EMMENBRÜCKE: In Emmen entsteht ein Kompetenzzentrum für Unfallhilfe

Die Autohilfe Zentralschweiz AG übernimmt jährlich rund 10 000 Einsätze – unter anderem im Auftrag der drei Verbände TCS, ACS und VCS. Besonders Elektrofahrzeuge stellen die Retter am Unfallort vor schwierige Aufgaben.

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Visualisierung des neuen Gebäudes für Unfall- und Pannenhilfe in Emmen. (Bild: PD)

Visualisierung des neuen Gebäudes für Unfall- und Pannenhilfe in Emmen. (Bild: PD)

Polizeimeldungen der letzten Tage lauteten etwa so: «mehrere Unfälle auf verschneiten Strassen» oder «heikle Strassenverhältnisse fordern Verkehrsunfälle». Der Winterbeginn überforderte etliche Verkehrsteilnehmer. Auch auf trockenen Strassen kam es zu gefährlichen Szenen. Kürzlich ereignete sich im Tunnel Eich auf der A 2 ein Auffahrunfall, involviert waren zehn Fahrzeuge.

In diesen Situationen rückt der Unfalldienst der Autohilfe Zentralschweiz AG aus. Das Tochterunternehmen der Hammer Auto Center AG kooperiert mit 50 Autofachbetrieben und Versicherungsgesellschaften und ist auch Vertragspartner der Automobilverbände TCS, ACS sowie dem VCS. Beim erwähnten Auffahrunfall in Eich waren vier Bergungslastwagen im Einsatz. Derzeit übernehmen 16 Strassenhelfer der Autohilfe Zentralschweiz AG in den Kantonen Luzern, Zug und Nidwalden mehr als 10 000 Einsätze pro Jahr. Tendenz steigend.

Mehr Verkehr, mehr Unfälle

Nun baut die Autohilfe Zentralschweiz AG ihr Angebot aus. «Die bisher genutzten Infrastrukturen auf dem Gelände der Hammer Auto Center AG in Emmenbrücke stossen an ihre Grenzen», sagt Jürg Hammer, Geschäftsführer der Autohilfe Zentralschweiz AG. Mit der Zunahme des Verkehrs steige bei Unfällen auch die Gefahr für die Verkehrsteilnehmer. Bei Pannen oder Unfällen gelte es deshalb, schnellstmöglich behindernde Fahrzeuge zu sichern und zu bergen.

Die Autohilfe Zentralschweiz AG und Auto Notruf Luzern erstellen für 11 Millionen Franken ein neues Kompetenzzentrum für die Unfall- und Pannenhilfe an der Neuenkirchstrasse in Emmenbrücke. Der Spatenstich erfolgte vor wenigen Tagen. Ab kommendem November gibt es dort rund 30 Arbeitsplätze. Zu den 16 Strassenhelfern stossen Einsatzleiter, Mitarbeiter für das Schadensmanagement sowie Techniker hinzu.

Die Investition lohne sich, ist Jürg Hammer überzeugt. «Ein funktionierender Unfall- und Pannendienst ist von öffentlichem Interesse. Im fragilen Verkehrssystem kann bereits ein kleiner Zwischenfall Staus oder einen Verkehrskollaps in der Region Luzern auslösen. Das kann weitreichende Folgen für die Wirtschaft mit sich bringen.» Bei Verkehrsunfällen würden auch berufstätige Personen und Transporte mit wichtigen Materialien aufgehalten. Termine könnten nicht eingehalten werden.

Einstellhalle für Unfallfahrzeuge

Auf dem 8200 Quadratmeter grossen Grundstück des Kompetenzzentrums entstehen drei Gebäude mit einer Nutzfläche von 3200 Quadratmetern, dazu gehört auch eine Einstellhalle für Unfallfahrzeuge. «Die Fahrzeuge werden deponiert, bis deren weitere Verwendung durch Versicherungen oder Fahrzeughalter abgeklärt ist», erklärt Hammer.

Der Fokus liege jedoch nicht nur beim schnellen Ausrücken zu Pannen- oder Unfallorten. Die technische Kompetenz der Mitarbeiter in ihrem Einsatz auf der Strasse sei ein Kernelement des Unfall- und Pannendienstes, betont Jörg Hammer. Moderne Fahrzeuge seien insbesondere im Bereich Elektronik hochkomplexe Systeme. «Die neuen Antriebstechnologien fordern das Fachwissen der Einsatzkräfte zusätzlich.» Er nennt ein Beispiel: Die in Elektro- und Hybridfahrzeugen eingesetzten Batterien bergen bei Unfällen Gefahren in Form von Spannungsübertragung auf die Karosserie. Es bestehe dabei die Gefahr von Selbstentzündungen, wenn sie nicht fachgerecht geborgen würden. Auch die sachgemässe und umweltgerechte Lagerung von geborgenen Fahrzeugen sei wichtig, sagt Hammer. «Diese Fahrzeuge, beziehungsweise deren Batterien, müssen überwacht werden, um die Gefahr der Erhitzung auszuschliessen.»

Eine Zusammenarbeit besteht auch mit der Polizei und den Rettungsdiensten. Zudem arbeitet ein neutrales Expertenbüro vor Ort. Weitere Standorte gibt es in den beiden Kantonen Nidwalden und Zug.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch