EMMENBRÜCKE: Vekselbergs Übernahmeversuch gescheitert

Die vom russischen Oligarchen Viktor Vekselberg kontrollierte Renova und der deutsche Hauptaktionär Schmolz+Bickenbach GmbH & Co. KG (S+B KG) können den schweizerisch-deutschen Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach (S+B) nicht ohne ein öffentliches Übernahmeangebot übernehmen.

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Stahlwerk Schmolz+Bickenbach in Emmenbrücke. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ (Archiv))

Stahlwerk Schmolz+Bickenbach in Emmenbrücke. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ (Archiv))

Die Schweizerische Übernahmekommission (UEK) hat ein Gesuch vom 26. April für eine Befreiung der Angebotspflicht von Renova und der S+B KG am vergangenen Freitag abgewiesen, wie der Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach am Freitag mitteilte. Die Verfügung wurde am (heutigen) Freitag von der UEK veröffentlicht.

Die Gesuchsteller beantragten eine Ausnahme von der geltenden Regelung aufgrund der Sanierungsbedürftigkeit des Unternehmens. Sie wollten von der gesetzlichen Vorschrift befreit werden, beim Überschreiten der Beteiligungsschwelle von 33,3 Prozent an S+B allen Aktionären ein Kaufangebot unterbreiten zu müssen. Dies hätte es laut S+B Renova ermöglicht, die Kontrolle des Konzerns zu übernehmen, ohne die Publikumsaktionäre dafür zu entschädigen.

Die UEK stellte in ihrer Verfügung nun fest, dass Schmolz+Bickenbach nicht im übernahmerechtlichen Sinn sanierungsbedürftig sei und wies das Gesuch ab. Die kurzfristige und mittelfristige Liquidität des Unternehmens sei sichergestellt.

Zwei Angebote von Investoren

Verwaltungsratspräsident Hans-Peter Zehnder erklärte am Freitagnachmittag an einer Telefonkonferenz, die UEK habe mit ihrem Entscheid viel zur Klärung beigetragen. Die Bestätigung der Überzeugung des Verwaltungsrates, dass S+B kein Sanierungsfall sei, sei auch im Zusammenhang mit der Investorensuche und der Bewertung der Gesellschaft ausserordentlich wichtig.

Schmolz+Bickenbach verfüge über genügend Liquidität. Der Plan von S+B KG und Renova den Konzern handstreichartig zu übernehmen sei damit gescheitert, so Zehnder. Dem Verwaltungsrat liegen nach Angaben von Zehnder seit kurzem zwei konkrete, klar spezifizierte Angebote von Investoren vor, die der S+B KG vorgelegt wurden, diese habe sich dazu noch nicht geäussert.

Kapitalbedarf

Unbestritten ist, dass Schmolz+Bickenbach einen zusätzlichen Kapitalbedarf hat. Umstritten ist jedoch die Höhe. Der Verwaltungsrat plane eine moderate und ausreichende Kapitalerhöhung von rund 250 Mio. Euro, betonte Zehnder. Renova wiederum verlangt eine Kapitalerhöhung von 350 Mio. Euro, was vom Verwaltungsrat des Konzerns als «aus finanzieller Sicht als unverhältnismässig gross» beurteilt wird.

Renova will laut Verwaltungsrat bei dieser Kapitalerhöhung selber als sogenannter Underwriter auftreten, das heisst, die neu auszugebenden Aktien aus der Kapitalerhöhung fest übernehmen und nicht wie üblich Banken damit und mit der Platzierung der neuen Aktien mandatieren.

Dadurch würde die S+B KG/Renova-Gruppe an nicht ausgeübte Bezugsrechte gelangen und könnte so ihre Beteiligung an der S+B AG auf gegen 50 Prozent ausbauen, ohne ein Übernahmeangebot an die Publikumsaktionäre lancieren zu müssen, kritisiert der Verwaltungsrat.

Operativ in den schwarzen Zahlen

Vor gut einer Woche hatte der Konzern für das erste Quartal 2013 unerwartet gute Geschäftszahlen vorgelegt. Rein operativ gesehen kehrte der Stahlkocher und -verarbeiter, zu dem auch die einstige Swiss Steel gehört, in die schwarzen Zahlen zurück.

Auch Absatz und Umsatz von Schmolz+Bickenbach lagen in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres deutlich über den Zahlen des Dreimonatsabschnittes davor.

Am 28. Juni soll die ordentliche Generalversammlung von Schmolz+Bickenbach für das Geschäftsjahr 2012 stattfinden. Die Traktandenliste dazu wird am 7. Juni publiziert.

sda