EMMENBRÜCKE: Kapitalerhöhung unter Dach und Fach

Die Aktionäre des Stahlkonzerns Schmolz+Bickenbach haben die Kapitalerhöhung an der ausserordentlichen Generalversammlung am Donnerstag deutlich angenommen. Auch die Verwaltungsratskandidaten der Erben und von Oligarch Viktor Vekselberg wurden problemlos gewählt.

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Aktionäre verfolgen die Generalversammlung im Gersag in Emmenbrücke. (Bild: Keystone)

Aktionäre verfolgen die Generalversammlung im Gersag in Emmenbrücke. (Bild: Keystone)

Die Kapitalerhöhung wurde mit 69,1 Millionen Aktionärsstimmen durchgewinkt. Abgelehnt wurde sie nur von 1,8 Millionen Aktionärsstimmen. Rund 360'000 Anteile enthielten sich der Stimme.

Von der Generalversammlung bestätigt wurden auch die vorgeschlagenen Verwaltungsräte. Neu im Gremium sitzen Vladimir Kuznetsov, Marco Musetti, Oliver Thum, Edwin Eichler, Michael Büchter, Hans Ziegler und Heinz Schumacher. Alle wurden mit deutlicher Mehrheit gewählt.

Einen etwas tieferen Zustimmungsgrad hatte einzig Thum zu verzeichnen. Er wurde als einziger Kandidat vom bisherigen Verwaltungsrat nicht unterstützt. Mit der Wahl dieses Verwaltungsrates hat Vekselberg zusammen mit der Gründerfamilie die Macht im Stahlkonzern zementiert.

Unabhängigkeit für den Konzern

Mit der Kapitalerhöhung will der neu gewählte Verwaltungsrat die Abhängigkeit des Konzerns von den Geldgebern verringern. Ein Teil des Erlöses wird zur Rückzahlung von Finanzverbindlichkeiten verwendet. Dass Schmolz+Bickenbach wegen seiner hohen Schulden eine Kapitalerhöhung vornehmen muss, war im Vorfeld unbestritten. Uneinig waren sich die Parteien jedoch um die Höhe des Mittelzuflusses.

Diese Frage war Gegenstand eines Machtkampfes zwischen den Erben der Gründerfamilie mit Viktor Vekselberg im Rücken und den Aktionären, die auf der Seite des bisherigen Verwaltungsrates standen. Während das bisherige Gremium eine Kapitalerhöhung um 330 Mio. Franken beantragte, forderten die Erben einen deutlich höheren Mittelzufluss. An der ausserordentlichen Generalversammlung am Donnerstag wurde beschlossen, das Aktienkapital um 438,2 Mio. Fr. zu erhöhen.

Drei Monate zuvor, an der ordentlichen Generalversammlung Ende Juni, hatten sich die Aktionäre noch für den Vorschlag des Verwaltungsrates ausgesprochen. Vekselberg und die Erben der Gründerfamilie erlitten eine Niederlage.

Kurz danach wurde jedoch bekannt, dass sich die Machtverhältnisse im Konzern verändert hatten. Der russische Oligarch hatte über seine Kapitalgesellschaft Renova seine Anteile an Schmolz+Bickenbach erhöht und kann inzwischen zusammen mit der Gründerfamilie den Konzern massgeblich kontrollieren.

Aufgrund dieser neuen Situation schloss die Gesellschaft im Juli mit Renova und den Erben eine Vereinbarung. Diese hatte zum Ziel, eine geordnete Kontrollübernahme durch die neuen Machtinhaber einzuleiten. Gleichzeitig sollte die Durchführung der nötigen Kapitalerhöhung sichergestellt werden.

Wie in der Vereinbarung festgehalten, benannten die neuen Hauptaktionäre in der Folge ihre Kandidaten für den neu zu besetzenden Verwaltungsrat. Im August wurde mitgeteilt, dass sämtliche bisherige Verwaltungsratsmitglieder nicht länger zur Verfügung stehen. Die bisherige Geschäftsleitung um Firmenchef Johannes Nonn und Finanzchef Hans-Jürgen Wiecha bleibt jedoch bestehen.

sda