Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

EMMEN/SURSEE: Wassersegen fürs Mittelland

In knapp drei Jahren soll eine Wasserleitung aus Emmen die Region Sempachersee mit Trinkwasser versorgen. Bis dahin muss aber noch viel politische Überzeugungsarbeit geleistet werden.
Beatrice Vogel
Oben: In diesem Brunnentank sammelt sich das Grundwasser. Von dort aus wird es hochgepumpt und über die Leitungen (unten rechts) in die Reservoire und Haushalte verteilt. Unten links: Das 1968 erbaute Pumpwerk Schiltwald. (Bilder: Pius Amrein (Emmen, 1. Mai 2018))

Oben: In diesem Brunnentank sammelt sich das Grundwasser. Von dort aus wird es hochgepumpt und über die Leitungen (unten rechts) in die Reservoire und Haushalte verteilt. Unten links: Das 1968 erbaute Pumpwerk Schiltwald. (Bilder: Pius Amrein (Emmen, 1. Mai 2018))

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

In den Gemeinden rund um den Sempachersee kann es an Spitzentagen im Hochsommer zu Wasserknappheit kommen. Die Region sucht deshalb nach Lösungen, um diesen Spitzenbedarf abzudecken und die Wasserversorgung der wachsenden Bevölkerung sicherzustellen. Dafür haben 14 Gemeinden und 18 Wasserversorgungen die einfache Gesellschaft Aquaregio Wasser Sursee-Mittelland gegründet.

Anders sieht die Situation weiter östlich aus: «Emmen hat viele Herausforderungen, aber mit Wasser sind wir gesegnet», bringt es Bauvorsteher Josef Schmidli (CVP) auf den Punkt. Unter dem Gemeindegebiet von Emmen befindet sich ein riesiger Grundwassersee, der aus Niederschlag, der Kleinen Emme und der Reuss gespiesen wird. Rund 38 000 Personen in Emmen, Rothenburg und Ebikon werden mit diesem Trinkwasser versorgt. Damit werden aktuell aber lediglich 65 Prozent der möglichen Menge bezogen. Emmen könnte also noch weitere Gebiete mit Wasser versorgen. Darauf will der Wasserverbund Aquaregio zurückgreifen – ein Vertrag für eine künftige Wasserlieferung aus Emmen liegt nun vor.

500 000 Franken für 1 Million Kubikmeter Wasser

Gemäss dem Vertrag darf Aquaregio maximal 5000 Kubikmeter Wasser pro Tag aus Emmen beziehen. Bei einem durchschnittlichen Tagesverbrauch von 2500 Kubikmetern geht man davon aus, dass dereinst jährlich knapp eine Million Kubikmeter in die Sempacherseeregion geliefert wird. Für die Nutzung der Emmer Anlagen, die das Wasser bereitstellen, soll Aquaregio eine jährliche Grundgebühr von 475000 Franken zahlen. Hinzu kommen Kosten von 13 Rappen pro tatsächlich bezogenem Kubikmeter Wasser. Das gelieferte Wasser kostet total also etwa 500 000 Franken. Die Lieferung wird ab dem Emmer Wasserreservoir Rippertschwand in Neuenkirch erfolgen. Von dort soll das Wasser zum Seewasserwerk Sempach und in einem zweiten Schritt nach Sursee transportiert werden. Die Leitungen ab dem Reservoir werden von Aquaregio erstellt. Mit der Erweiterung des Versorgungsnetzes würden von der Grundwasserkapazität Emmens rund 80 Prozent genutzt.

Das Pumpwerk Schiltwald in Emmen wurde im Jahr 1968 erbaut. (Bild: Pius Amrein (1. Mai 2018))
Die fünf Bohrlochpumpen. Drei davon wurden kürzlich ersetzt. Sie fördern je 5'000 Liter Wasser pro Minute. (Bild: Pius Amrein (1. Mai 2018))
Jährlich fördern die Grundwasserpumpwerke Emmens rund 3.7 Millionen Kubikmeter Wasser. (Bild: Pius Amrein (1. Mai 2018))
Ein Blick ins Innere des Pumpwerks Schiltwald. (Bild: Pius Amrein (1. Mai 2018))
In diesem Brunnentank wird das Grundwasser gesammelt. Von hier wird das Wasser hochgepumpt. (Bild: Pius Amrein (1. Mai 2018))
Anschliessend wird das Wasser ins Verteilnetz eingespeist. (Bild: Pius Amrein (1. Mai 2018))
Über die grünen Leitungen gelangt das Wasser in die Haushalte und die Reservoire. (Bild: Pius Amrein (1. Mai 2018))
Die Wasserversorgung Emmen verfügt über ein Leitungsnetz von rund 130 Kilometer. (Bild: Pius Amrein (1. Mai 2018))
Auch Rothenburg und Teile Ebikons beziehen Wasser aus Emmen. Künftig soll auch in die Region Sempachersee geliefert werden. (Bild: Pius Amrein (1. Mai 2018))
Das Emmer Wasser verfügt über die beste Qualität und kann ohne Aufbereitung getrunken werden. (Bild: Pius Amrein (1. Mai 2018))
Das Wasserreservoir Rippertschwand bei Neuenkirch. (Bild: PD)
Vom Wasserreservoir Rippertschwand soll das Wasser dereinst nach Sempach und Sursee geleitet werden. (Bild: PD)
12 Bilder

