EMMEN/LUZERN: «Jeder Einzelne muss etwas für Integration tun»

Im Chor der Nationen singen Immigranten aus über 20 Ländern mit, darunter Jacintha Reginold. Sie musste ihren Platz in der Schweizer Gesellschaft hart erkämpfen.

Drucken
Teilen
SP-Politikerin Jacintha Reginold (57) übt für den Chor der Nationen. (Bild Philipp Schmidli)

SP-Politikerin Jacintha Reginold (57) übt für den Chor der Nationen. (Bild Philipp Schmidli)

Aus etwa 100 Sängerinnen und Sängern besteht der Luzerner Chor der Nationen, der morgen im KKL auftritt. Der Chor wurde 2006 als Integrationsprojekt für Menschen aus unterschiedlichen Ländern in Solothurn gegründet. Rasch folgten Chöre in Luzern, Glarus, Zürich und Bern. «Wir singen ganz verschiedene Lieder aus den verschiedenen Kulturen, zum Beispiel aus Russland oder Taiwan», erzählt die Emmer SP-Einwohnerrätin Jacintha Reginold. Seit Beginn singt sie im Chor mit. Die 57-Jährige kam vor 31 Jahren als Asylbewerberin aus Sri Lanka in die Schweiz. «Mein Mann und ich mussten vor dem Krieg fliehen. Ich war schwanger. Das war keine einfache Situation», erinnert sie sich.

Für Jacintha Reginold war von Anfang an klar, dass sie sich hier so gut wie möglich integrieren wollte. Die Sprache zu lernen, sei dabei sehr wichtig gewesen: «Nicht nur, um sich verständigen zu können. Auch, um sich wehren zu können.» Sie wollte so viel wie möglich lernen. «Ich wollte nicht, dass meine Kinder mehr über die Schweiz und das System wissen als ich», sagt sie lächelnd.

«Mehr Möglich­keiten für Ausländer»

Und das ist ihr offenbar gelungen. Heute arbeitet sie als Übersetzerin eng mit der Polizei, Spitälern, der Caritas und anderen Institutionen zusammen. Ausserdem engagiert sie sich politisch für die SP im Emmer Einwohnerrat. Auch in der Politik ist ihr das Thema Integration sehr wichtig. «Heute haben Ausländer mehr Möglichkeiten als damals, als ich in die Schweiz kam. Ich bin stolz auf Emmen und unsere Projekte.» Doch eines sei klar: «Integration kann nur passieren, wenn jede und jeder Einzelne etwas dafür tut. Ich musste für mich kämpfen, habe überall – im Kinderhort, in der Schule, im Turnverein – mitgemacht.»

Gschwellti am ersten Tag

Als Flüchtling aus Sri Lanka hat sich für die damals junge Frau viel verändert. «Ich musste mich an das Wetter gewöhnen. Und an das Essen», erinnert sie sich schmunzelnd. Als sie zu den Menzinger Schwestern kam, bei denen sie vier Jahre lebte, gaben diese gleich den Tarif durch: «Es wird gegessen, was auf den Teller kommt.» Am ersten Abend war das Gschwellti mit Käse. «Das war für mich sehr gewöhnungsbedürftig. Heute liebe ich es», lacht sie. Tamilische Gerichte kocht sie fast nur noch, wenn sie Besuch hat, der das erwartet.

Jacintha Reginold wuchs in einer musikalischen Familie auf. So singt die Katholikin seit 25 Jahren im Kirchenchor Gerliswil. «Am Anfang war das schon schwierig. Ich war fremd, man hatte Angst, dass ich nichts verstehe oder nicht singen kann», erinnert sie sich lachend.

Jeder bringt ein Lied mit

Obwohl der Chor der Nationen als Integrationsprojekt gegründet wurde, ist die Mutter einer Tochter und eines Sohns nicht aus politischen Überlegungen Mitglied. «Singen tue ich für mich», betont sie. Dafür lernen sie und die anderen Chormitglieder die fremdsprachigen Texte auswendig.

Bevor mit dem Proben angefangen wird, erklärt derjenige, der das Lied mitbringt, den Inhalt. Danach wird die Aussprache geübt. «Auch wenn wir die Worte nicht verstehen, die Gefühle spürt man trotzdem, zum Beispiel durch die Melodie. Da finde ich auch Gemeinsamkeiten zwischen den Kulturen», erklärt Jacinta Reginold die Arbeit des Chors. Die rund 100 Sänger kommen aus der Schweiz und über 20 anderen Ländern. Entsprechend breit ist das Repertoire des Chors.

Hinweis

Das Konzert «Viele Stimmen – eine Sprache» findet morgen um 19.30 im KKL Luzern statt. VV: Tel. 041 226 77 77, www.chordernationen.ch