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EMMENBRÜCKE: Zirkusdirektor Skreinig: «Es ist ein harter wirtschaftlicher Kampf»

Noch bis zum 1. Januar gastiert der Circus Royal beim Parkplatz Mooshüsli. Direktor Oliver Skreinig (39) zieht eine erste Bilanz – und spricht über die schwierige wirtschaftliche Situation.
Oliver Skreinig, Direktor des Circus Royal. (Bild: Nadia Schärli (Emmenbrücke, 27. Dezember 2017))

Oliver Skreinig, Direktor des Circus Royal. (Bild: Nadia Schärli (Emmenbrücke, 27. Dezember 2017))

Interview Theres Bühlmann

theres.buehlmann@luzernerzeitung.ch

Oliver Skreinig, der Circus Royal beendet am 1. Januar nach einem Monat sein Weihnachtsprogramm in Emmenbrücke. Sind Sie zufrieden mit den Zuschauerzahlen?

Definitiv abgerechnet wird erst am Schluss. Aber dieses Jahr war es schwieriger als sonst, weil es viele andere Veranstaltungen gab und teilweise gleich drei Zirkusse in der Region Halt machten.

Sie sind seit 1998 Direktor des Circus Royal. Wie haben sich denn die Zuschauerzahlen verändert?

Wir hatten sehr starke Jahre, die letzten 20 Jahre waren zufriedenstellend, nun geht es aber wieder leicht abwärts. Wir haben festgestellt: Wenn es den Menschen gut geht, verreisen sie häufiger, bei weltweiten Unruhen bleiben sie eher zu Hause und unternehmen andere Sachen, eben einen Zirkusbesuch.

Sie haben im Schnitt 200000 Zuschauer pro Jahr, der Circus Knie 800000. Nimmt er Ihnen Zuschauer weg?

Nein. Wir kommen gut nebeneinander vorbei und besuchen uns auch gegenseitig. Wir haben der älteren Knie-Generation viel zu verdanken. Sie hat in der Schweiz den Zirkus gesellschaftsfähig gemacht.

Sind soziale Medien oder andere Veranstaltungen nicht auch eine grosse Konkurrenz?

Nein, unsere grösste «Konkurrenz» ist die finanzielle Situation der Familien. Natürlich versuchen wir, die Preise so zu gestalten, dass es für Familien erschwinglich wird, aber es muss für uns ja auch irgendwie auf­gehen. Ein Ticket für Kinder im Alter von 3 bis 12 Jahren kostet 19 Franken, das teuerste für Erwachsene 46 Franken.

Trotzdem, der Zirkus übt nach wie vor eine grosse Anziehungskraft aus.

Wir bieten ja auch viel. Ein zweistündiges Live-Erlebnis mit Gänsehautfeeling, ein Programm, bei dem für jeden Geschmack etwas dabei ist. Und man kann den Zirkus ja richtiggehend riechen.

Zirkusse haben etwas von einer Wunderwelt, von Poesie, Glitzer und Romantik. Wie sieht es hinter den Kulissen aus?

Es ist ein harter wirtschaftlicher Kampf, wir müssen ohne Subventionen auskommen und die Unkosten einspielen. Allein die Sozialausgaben für unsere 120 Angestellten belaufen sich auf 1,5 Millionen Franken, die rund 100 Fahrzeuge müssen jährlich zur Kontrolle, was mit 200 000 Franken zu Buche schlägt. Nach 20 Jahren Spielzeit muss die Sitzeinrichtung für 1 Million Franken erneuert werden.

Sie müssen daher als Direktor innovativ sein. Was unternehmen Sie konkret?

Wir müssen uns anders am Markt positionieren und versuchen, mit Nischenprodukten neue Wege zu gehen. Sei es, indem wir nicht einfach Nummer an Nummer reihen, sondern die Elemente in eine Geschichte verpacken. Und wir treten mit Raubtieren auf.

Der Circus Royal ist einer der wenigen Zirkusse, die Raubtiere im Programm haben, dieses Jahr fünf Tiger. Sie ernten immer wieder Kritik. Wie gehen Sie damit um?

Ich unterscheide zwischen jenen, die sich für den Tierschutz einsetzen, und Tierrechtsorganisationen, die militant auftreten. Es gibt, was die Haltung von Raubtieren im Zirkus betrifft, strenge Regeln, die kontrolliert werden, und wir haben dies­bezüglich immer positive Feedbacks. Zudem haben wir fest­gestellt, dass die breite Masse nicht gegen die Raubtierhaltung im Zirkus ist. Und wir können den Zuschauern einiges über diese Tiere beibringen.

Also sind im kommenden Programm wieder Raubtiere zu sehen?

Ja, wir planen eine sehr schöne Nummer mit drei Löwen, wir zeigen unter anderem, wie man mit jungen Tieren trainiert, damit sie Vertrauen fassen.

Zurück zur Wirtschaftlichkeit. Können kleine Zirkusse in Zukunft überleben?

Als zweitgrösster Schweizer Zirkus sind wir nicht klein. Wir haben aber eine schwierige Zukunft vor uns. Eigentlich müssten wir drastisch verkleinern. Das würde aber Abstriche in der Qualität bedeuten, und das ist nicht unser Ziel. Wir wollen unseren Zirkus am Leben erhalten. Und dies gilt auch für die kleineren Unter­nehmen. Ich bin überzeugt, dass dies allen gelingt, denn der Zirkus hat auch heute nichts von seiner Faszination verloren.

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