So funktioniert die Wasserversorgung der Gemeinde Emmen

Der Vertrag liegt vor, unterschrieben ist er aber noch nicht. Zuerst muss ihm am 22. Mai noch der Einwohnerrat Emmen zustimmen. Die Aquaregio-Generalversammlung hat ihn am Dienstagabend abgesegnet. Doch auch im Mittelland folgt noch ein politischer Prozess: Geplant ist, dass die Aquaregio in eine AG überführt wird, welche den Bau der Leitungen und die Wasserversorgung übernimmt. «Die einzelnen Gemeinden müssen der Gründung und der Sachübergabe zu Aquaregio AG noch zustimmen», sagt Sacha Heller (FDP), Präsident der einfachen Gesellschaft Aquaregio und Bauvorsteher von Oberkirch. Dies soll an den Gemeindeversammlungen im Herbst geschehen.

Die Wasserleitung nach Sempach soll 2020 gebaut (6 Millionen Franken Baukosten), die erste Wasserlieferung 2021 bezogen werden. Aquaregio rechnet mit Investitionen von rund 30 Millionen Franken in den nächsten 10 Jahren. «Da einzelne Wasserversorgungen für die Sanierung ihrer Werke Rückstellungen getätigt haben, die Sanierungen durch die neue Leitung aus Emmen aber hinfällig werden, sind bereits 12 Millionen Franken finanziert», so Heller.

Drei Gemeinden sind ausgestiegen

Von den 14 Gemeinden, die bisher am Projekt beteiligt waren, haben sich drei entschieden, bei der AG nicht mitzumachen. Es sind dies Grosswangen, Buttisholz und Wauwil. Die Gemeinden Mauensee und Knutwil sind laut Sacha Heller noch unentschlossen. «Jede Gemeinde und jede Wasserversorgung muss für sich klären, ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis für sie stimmt, oder ob sie die Versorgungssicherheit anderweitig gewährleisten kann.» Natürlich sei es auch für Gemeinden, die nicht an Aquaregio beteiligt sind, möglich, Wasser von ihnen zu beziehen.

Aber auch in den Gemeinden, deren Vertreter an der GV zugestimmt haben, ist noch Überzeugungsarbeit zu leisten. Voraussichtlich wird es in den neun Gemeinden Beromünster, Büron, Eich, Hildisrieden, Nottwil, Oberkirch, Schenkon, Sempach und Sursee zu Abstimmungen über die Überführung in eine AG kommen. Heller: «Die Wasserversorgung ist ein emotionales Thema.» So seien gerade kleinere Wasserversorgungen oft familiäre Betriebe, die skeptisch sind gegenüber eines so grossen Verteilnetzes und ihre Eigenständigkeit bewahren wollen. Auch sei der «Reduitgedanke» noch weit verbreitet: «Man schaut für sich und zapft lieber eine nahe gelegene Quelle an, statt das Wasser von weither zu holen.» Dabei sieht das Gesetz vor, dass die Gemeinden vermehrt zusammenarbeiten, damit die Versorgungssicherheit gewährleistet ist.

Übrigens kann die Gemeinde Emmen aus dem Wasserverkauf an die Aquaregio keinen grossen Profit schlagen: Laut dem Wasserversorgungsreglement dürfen Wassergebühren nur zur Kostendeckung erhoben werden. Durch die Grundgebühr der Aquaregio wird allerdings ein Beitrag zum Unterhalt der Infrastruktur geleistet. Dadurch ist vorerst keine Wasserpreiserhöhung nötig.

Hinweis

Hier finden Sie eine Karte des Grundwasservorkommens im Kanton Luzern.

Diese Grafik zeigt das Grundwasservorkommen in Emmen und Umgebung. (Bild: Grafik: Lea Siegwart)

Diese Grafik zeigt das Grundwasservorkommen in Emmen und Umgebung. (Bild: Grafik: Lea Siegwart)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.