EMMENBRÜCKE: Zwillinge im Doppelpack – sie kennen es schon lange

Wie Roger Federer leben auch die Braunschweilers mit Doppelzwillingen – und dies schon seit über zwei Jahren. Die Ankündigung des Arztes sorgte zunächst aber für einen Schock.

Yasmin Kunz
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Manuela (40) und Cyril Braunschweiler (37) aus Emmenbrücke und ihre Doppelzwillinge: Luca und Tania (8) und die zweijährigen Svenia (beim Papi) und Julia (bei Mami). (Bild Pius Amrein)

Manuela (40) und Cyril Braunschweiler (37) aus Emmenbrücke und ihre Doppelzwillinge: Luca und Tania (8) und die zweijährigen Svenia (beim Papi) und Julia (bei Mami). (Bild Pius Amrein)

Ein grosser Plüschteddybär öffnet die Tür. Dahinter steht die lachende Svenia (2), neben ihr ihre Zwillingsschwester Julia. Svenia und Julia sind das zweite Zwillingspaar von Cyril (37) und Ma­nuela (40) Braunschweiler. Was Roger und Mirka Federer seit acht Tagen haben, kennen die Braunschweilers bereits seit über zwei Jahren: ein Leben mit Doppelzwillingen.

Cyril Braunschweiler arbeitet als Automatiker, und seine Frau ist jeden Freitagmorgen an der Migros-Kasse tätig. «Ich brauche diese Abwechslung», erklärt sie. Während Manuela Braunschweiler arbeitet, betreut eine Nanny die zwei zweieiigen Zwillingskinder.

Ihre 4?-Zimmer-Wohnung in Emmenbrücke ist eng, viele Kinderfotos schmücken die Wände, und über der Eckbank hängt der «Ämtliplan» für die Kinder. Aus dem Hintergrund ertönt Kindergelächter von den zwei kleinen Mädchen, die vergnügt mit Puppen spielen. Luca (8) beschäftigt sich derweil mit dem Computer am Bürotisch im Wohnzimmer.

Zwillinge in der Schule getrennt

Währenddessen sitzt seine Zwillingsschwester Tania noch in der Mathematiklektion. Warum sind die Zwillinge nicht in der gleichen Klasse? «Wir wollten das so. Auch wenn sie Zwillinge sind, sind sie charakterlich sehr unterschiedlich. Sie sollen sich individuell entfalten können. Zudem hätten sie viel Streit», begründet die Mutter den Entscheid. Luca sagt dazu: «Ich fände es doof, mit Tania in derselben Klasse zu sein, weil sie dann alles von mir erzählen könnte.» Und wie sieht das die Schwester? Auch sie findet es gut, dass sie nicht mit ihrem Bruder bei der gleichen Lehrperson den Unterricht besucht, «da er mich manchmal ganz schön nervt. Und dann könnten wir Mama nichts Unterschiedliches erzählen.»

«Wir wollten ein drittes Kind»

Was geht einem durch den Kopf, wenn der Frauenarzt zum zweiten Mal sagt, dass Zwillinge im Bauch sind? «Vorerst war das ein Schock, und wir hatten Angst», sagt die Mutter. Die erste Schwangerschaft sei für sie nicht einfach gewesen. Ab der 28. Woche wurde ihr Bettordnung verschrieben. Kein Haushalt, keine Spaziergänge, kein Arbeiten. Per Kaiserschnitt kamen die ersten Zwillinge in der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt. Drei strenge Monate folgten für die junge Familie. «Die Kinder haben viel geweint, ich war überfordert und kam kaum noch zum Schlafen», beschreibt die Mutter die damalige Situation. Diese schwierige Zeit war auch fünfeinhalb Jahre später, bei der zweiten, ebenfalls auf natürlichem Weg entstandenen Zwillingsschwangerschaft, noch präsent. Ihr Mann Cyril Braunschweiler erinnert sich ebenfalls noch an die Nachricht des Gynäkologen. «Irgendwie hatte ich es geahnt, da in der Familie meiner Frau ein paar Zwillinge auf die Welt gekommen sind. Trotzdem: Für mich war es ein grosser Schock. Sofort waren da die Existenzängste. Nochmals zwei? Werden wir das schaffen? Ist das klug, wenn wir das durchziehen?»

Zweite Schwangerschaft einfacher

Er schaut die zwei knapp dreijährigen Mädchen an und meint, er sei froh, seien sie hier. Bei der Mutter haben sich die Ängste schneller gelegt. Sie merkte, dass die Schwangerschaft einiges besser zu verlaufen schien als die erste, und konnte auch bis zur 37. Woche haushalten und sich um das erste Zwillingspaar kümmern.

Den Vater plagten nach wie vor die finanziellen Sorgen. Die Hochstühle, Betten und den Kinderwagen hatten sie bereits weiterverschenkt. «Zum Glück gibt es die Schweizerische Vereinigung ‹Ja zum Leben›. Diese spendet Familien, die in Not sind, Betten, Wagen, Stühle und Kleider.» Sogar Windeln hätten sie erhalten, so Manuela Braunschweiler. Werden die Dinge nicht mehr benötigt, gibt man sie zurück, und eine weitere Familie profitiert. «Eine fantastische Sache», schwärmt sie. Damit hat sich die finanzielle Situation erst mal beruhigt.

«Zudem ist das zweite Zwillingspaar einfacher», erklärt die Mutter. «Bei den ersten beiden konnte ich viel Erfahrung sammeln, und das machte mich ruhiger.» Ruhig – das ist Manuela Braunschweiler definitiv. Als es an der Tür klingelt und Julia mit dem Schlüssel versucht das Schlüsselloch zu treffen, um die Tür aufzuschliessen – was für Zuschauer unendlich lange zu dauern scheint –, wartet die Mama geduldig, bis ihre Tochter das selbst geschafft hat. Der Kartonlieferant, der für den bevorstehenden Umzug in eine 5?-Zimmer-Wohnung Kartonkisten bringt, zeigte weniger Ausdauer – er war bereits weg. «Geduld ist das A und O, wenn man vier Kinder hat», sagt die Doppelzwillingsmutter.

Charakterlich identisch

Zwillinge bedeutet einen doppelten Aufwand, oder? «Nein, nein, so ist es nicht, und es gibt auch Vorteile», räumt der Vater ein. «Wenn die Kinder ins Schwimmen gehen, muss ich nur einmal fahren, da ja beide den gleichen Kurs besuchen.» Auch würden beide gleichzeitig eingeschult, erklärt er weiter. Sie hätten zudem ein charakterlich identisches Zwillingspaar erhalten, so spielt Luca viel mit Svenia, die eher Bubeninteressen hat, und Tania und Julia verstehen sich prächtig. Die Jüngeren sind also immer in geschwisterlicher Obhut.

«Dass sich das ältere Zwillingspaar gerne um die Kleinen kümmert, erleichtert uns den Alltag», so die Mutter. Trotzdem: Ein Aufgabenplan ist unabdingbar. Es müsse alles top organisiert sein, sonst würde das Chaos ausbrechen, meint sie und fügt dem an: «Man darf aber auch nicht enttäuscht sein, wenn nicht alle Aufgaben erledigt werden können. Eins nach dem anderen, das ist unser Familienmotto.» Dies, so Manuela Braunschweiler, würde sie auch als Ratschlag den Federers mitgeben.