EMMENBRÜCKE: Der Machtkampf ist lanciert

Der mögliche Einstieg von Viktor Vekselberg bei Schmolz + Bickenbach sorgt für Unruhe. Ein Zuger Grossaktionär könnte das Zünglein an der Waage spielen.

Hans-Peter Hoeren
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Ein Arbeiter im Stahlwerk Schmolz und Bickenbach in Emmenbrücke. (Bild: Archiv Neue LZ)

Ein Arbeiter im Stahlwerk Schmolz und Bickenbach in Emmenbrücke. (Bild: Archiv Neue LZ)

Die nächste Generalversammlung des Stahlkonzerns Schmolz + Bickenbach im Juni könnte besonders spannend werden. Steigt Viktor Vekselberg beim kriselnden Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach ein oder nicht? Diese Frage treibt seit rund einer Woche auch den Verwaltungsrat des Unternehmens um, seit der Hauptaktionär, eine Erbengemeinschaft der Nachfahren der Gründer­familie (Schmolz + Bickenbach KG) in einem Alleingang den Oligarchen als möglichen neuen Investor bekannt gab. Eine Exklusivvereinbarung mit Vekselbergs Beteiligungsgesellschaft Renova ist unterzeichnet. Eine Kapitalspritze des Russen könnte Schmolz + Bickenbach dringend gebrauchen. Der Konzern sitzt auf fast 1 Milliarde Franken Schulden.

Motive der Familie sind unklar

Auch Hans-Peter Zehnder, Verwaltungsratspräsident von Schmolz + Bickenbach, wurde von der Exklusivvereinbarung überrascht. Mittlerweile hat er ein Gespräch mit Vertretern des Hauptaktionärs und der Renova geführt. «Für uns ist grundsätzlich jeder Investor interessant. Jeder erhält die gleiche Möglichkeit, sich ein Bild über das Unternehmen zu machen und mit dem Management zu reden», sagt Zehnder. Wichtig ist ihm die Gleichbehandlung aller Investoren. «Wir stehen aber erst am Anfang, von einer Festlegung auf einen oder zwei Investoren sind wir noch weit entfernt», sagt Zehnder, der hauptamtlich das aargauische Familienunternehmen Zehnder Group mit mehreren hundert Mitarbeitern führt.

Zu den Motiven für die vorzeitige Festlegung des Hauptaktionärs, er hält rund 41 Prozent der Aktien, will sich Zehnder nicht äussern. Bekannt ist, dass die Erbengemeinschaft nicht das Geld hat, um bei der geplanten Kapitalerhöhung vollumfänglich mitzumachen. Durch den Absturz der Aktie von Schmolz + Bickenbach hat die Familie viel Geld verloren. Sie könnten in Vekselberg einen Garanten für eine erfolgreichere Unternehmenszukunft sehen und ihren Einfluss sichern wollen. Nach dem jetzigen Stand könnte ein Einstieg Vekselbergs über eine Kapitalerhöhung erfolgen. Spekuliert wird über 200 bis 250 Millionen Franken. Vekselbergs Firma Renova könnte einen grösseren Anteil der Bezugsrechte des Hauptaktionärs kaufen. Diese berechtigen zum Erwerb neuer Aktien. Zusätzlich könnte Vekselberg Bezugsrechte der Publikumsaktionäre erwerben. Rund 50 Prozent der Aktien werden frei gehandelt, das Unternehmen hat rund 9000 Publikumsaktionäre.

Doch erst müssten sich die Renova und die KG den Spielregeln des Investorenwettbewerbs bei Schmolz + Bickenbach unterwerfen. Gemäss Zehnder erhalten alle Interessenten die Möglichkeit, das Budget und die Businesspläne des Unternehmens einzusehen. Dadurch erhalten sie Insiderwissen und müssen eine Vertraulichkeitsklausel unterzeichnen. Mit dieser verpflichten sie sich, für eine bestimmte Zeit keine Aktien des Unternehmens zu kaufen oder zu verkaufen.

Das Zünglein an der Waage

«Wir werden diejenigen Investoren vorschlagen, die im besten Sinne des Unternehmens und der Aktionäre sind», sagt Hans-Peter Zehnder. Unterstützung erfährt er durch den Grossaktionär und Verwaltungsrat Gerold Büttiker (66). Der ehemalige Eternit-Manager hält mit seiner Beteiligungsgesellschaft, der im zugerischen Neuheim domizilierten Gebuka rund 6 Prozent der Aktien. «Wir stehen voll hinter dem Verwaltungsrat und bilden eine Einheit», versichert Büttiker. Er könnte in dem Machtpoker das Zünglein an der Waage sein. Durch eine Vereinbarung aus der Vergangenheit ist nämlich die Machtfülle des Hauptaktionärs., der Schmolz + Bickenbach KG, eingeschränkt. Für die Hälfte der Anteile der Erbengemeinschaft hat Büttiker ein Veto- und Vorkaufsrecht. Das heisst, die KG kann Vekselberg ohne seine Zustimmung nur für rund 20 Prozent ihrer Aktien Bezugsrechte verkaufen. Welche Investoren aber letztlich einsteigen, darüber wird gemäss Hans-Peter Zehnder die Generalversammlung entscheiden. Der Verwaltungsrat könne dort nur Anträge stellen. «Letztlich müssen die Aktionäre entscheiden», sagt Zehnder.

Zwiespältige Gefühle

Sollte sich der Verwaltungsrat also gegen die Renova aussprechen, der Hauptaktionär aber an Renova festhalten, könnte es zu einem Gegenantrag kommen. Erhielte die KG dafür eine Mehrheit, wäre der Renova-Einstieg perfekt. Gemäss Insidern sieht der Verwaltungsrat das Thema Renova noch aus anderen Gründen mit zwiespältigen Gefühlen. Positiv bewertet würden Erfolge bei Restrukturierungen wie bei Sulzer und OC Oerlikon, wo Renova engagiert ist. Auf der anderen Seite stehen die Vorwürfe, Vekselberg und andere Investoren hätten unter anderem beim Kauf von Sulzer-Beteiligungen gegen Meldepflichten verstossen.

Auch das Szenario eines feindlichen Einstiegs dürfte der Verwaltungsrat des Stahlkonzerns gemäss Insidern in der Theorie durchspielen. Der Plan B des Investors könnte ja auch sein, im grossen Stil auf dem freien Markt Aktien des Stahlkonzerns zu kaufen. Das würde zwar den Aktienkurs massiv in die Höhe treiben. Doch der liegt aktuell nur bei 2.86 Franken. Falls dieser dann auf 10 Franken stiege, wäre das für Vekselberg immer noch problemlos verkraftbar.

«Stahl ist sexy»

INVESTOREN Der Zürcher Gerold Büttiker (66) hält seit 2003 rund 6 Prozent der Anteile des Stahlkonzerns. Sein Engagement hat er nie bereut. «Wir haben mit unserer Beteiligung auch schon gut verdient», sagt Büttiker. Das Stahlgeschäft unterliege grossen Schwan-kungen. «Man muss in Zeiträumen von 10 bis 15 Jahren denken», erklärt er. Er sei sich sicher, dass er mit seinem Engagement künftig wieder gutes Geld verdienen werde. «Ich finde Stahl wahnsinnig sexy. Ich bin vom Leistungsauweis und vom Geschäftsmodell unseres Unternehmens überzeugt», sagt Büttiker. Man müsse jetzt eine nachhaltige Lösung für die Bilanzsanierung finden und dann vor allem Ruhe in den Betrieb bringen.

hoe