EMMENBRÜCKE: Schmolz+Bickenbach: Leicht bessere Zahlen

Während der Streit um die Rekapitalisierung des schweizerisch-deutschen Stahlkonzerns Schmolz+Bickenbach weiter schwelt, sind die Geschäftszahlen des ersten Quartals unerwartet gut. Rein operativ gesehen ist der Stahlkocher und -verarbeiter, zu dem auch die einstige Swiss Steel gehört, in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt.

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Der Stahlkocher und -verarbeiter Schmolz+Bickenbach schreibt operativ wieder knapp schwarze Zahlen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ (Archiv))

Der Stahlkocher und -verarbeiter Schmolz+Bickenbach schreibt operativ wieder knapp schwarze Zahlen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ (Archiv))

Auch Absatz und Umsatz von Schmolz+Bickenbach lagen in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres deutlich über den Zahlen des Dreimonatsabschnittes davor. Der Absatz lag 20 Prozent über dem Vorquartal, beim Umsatz wurde mit 867,4 Mio. Euro ein Plus von knapp 12 Prozent verzeichnet.

Verglichen mit dem 1. Quartal des letzten Jahres blieb das Geschäft aber weiterhin schwach. Der Absatz war heuer 13 Prozent tiefer als 2012, der Umsatz rund 15 Prozent. Zurückzuführen ist dies aber auch auf die ausserordentlich hohen Zahlen im Vorjahr - damals stockten die Kunden zu Beginn des Jahres vorsorglich ihre Lager auf, was dann im weiteren Verlauf des Jahres den Absatz von Schmolz+Bickenbach drückte.

Einen solchen spekulativen Aufbau der Lager sei derzeit nicht zu sehen, sagte Konzernchef Johannes Nonn am Mittwoch an einer Telefonkonferenz. Das habe zwar zu einem eher kleineren Absatz im vergangenen Quartal geführt, dürfte sich dafür aber positiv auf die Verkäufe in den verbleibenden Monaten des Jahres auswirken.

Das operative Ergebnis vor Steuern und Abschreibung (Ebitda) betrug 46,6 Mio. Euro, nachdem im Vorquartal noch ein Verlust von 15,0 Mio. Euro geschrieben wurde. Unter dem Strich standen mit einem Verlust von 7,7 Mio. Euro zwar weiterhin rote Zahlen, allerdings keine tiefroten mehr wie noch Ende 2012.

Sparmassnahmen greifen

Bereits erste Wirkung zeigten die im Herbst eingeleiteten Restrukturierungsmassnahmen. Im ersten Quartal ist der Personalaufwand gegenüber dem Vorjahr um 7,3 Prozent gesunken. Voll entfalten wird sich das Kostensenkungsprogramm aber erst in der zweiten Jahreshälfte, wie Schmolz+Bickenbach mitteilte.

Immer stärker wird das Unternehmen dagegen von seinen Schulden belastet. Netto betrug der Finanzaufwand im ersten Quartal knapp 22 Mio. Euro - im ganzen Jahr wird er sich laut Finanzchef Hans-Jürgen Wiecha bei gleich bleibender Kapitalstruktur auf bis zu 100 Mio. Euro belaufen.

Gesprächsfaden nicht abgerissen

Mit der angestrebten Rekapitalisierung von Schmolz+Bickenbach würde dieser Betrag kleiner. Wie dem Konzern neue Mittel zugeführt werden sollen, darüber sind sich der Verwaltungsrat des Konzerns und die Hauptaktionärin, die deutsche Schmolz+Bickenbach GmbH KG, aber alles andere als einig.

So fordern die Schmolz+Bickenbach GmbH KG und die russische Beteiligungsgesellschaft Renova eine Kapitalerhöhung um rund 428 Mio. Fr. und eine bessere Vertretung im Verwaltungsrat. Das Management dagegen hat nun am Mittwoch eine Alternative dazu angekündigt, welche die bisherigen Aktien weniger verwässern soll.

Nähere Angaben zur Kapitalerhöhung mit einem Volumen von rund 300 Mio. Fr. wurden allerdings noch nicht gemacht. Ob sich der Verwaltungsrat und die Hauptaktionärin auf einen gemeinsamen Vorschlag einigen können, ist denn auch weiter offen. Von Konzernchef Nonn war lediglich zu erfahren, dass es weiterhin Gespräche zwischen dem Stahlkonzern und seiner gleichnamigen Hauptaktionärin gibt.

Und so arbeitet das neue Management derzeit an einer neuen Strategie für den Konzern, ohne zu wissen, wie zukünftig dessen Kapital- und Besitzstruktur aussieht. Den Aktienkurs des Unternehmens haben die angekündigte Kapitalerhöhung und die Quartalsergebnisse allerdings vorerst einmal wieder in die Höhe schnellen lassen. Die Schmolz+Bickenbach-Aktie gewann am Mittwoch über 10 Prozent an Wert.

sda