Emmens erste Gemeindepräsidentin: «Ich wollte die Chance packen»

Die neue Gemeindepräsidentin Emmens, Ramona Gut-Rogger (FDP), zieht bald vom Schulhaus Gersag in den «Schoggiturm». Von langer Hand geplant hat sie die steile politische Karriere nicht.

Beatrice Vogel
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Ramona Gut-Rogger (FDP) auf dem Pausenplatz der Schulanlage Gersag, wo sie Schulleiterin ist. (Bild: Nadia Schärli, 3. September 2019)

Ramona Gut-Rogger (FDP) auf dem Pausenplatz der Schulanlage Gersag, wo sie Schulleiterin ist. (Bild: Nadia Schärli, 3. September 2019) 

Die Schule Gersag 2 braucht eine neue Schulleiterin. Denn die bisherige wird ihr Büro schon bald auf die andere Seite der Strasse in den «Schoggiturm» zügeln: Seit Montag steht fest, dass Ramona Gut-Rogger die erste Gemeindepräsidentin Emmens wird. Dass es so schnell gehen würde, habe sie selbst nicht erwartet – «auch wenn es sich gegen Ende der Eingabefrist abgezeichnet hat», sagt sie. Weil es keine anderen Kandidaten für das Amt gab, kam es zur stillen Wahl.

«Ich glaube nicht, dass der Job unattraktiv ist. Es gab wohl keine anderen Kandidaten, weil in einem halben Jahr wieder Wahlen sind», meint sie. Und einige Wähler hätten ja in der FDP-internen Ausmarchung für sie gestimmt. Dort wurde Gut im ersten Wahlgang mit einem überragenden Resultat gewählt.

Ehrgeiz – und eine steile Karriere

FDP-Akteure schwärmten an der Parteiversammlung in den höchsten Tönen von ihrer Kandidatin: Sie habe Erfahrung in Politik sowie auf Führungsebene und verfüge über Zielstrebigkeit und Durchsetzungsvermögen. Dieser Charakterisierung pflichtet Gut bei und ergänzt:

«Ich bin zuverlässig, fleissig und bleibe mit Herzblut bei einer Sache, die ich begonnen habe.»

Dass sie ehrgeizig ist, zeigt auch ihre Karriere. Neben ihrer Ausbildung zur Schulleiterin hat sie in einem Vollzeit-Pensum als Sekundarlehrerin unterrichtet. Mit 33 Jahren wurde sie in Emmen Schulleiterin. Auch politisch geht es in ihrer Karriere durch die Wahl zur Gemeindepräsidentin steil nach oben. Im Einwohnerrat politisiert sie seit 2012. Ihre Erfahrungen aus dem Parlament seien wertvoll, sagt die bald 37-Jährige. «Ich kenne die Abläufe wie auch die Politikerkollegen und Verwaltungsangestellten.»

Als Gemeinderätin will Ramona Gut gemeinsam mit den Kollegen Lösungen zum Wohl der Bevölkerung erarbeiten. «Klar ist, dass uns die Finanzen im Spannungsfeld des Wachstums in den kommenden Jahren weiter beschäftigen werden. Wir müssen versuchen, unseren Handlungsspielraum zu vergrössern, um die Infrastrukturkosten zu decken», sagt sie. Dies sei auch bisher ihr politischer Schwerpunkt gewesen. Darüber hinaus sei ihr wichtig, dass die Gemeinde «an der Entwicklung rund um den Seetalplatz dran bleibt», damit hier ein lebendiges Zentrum entstehe. Als Gemeindepräsidentin wird Gut repräsentative Aufgaben übernehmen und Lobbying betreiben müssen. «In diese Aufgabe werde ich noch hineinwachsen.» Doch habe sie bei der Organisation des Berufserkundungsparcours für Schüler seit 2017 viele Klinken geputzt und dabei erste Erfahrungen gesammelt.

In Emmen aufgewachsen und nie weggezogen

Ramona Gut ist in Emmenbrücke aufgewachsen und nie von hier weggezogen. «Es gab keinen Anlass dafür, ich fühle mich hier wohl», sagt sie. Mit ihrem Mann Markus hat sie sich schon früh ein Eigenheim im Erlenquartier gekauft. «Die urbanen und ländlichen Teile Emmens, die schnell erreichbaren Naherholungsgebiete, die vielfältige Vereinslandschaft – das alles schätze ich», so Gut. Sie selbst war vor ihrer politischen Tätigkeit im Vorstand des FC Emmenbrücke engagiert.

Aus liberalem Elternhaus stammend – ihr Vater kandidierte einst für den Grossen Rat – kam Ramona Gut früh zur Politik. So erstaunt es nicht, dass die FDP sie für politische Ämter anfragte. Nun schreibt sie als erste Gemeindepräsidentin und zweite Frau im Gemeinderat Geschichte. Wie fühlt sich das an? «Ich habe eigentlich nie auf eine politische Karriere hingearbeitet», antwortet sie. «Aber ich wollte die Chance packen.» Zudem, betont Gut, habe sie ihrer Qualifikationen wegen gewählt werden wollen, nicht weil sie eine Frau ist. Die Gender-Thematik sei für sie auch nicht wichtig im Hinblick darauf, dass sie die einzige Frau im Gemeinderat sein wird:

«Ich kann mit allen zusammenarbeiten.»

Welche Direktion Ramona Gut übernehmen wird, ist noch nicht ausgehandelt. Neben dem Präsidium eignet sich jedoch die eher kleine Sicherheits- und Sportdirektion. Egal, was es dann sein wird: Gut will sich voll in das Amt hineingeben und andere Dinge hinten anstellen. Nur etwas ist für sie zentral: «Dass ich meine Kinder weiterhin auch selbst betreuen kann.» Gut hat eine vierjährige und eine knapp einjährige Tochter. Dank ihrem Mann sowie flexibler Fremdbetreuung durch eine Nanny und eine Kita sei sie aber gut organisiert. «Das ist uns beiden noch immer gelungen», sagt sie schmunzelnd.