EMMENBRÜCKE: Schmolz+Bickenbach in Finanznot

Der schweizerisch-deutsche Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach kämpft um seine Zukunft. Der Konzern ist mit rund einer Milliarde Franken verschuldet.

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Archivbild eines Arbeiters bei Schmolz+Bickenbach in Emmenbrücke. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Archivbild eines Arbeiters bei Schmolz+Bickenbach in Emmenbrücke. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Zudem stürzte der Konzern im vergangenen Jahr in die roten Zahlen. Das Minus betrug 157,9 Mio. Euro. Im Vorjahr hatte das Unternehmen 42,7 Mio. Euro verdient. Auch der Umsatz ging deutlich zurück. Die Einnahmen des Industrieunternehmens mit Schweizer und deutschen Wurzeln fiel um 9,2 Prozent auf 3,58 Mrd. Euro.

Das erste Quartal 2013 fiel zwar überraschend besser auf, dennoch muss der Konzern die Weichen für die Zukunft neu stellen. Bereits Ende 2011 kündigte Schmolz+Bickenbach an, hunderte Arbeitsplätze, vor allem in Deutschland, abzubauen.

Fokus auf Produktionseinheiten

Im vergangenen Februar übernahm mit Konzernchef Johannes Nonn und Finanzchef Hans-Jürgen Wiecha ein neues Duo das Ruder. Der Fokus soll nun auf die Produktionseinheiten gelegt werden, zu denen etwa die schweizerische Swiss Steel und die französische Ugitech zählen.

Der Ausbau geht auf Kosten der Handelssparte. Insbesondere die Distribution und nachgelagerte Verarbeitung für Dritte soll zurückgefahren werden. Parallel zur Neuausrichtung wird die Führung des Konzerns an eine Management-Holding übertragen.

Neben der Neuausrichtung der Geschäfte soll die an der Generalversammlung vom Freitag diskutierte Kapitalerhöhung helfen, die Bilanz wieder ins Lot zu bringen. Der Verwaltungsrat schlägt den Aktionären vor, das Aktienkapital über eine Bezugsrechtsemission um 330 Mio. Fr. erhöhen.

Die Hauptaktionärin aus Düsseldorf hat indessen andere Pläne. Zusammen mit der Investmentgesellschaft Renova des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg schlägt sie eine Kapitalerhöhung um 434 Mio. Fr. vor.

Griff in die Firmenkasse

Nebst den finanziellen Nöten geriet Schmolz+Bickenbach Ende 2011 in die Schlagzeilen, weil sich der damalige Verwaltungsratspräsident Michael Storm an der Firmenkasse bediente, um seinen aufwändigen Lebensstil zu finanzieren. Schmolz+Bickenbach will auf gerichtlichem Weg 9 Mio. Euro zurück.

Michael Storm war seit 2003 Hauptaktionär und Verwaltungsrat des deutschen Schmolz+Bickenbach-Konzerns, dem damaligen Hauptaktionär von Swiss Steel. Als die beiden Unternehmen 2006 fusionierten, wurde Storm zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt. Nach seinem Abgang trat Hans-Peter Zehnder die Nachfolge an der Spitze des Verwaltungsrats an.

sda/nop