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EMMENBRÜCKE: Hinter den Tatort-Kulissen: Das Geister-Kommissariat

Blick hinter die Kulissen: Am Samstag hat das Schweizer Fernsehen sein Luzerner «Tatort»-Filmstudio öffentlich zugänglich gemacht. Maskenbildner Marc Hollenstein schilderte vor Ort, warum es keinen Spass macht, eine Filmleiche zu sein.
Julia Stephan
Der Verhörraum mit Glasscheibe des Luzerner «Tatort» auf dem Viscosi-Areal in Emmenbrücke. Hier werden die Täter von den Ermittlern auseinandergenommen. (Bilder: Manuela Jans-Koch (27. Januar 2018))

Der Verhörraum mit Glasscheibe des Luzerner «Tatort» auf dem Viscosi-Areal in Emmenbrücke. Hier werden die Täter von den Ermittlern auseinandergenommen. (Bilder: Manuela Jans-Koch (27. Januar 2018))

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Das Familienfoto vom Luzerner-«Tatort»-Regierungsrat Eugen Mattmann lacht von einem gesichtslosen Büroschrank. Eine Ansicht von Reto Flückigers Segelschiff personalisiert dessen Schreibtischplatte. Und im Verhörzimmer hängt Liz Ritschards beeindruckende Lederjackensammlung.

Am Samstag hat das Schweizer Fernsehen (SRF) für eine Veranstaltung des Historischen Museums Luzern das Kommissariat des Luzerner «Tatort» für neugierige Spürnasen geöffnet. «Hier ist zu neunzig Prozent alles gemogelt», verrät Set-Betreuer Franz Moser und meint tote Telefonleitungen, falsche Luzerner Autoschilder und leere Aktenordner der Luzerner Kantonspolizei, die gewichtig in den Regalen stehen.

Das war längst nicht immer so. In den Gründerzeiten des Luzerner «Tatort» ging es noch authentischer zu und her. Die ersten zwei Folgen drehte das SRF im echten Präsidium der Luzerner Kantonspolizei. Vom Hochhaus an der Kasimir-Pfyffer-Strasse hatte man als Zuschauer das traumhafte Alpenpanorama Luzerns im Blick.

Dauerhafte Motive schaffen Identifikation

«Ab dem Jahr 2000 fing man an, für den ‹Tatort› dauerhafte Motive anzumieten», erklärt der deutsche «Tatort»-Experte François Werner, Betreiber des Internetportals Tatort-fundus.de auf Anfrage. Zum einen aus Kostengründen, zum anderen, weil die festen Motive den einzelnen «Tatort»-Standorten mehr Charakter verleihen. Das SWR-«Tatort»-Haus in Baden-Baden, eine ehemalige Schule, beherbergt gleich drei Kommissariate – Ludwigshafen, Stuttgart und Bodensee. Und auch die «Tatorte» Köln und München teilen sich andernorts in einem «kriminalistischen Joint Venture» die Pathologie.

In Luzern nutzt man das Gebäude der Kantonspolizei nur noch für Szenen im Freien. Das fiktive Kommissariat befindet sich seit sechs Jahren auf dem Vis­cosi-Areal in Emmenbrücke. Zwei Wochen dreht die SRF-Crew dort jährlich. Möbliert sind die Zimmer mit ausrangiertem Mobiliar der Firma Monosuisse. Dass man das Kommissariat in der Zwischenzeit schon zweimal verlegt hat – vormals hatte es im neuen Viscosi-Standort der Hochschule Unterschlupf –, ist kaum einem Zuschauer je aufgefallen. «Nimmt ein Auto hingegen eine falsche Abzweigung, protestieren die Zuschauer sofort», so Franz Moser.

Die fiktiven Büroräume sowie den Verhörraum erreicht man mit einem alten Warenlift. Wer jemals auf die Idee gekommen ist, sich als Filmleiche zu verpflichten, hat spätestens nach den Erläuterungen von Maskenbildner Marc Hollenstein keine Lust mehr. Steife Glieder durch stundenlanges Herumliegen und Kontaktlinsen, welche die Augen trübe machen – wer will das schon? «Im Freien verwenden wir öfters mal eine Wärmedecke», sagt er. Wer vor Kälte zittert, zerstört die Illusion der Leichenstarre.

Silikonblut für wertvolle Holzböden

Hollenstein, der auch für den «Bestatter» arbeitet, erklärt, warum Leichen nicht immer realitätsgetreu, sondern den Vorstellungen der Fernsehzuschauer angepasst werden müssen. «Realistische Würgemale wirken unauthentisch», sagt er. Filmkonsumenten haben ihre eigenen Vorstellungen davon.

Für wertvolle Holzböden verwendet er Silikonblut, für abgefuckte Charak­tere Raucher- und Alkoholikerzähne. Dann zückt der Maskenbildner ein Schweizer Messer, mit dem ein Schauspieler sich im bald ausgestrahlten «Tatort – Alte Männer sterben nicht» die Pulsadern aufschneiden wird: «Wir mussten eine Kapsel mit Filmblut einbauen», erklärt er. Als er das Messer an seine Hand hält, fliesst Blut. «Damit hatte ich jetzt auch nicht gerechnet.»

Hinweis

Die «Tatort»-Ausstellung im Historischen Museum Luzern läuft bis zum 11. März.

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