EMMENBRÜCKE: Konfliktparteien unterschreiben Vereinbarung

Beim Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach tobt seit Monaten ein Machtkampf zwischen den Hauptaktionären und dem Verwaltungsrat. Nun haben die Konfliktparteien eine Einigung über das weitere Vorgehen erzielt.

sda
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Schmolz+Bickenbach Hauptsitz in Emmenbrücke. (Bild: Keystone)

Schmolz+Bickenbach Hauptsitz in Emmenbrücke. (Bild: Keystone)

Die getroffene Vereinbarung soll einen «geordneten Übergang der Verantwortung für das Unternehmen» auf den russischen Investor Viktor Vekselberg und die Gründerfamilien sicherstellen, wie Schmolz+Bickenbach am Mittwoch mitteilte.

Damit zeichnen sich weitreichende Veränderungen im Verwaltungsrat des Konzerns ab. Darüber entscheiden soll eine ausserordentliche Generalversammlung im September.

Beschlüsse blockiert

Die Erben der Firmengründer, die in der Schmolz+Bickenbach KG (S+B KG) organisiert sind, haben sich mit Vekselberg zusammengetan und wollen mithilfe seiner Kapitalgesellschaft Renova die Macht bei Schmolz+Bickenbach übernehmen. Dagegen wehren sich der Verwaltungsrat unter der Leitung von Hans-Peter Zehnder sowie mehrere kleinere Aktionäre.

Die Generalversammlung Ende Juni konnte der Verwaltungsrat für sich entscheiden. Unter anderem stimmten die Aktionäre einer Kapitalerhöhung um 330 Mio. Fr. zu - die Erben der Unternehmensgründer und Vekselberg hatten eine Erhöhung um 434 Mio. Fr. gefordert. Zudem wurde der Verwaltungsrat wiedergewählt. Allerdings erwirkte S+B KG nach der Generalversammlung eine Registersperre, so dass sämtliche Beschlüsse blockiert sind.

Kurze Zeit später musste Renova ein öffentliches Übernahmeangebot publizieren, nachdem ein Aktienpaket die Besitzer gewechselt hatte. Die Angebotsfrist läuft bis Ende August. Die Gründerfamilien und Renova verfügen zusammen über etwa 40 Prozent des Aktienkapitals. Um die Mehrheit zu erlangen, müssten also weitere rund 10 Prozent angedient werden.

Due-Diligence-Prüfung

Die nun getroffene Vereinbarung sieht vor, dass S+B KG und Renova im Hinblick auf eine mögliche Übernahme eine Due-Diligence-Prüfung von Schmolz+Bickenbach durchführen können. Zudem dürfen sie mit den kreditgebenden Banken des Stahlkonzerns Verhandlungen über eine Kapitalerhöhung führen, allerdings unter der Leitung der Konzernführung.

Im Gegenzug lässt der Verwaltungsrat von Schmolz+Bickenbach das Übernahmeangebot von Renova durch eine so genannte Fairness Opinion von unabhängiger Seite beurteilen.

Die Gründerfamilien und Vekselberg haben bis Mitte August Zeit zu entscheiden, ob sie die an der Generalversammlung beschlossene Kapitalerhöhung mittragen oder ob sie erneut eine umfangreichere Erhöhung vorschlagen wollen.

Wie aus dem Communiqué weiter hervorgeht, soll im September eine ausserordentliche Generalversammlung stattfinden, um Klarheit über die Zukunft des Konzerns zu schaffen. Eine solche war allgemein erwartet worden, nachdem S+B KG die Beschlüsse der ordentlichen Generalversammlung blockiert hatte.

Der Verwaltungsrat vertrete weiterhin die Interessen des Unternehmens sowie der Publikumsaktionäre, erklärte er in der Mitteilung. Er werde weiterhin auf rechtlichem Weg eine Aufhebung der Registersperre anstreben.

Fast eine Milliarde Schulden

Schmolz + Bickenbach ist ein deutscher Traditionskonzern mit einer Zentrale in Düsseldorf. Mit der Übernahme der Swiss Steel 2006 kotierte sich der Konzern an der Schweizer Börse, der Firmensitz ist offiziell das ehemalige Swiss-Steel-Hauptquartier in Emmenbrücke.

Die Gruppe steckt allerdings tief in den roten Zahlen und ist mit fast einer Milliarde Franken verschuldet. Zudem büsste das Unternehmen Reputation ein, weil Ende 2011 ans Licht kam, dass sich der damalige Verwaltungsratspräsident Michael Storm privat aus der Firmenkasse bedient hatte.