Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

EMMENBRÜCKE: Emmen wartet auf finanzkräftige Zuzüger

Die Bevölkerungszahl in Emmen steigt – doch die Steuereinnahmen sinken. Offenbar ziehen die guten Steuerzahler nicht im erhofften Mass in die Gemeinde. Nun soll die Politik klären, woran es hapert, fordert ein grüner Einwohnerrat.
Bauboom in Emmen: Das neue Quartier Feldbreite. (Bild: Nadja Schärli/Archiv)

Bauboom in Emmen: Das neue Quartier Feldbreite. (Bild: Nadja Schärli/Archiv)

Beatrice Vogel

Die finanziellen Probleme der Gemeinde Emmen sind nicht von der Hand zu weisen: Das dritte Jahr in Folge schreibt sie ein Defizit, 2017 sogar 12,5 Millionen Franken. Und auch mit der geplanten Steuererhöhung wird die Gemeinde kurzfristig nicht aus dem Minus herauskommen. Da stellt sich die Frage: Wie ist es überhaupt so weit gekommen? Und wie kommt man aus dem Schlamassel wieder heraus?

Die Gründe dürften vielfältig sein: Da sind einerseits die tieferen Unternehmenssteuern oder der Wegfall der Liegenschaftssteuer, wodurch die Einnahmen gesunken sind. Zudem hat der Kanton Luzern Kosten auf die Gemeinden abgewälzt. Und auch die Gesundheitskosten steigen überall an.

Mehr Einwohner, höhere Infrastrukturkosten

In den vergangenen Jahren war in Emmen immer wieder die Rede von guten Steuerzahlern, die durch den Bau von neuen Wohnungen angelockt werden sollen. Das Bevölkerungswachstum soll also das Finanzloch stopfen. Doch ist dieses nicht ein weiterer Grund für die prekäre Finanzlage? Schliesslich muss mit einer grösseren Bevölkerung auch die Infrastruktur ausgebaut werden, was ebenfalls Kosten verursacht. In Emmen zeigt sich dies aktuell vor allem beim zusätzlich benötigten Schulraum. Ein Blick in die Steuerstatistik des kantonalen Statistikamts Lustat zeigt, dass die relative Steuerkraft der Gemeinde Emmen – im Gegensatz zu den anderen Aglomerationsgemeinden und der Stadt Luzern – in den vergangenen Jahren abgenommen hat.

Während in Emmen die Wohnbevölkerung seit 2008 von rund 27 500 Personen auf heute über 30 000 kontinuierlich angestiegen ist, ist der Steuerertrag gesunken: 2008 lag er bei knapp 79 Millionen Franken, 2016 bei rund 74 Millionen. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass es sich bei den Neuzuzügern nicht um besonders finanzkräftige Personen handelt.

Umzüge innerhalb der Gemeinde

Diese Vermutung hegt auch Einwohnerrat Marco Huwiler (Grüne), der zu diesem Thema ein Postulat eingereicht hat (Ausgabe vom 5. Mai). Er zitiert darin eine Studie der Uni Zürich. Gemäss dieser ziehen rund die Hälfte der Mieter in eine Wohnung, die weniger als fünf Kilometer von bisherigen Wohnobjekt entfernt liegt. Bei fast einem Drittel sind es sogar weniger als zwei Kilometer.

Kommt hinzu, dass laut der Studie vor allem die bereits ansässige Bevölkerung einer Ortschaft von neu erstellten Wohnungen profitiert, indem sie den eigenen Wohnstandard verbessert. Es ist also gut möglich, dass etwa in der Feldbreite viele Wohnungen durch Emmer gemietet wurden, die zuvor in günstigeren Wohnungen lebten.

Dass Letztere nicht durch gut Betuchte bezogen werden, ist naheliegend. Ein Indiz dafür ist auch die Sozialhilfequote, die seit 2014 von 3,4 Prozent auf heute über 4 Prozent angestiegen ist. Zwischen 2005 und 2016 sind die Ausgaben für die soziale Wohlfahrt um rund 6,7 Millionen Franken gestiegen. Für Marco Huwiler ist deshalb klar, dass die Entwicklung gesteuert werden muss, damit die Finanzen gesunden. Er fordert in seinem Postulat eine Wachstumsanalyse, in der aufgezeigt werden soll, welche Nachfragesegmente für Emmen finanzielle Vorteile bringen, im Vergleich zu den bisher gebauten Projekten. «So kann geklärt werden, ob in der Raumentwicklung Handlungsbedarf besteht.»

Es sollen gezielt Projekte realisiert werden, welche insgesamt einen positiven finanziellen Einfluss auf die Gemeinde haben. Politisch kann das beeinflusst werden. Emmen sei insbesondere für junge Singles und Paare mit urbanem Lebensstil interessant, sagt Huwiler, der sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. «Für diese wird aktuell aber nicht spezifisch gebaut.» Neubauten müssten für diese Zielgruppe lukrativ sein – «und nicht für die Investoren». So könnte man steuern, welche Einwohner in erster Linie nach Emmen ziehen. Dies würde auch den hohen Leerwohnungsbestand senken.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.