EMMENBRÜCKE: Schmolz+Bickenbach richtet Geschäfte neu aus

Der schweizerisch-deutsche Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach richtet seine Geschäfte neu aus. Künftig will sich das Unternehmen stärker auf den Kernbereich Stahlproduktion konzentrieren.

sda
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Ein Mitarbeiter der Schmolz+Bickenbach bei der Arbeit am Elektroofen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Ein Mitarbeiter der Schmolz+Bickenbach bei der Arbeit am Elektroofen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Mit dem Fokus auf die Produktionseinheiten, zu denen etwa die schweizerische Swiss Steel und französische Ugitech zählen, will Schmolz+Bickenbach seine Position in den Kernmärkten Werkzeugstahl, rost-, säure- und hitzebeständiger Stahl sowie Edelbaustahl stärken, wie es in einer Medienmitteilung vom Montag heisst.

Der Ausbau geht auf Kosten der Handelssparte. Insbesondere die Distribution und nachgelagerte Verarbeitung für Dritte soll zurückgefahren werden, wie Konzernchef Johannes Nonn auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte.

Das Handelsgeschäft in Deutschland könnte laut Nonn auch ganz verkauft werden. Die Konzernleitung prüfe derzeit verschiedene Optionen. Die Sparte steuert pro Jahr etwa 700 Mio. Euro Umsatz bei.

Parallel zur Neuausrichtung wird die Führung des Konzerns an eine Management-Holding übertragen. Damit sollen Synergien zwischen den Einheiten realisiert werden.

Ausserdem leitet Schmolz+Bickenbach ein Wachstums- und Ergebnisverbesserungsprogramm ein. Von den Massnahmen erhofft sich der Konzern eine Verbesserung des operativen Ergebnisses (EBITDA) von 230 Mio. Euro. 100 Mio. Euro davon entfallen auf Kostensenkungs- und Effizienzmassnahmen.

Bei Schmolz+Bickenbach hat im Februar eine neue Führungscrew das Ruder übernommen. Neben der Neuausrichtung der Geschäfte soll auch eine Kapitalerhöhung helfen, die Bilanz wieder ins Lot zu bringen. Der Verwaltungsrat schlägt den Aktionären vor, an der Generalversammlung Ende Juni das Aktienkapital über eine Bezugsrechtsemission um 330 Mio. Fr. erhöhen.

Die Hauptaktionärin, die Schmolz+Bickenbach KG aus Düsseldorf, hat indessen andere Pläne. Zusammen mit der Investmentgesellschaft Renova des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg schlägt sie eine Kapitalerhöhung um 434 Mio. Fr. vor.

Machtkampf um die Kontrolle im Konzern

In den Differenzen über die Kapitalerhöhung kommt ein Machtkampf zum Ausdruck. Der Hauptaktionär S+B KG will Vekselbergs Renova an Bord holen. Der Verwaltungsrat schlägt andere Grossaktionäre vor, welche S+B KG, die Familiengesellschaft der Unternehmensgründer, jedoch ablehnt.

Die Schweizerische Übernahmekommission hatte S+B KG und Renova jüngst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie lehnte ein Gesuch der beiden um die Befreiung von der Angebotspflicht ab.

Die Gesuchsteller wollten wegen der von ihnen behaupteten Sanierungsbedürftigkeit des Unternehmens von der Vorschrift befreit werden, beim Überschreiten der Beteiligungsschwelle von 33,3 Prozent allen Aktionären ein Kaufangebot unterbreiten zu müssen.

Gemäss Angaben von Schmolz+Bickenbach hätte ihnen das ermöglicht, die Kontrolle zu übernehmen, ohne die Publikumsaktionäre dafür zu entschädigen. Die Übernahmekommission verneinte die Sanierungsbedürftigkeit von S+B.