EMMENBRÜCKE: Seetalplatz soll neue Partyzone werden

Luzern will nicht noch mehr Ausgehlokale und nimmt die Nachbargemeinden in die Pflicht. Emmen nimmt den Ball auf. Im Fokus: Seetalplatz und Viscosistadt.

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Die geplante Partyzone in Emmen. (Bild: Karte: Martin Ludwig)

Die geplante Partyzone in Emmen. (Bild: Karte: Martin Ludwig)

Alexander von Däniken

Rund 70 Bars und Clubs in Luzern haben auch nach 0.30 Uhr geöffnet. Auf diesem Stand soll das Nachtleben in der Stadt bleiben, wie es in der «Strategie Nachtleben und öffentlicher Raum» heisst, welche Stadt und Kanton letzte Woche an einer Medienkonferenz vorgestellt haben. Die Behörden wollen die Nachbargemeinden motivieren, in ihr eigenes Nachtleben zu investieren. Naheliegend ist da Luzern-Nord, sprich Emmen. «Wir schauen gespannt Richtung Seetalplatz», sagte der städtische Sicherheitsmanager Maurice Illi vor der Presse. In den letzten Jahren ist bis zu diesem Platz – mit einigen Lücken – eine regelrechte Ausgehmeile entstanden: Beginnend beim Luzerner Kasernenplatz mit angrenzendem Bruchquartier, der Baselstrasse entlang bis zur Lindenstrasse. Und: Schon jetzt zieht der Kinokomplex Maxx am Seetalplatz abends Hunderte Ausgänger an. Noch ist von einem Ausgeh-Hotspot am Seetalplatz aber wenig zu sehen: Bis in drei Jahren wird der Platz komplett umgebaut (siehe Kasten).

Nächtliches Subzentrum

Will Emmen überhaupt mehr Nachtleben? Ja, sagt Gemeinderat und Bauvorsteher Josef Schmidli (CVP): «Gerade bei neuen Gebieten in Zentrumslagen ist uns wichtig, dass es nicht nur tagsüber belebt ist, sondern auch abends.» Es sei ein Ziel, Wohnen, Arbeiten und Freizeit zu verbinden. Zuerst müsse allerdings die Infrastruktur stimmen; also die Arbeiten am Seetalplatz fertig werden. Dann aber werde Luzern-Nord auch für Restaurants, Bars und Clubs attraktiver und zu einem Subzentrum des Nachtlebens: «Nicht umsonst plant das Maxx mehr Kinosäle. Die verkehrstechnische Erschliessung ist mehr als ideal. Und die Mieten sind günstiger als in der Stadt.»

Schmidli nennt auch die künftige Vis­cosistadt als möglichen Hotspot: «Schon jetzt gibt es mit der Viscose-Event-Bar in der Vorder-Emmenweid ein Ausgehlokal.» Wenn 2016 die Hochschule Luzern – Design & Kunst einen der Industriebauten bezieht, werde dies für zusätzlichen Schub sorgen. Die Gemeinde werde die Ansiedelung von Bars weder gross steuern noch regulieren können: «Es wird organisch wachsen. Wenn Auflagen und die Nachtruhe verletzt werden, handeln wir aber sofort.» Schmidli setzt auf die Kreativität der künftigen Ausgehlokale.

Unternehmer weiss um Potenzial

Einer, der in den letzten Jahren mit kreativen Lokalen für Aufsehen gesorgt hat, ist Philippe Giesser. Mit Heinrich Michel und Simon Feigenwinter hat er zur Aufwertung der Lindenstrasse am nördlichen Stadtrand beigetragen. Die vor fünf Jahren gegründete Sinnvoll Gastro AG des Trios betreibt an der ehemals verruchten Strasse die Cocktailbar Gleis 13, das Restaurant Gartenhaus 1313 und die Open-Air-Bar Container 13. «Ich bin überzeugt, dass sich das Nachtleben in den nächsten Jahren weiter Richtung Seetalplatz und Viscosistadt ausbreitet», sagt Giesser. Dafür brauche es Zeit. Je mehr Lokale sich ansiedelten, desto attraktiver werde ein Gebiet für weitere Lokale.

Ausstrahlung wie Zürich-West

Welcher Art diese sein werden, könne nicht abgeschätzt werden. «Die Baselstrasse und die Lindenstrasse galten ja auch lange als verrucht und leben bis heute vom Multikulti-Flair. Wie sich Emmen entwickelt, kann man nicht vorhersagen.» Möglich ist auch, dass Giesser und seine Geschäftspartner aktiv werden. Emmen ist ihnen nicht unbekannt: Schon heute führen sie in Emmenbrücke das Ferus, einen Hotel-Restaurant-Betrieb.

Ulrich Freyenmuth, Gebietsmanager des Gemeindeverbands Luzern Plus, vergleicht Luzern-Nord mit Zürich-West, was die künftige Ausstrahlung betreffen könnte. Dazu gehören zahlreiche Wohn- und Arbeitsplätze, ein breites Angebot für Freizeit, Erholungsräume, Bildung und Kultur. «Auch ein guter Mix an Restaurants, Ausgangs- und Unterhaltungslokalen wird dazugehören. Bestehende oder erweiterte Angebote wie das Kino Maxx, die Viscosibar oder die Kunstplattform Akku bilden ja bereits eine gute Basis dazu», so Freyenmuth.

Derzeit gebe es aber noch keine konkreten Ideen für weitere Lokale oder gar eine Ausgangsmeile.

Luzern-Süd: Tanzen, Jazz, Musical

Auf der anderen Stadtseite – Luzern-Süd – geht es wesentlich ruhiger zu. Auf Luzerner Boden hat sich der Südpol etabliert, im Krienser Industriequartier wird in den Clubs Vegas und Avalon getanzt. Der Krienser Gemeindeammann Matthias Senn (FDP) hält nichts davon, eine Partymeile entstehen zu lassen: «Viel mehr wollen wir das Angebot diversifizieren.» Heisst: Durch die Ansiedelung der Hochschule Luzern – Musik beim Südpol im Jahr 2019 werden dort auch im Kammermusik-Saal und im Jazz-Club auch Konzerte stattfinden, inklusive eines noch offenen gastronomischen Angebots. Senn erwähnt ebenfalls Le-Théâtre im Grabenhof. Auch die kürzlich vorgestellte Multifunktionshalle Pilatus-Arena soll mehr als sportlichen Zwecken dienen. «Wir sind auf einem guten Weg. Schon jetzt ist Luzern-Süd ein lebendiger Stadtteil», sagt Senn.