss war, blieben die Investitionen aus. «Dadurch waren wir in den letzten drei Jahren schlichtweg nicht mehr konkurrenzfähig», sagt Felder. Der Umstand, dass das Hotel-Restaurant – nicht zu verwechseln mit der Pizzeria Grottino – seit über vier Jahren leer steht, habe die Situation noch zusätzlich verschlechtert.

Nun ist der «Fasan» erneut zur Versteigerung ausgeschrieben. Der betreibungsamtliche Schatzungswert der Liegenschaft an der Rüeggisingerstrasse beträgt um die 3,8 Millionen Franken. Offensichtlich befindet sich Müller erneut in einer finanziellen Notlage. Über die Hintergründe will er auf Anfrage jedoch keine Auskunft geben.

Durch die Versteigerung ist auch die Zukunft des Hotels Fasan und der Pizzeria Grottino ungewiss. Sie ist vom Käufer des «Fasans» und dessen Vorstellungen für das Grundstück abhängig. Entweder bleibt alles beim Alten, oder das bekannte Gebäude wird schon bald abgerissen. Der Pachtvertrag für das Hotel und die Café-Bar läuft noch drei weitere Jahre. «Eine Interessentin hat mich aber bereits gefragt, wie viel wir verlangen, damit wir gehen. Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht», sagt Erika Felder. Die Geschwister hoffen, dass der «Fasan» in die richtigen Hände kommt.

«Grottino»: Vertrag läuft noch bis Ende Jahr

Auch für Marko Anicic steht fest: «Plan A ist, hier zu bleiben.» Er baue fest darauf, dass die Zukunftspläne des neuen Eigentümers mit den seinen übereinstimmen. Ganze 25 Jahre arbeitet Anicic nun schon im Betrieb. «Ich verbringe mehr Zeit im Restaurant als zu Hause», sagt er. Nun ist der Gedanke, dass der «Fasan» bald abgerissen werden könnte, ständig im Hinterkopf. Den Anicics könnte frühestmöglich auf Ende 2017 gekündigt werden. So lange und allenfalls darüber hinaus werde das «Grottino» aber mit Sicherheit noch seine Pizzas backen. «Und falls das Schlimmste eintritt», sagt Anicic, «werden wir andere Räumlichkeiten suchen und etwas Neues im alten Stil aufbauen.»

 

Oliver Schneider

region@luzernerzeitung.ch