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Emmer Bevölkerung wünscht sich Grünflächen, attraktive Strassenräume und erschwinglichen Wohnraum

Über 1000 Personen haben an der Umfrage zur Ortsplanung der Gemeinde Emmen teilgenommen – ein Rekord, heisst es bei der Gemeinde. Die Auswertung zeigt: Die Befragten sind sich inhaltlich erstaunlich einig.
Beatrice Vogel
Die Aufenthaltsqualität am Sonnenplatz in Emmenbrücke soll verbessert werden – das wünscht sich die Bevölkerung gemäss Online-Umfrage. (Bild: Boris Bürgisser, 23. Januar 2019)

Die Aufenthaltsqualität am Sonnenplatz in Emmenbrücke soll verbessert werden – das wünscht sich die Bevölkerung gemäss Online-Umfrage. (Bild: Boris Bürgisser, 23. Januar 2019)

Das Ziel waren knapp 500, am Ende waren es 1072 – so viele Personen haben im Mai und Juni an der Umfrage zur Ortsplanungsrevision der Gemeinde Emmen teilgenommen. Die Gemeinde wollte damit herausfinden, wie sich die Bevölkerung die Entwicklung ihres Wohn- und Arbeitsorts vorstellt. «Es hat sich ausgezahlt, dass wir einzelne Anspruchsgruppen persönlich abgeholt und laufend informiert haben. Die Emmerinnen und Emmer fühlen sich betroffen und möchten Einfluss nehmen», sagt Christine Bopp, Projektleiterin der Gesamtrevision. Zur hohen Teilnehmerzahl hat womöglich auch beigetragen, dass es Preise zu gewinnen gab.

Wie die Gemeinde mitteilt, sind 80 Prozent der Umfrage-Teilnehmer in Emmen wohnhaft. Auch 57 Jugendliche unter 18 Jahren haben mitgemacht. Die Teilnehmer konnten sich zum städtebaulichen Gesamtkonzept äussern, das die Grundlage für die Ortsplanungsrevision bildet. Das Ergebnis: Die Teilnehmer sind sich erstaunlich einig und stützen grösstenteils die bisherige Stossrichtung – qualitatives Wachstum und verbesserte Lebensqualität. «Es scheint Bedürfnisse in der Bevölkerung zu geben, die von allen geteilt werden», erklärt Bopp die Homogenität der Antworten.

Zwar konnte in der Umfrage keine Priorisierung der Anliegen vorgenommen werden, doch die hohe Zustimmung zu bestimmten Themen sowie individuelle Kommentare machen laut Christine Bopp deutlich, was die Bevölkerung bewegt. Konkret fordern die Emmer einen Erhalt der Grünflächen und Landschaftsräume. Zudem sollen Neubauten nur in den bestehenden Bauzonen entstehen, so der Konsens.

Mehr Aufenthaltsqualität an den Verkehrsachsen

Besonderes Augenmerk verdienen die Antworten zu den Strassenräumen. So wird eine Aufwertung der Achse Seetalplatz-Sprengi gewünscht. Die Verkehrsachse soll mehr Bäume, einladende Bebauungen mit Einkaufsmöglichkeiten, eine Fussgängerzone, Plätze für Veranstaltungen sowie Sicherheit für Fussgänger und Velofahrer bieten. Mehr Aufenthaltsqualität wird zudem für die Seetalstrasse im Gebiet Meierhöfli gefordert. Auch Sprengi und Sonnenplatz sollen mehr zum Verweilen einladen, die Verbindung zu Bus und Bahn verbessert werden. Das alles jedoch nicht auf Kosten der Verkehrsfläche. Wie liesse sich das bewerkstelligen? Laut Christine Bopp wird ein Grosskreisel über die Gerliswil-, Gersag- und Rüeggisingerstrasse geprüft, wie es in einem Postulat gefordert wird. Auch Tempo 30 auf der Gerliswilstrasse ist ein Thema, ebenso Baumreihen oder die Aufwertung kleiner Freiräume.

Zusätzlich sind höhere Sicherheit von Fussgängern und Velofahrern, aber auch Massnahmen zur Verkehrsberuhigung ein Anliegen. Dafür werden Velostreifen und sichere Querungsmöglichkeiten für Fussgänger geprüft. Bopp:

«Im städtebaulichen Gesamtkonzept gibt es zudem die Idee der grünen Routen, die parallel zu den Hauptverkehrsachsen ein sicheres Wegenetz für den Fuss- und Veloverkehr bieten sollen.»

Die Umfrage-Teilnehmer konnten des Weiteren zu ihren Wohnquartieren Stellung nehmen. Wenig überraschend sei, dass die Bewohner für ihre Quartiere kaum Veränderung wünschen, heisst es in der Mitteilung. Dies trifft im speziellen auf die oberen Gebietsteile Erlen und Ober-Emmenweid bis Riffig zu. Offener gegenüber Verdichtung sind Teilnehmer aus den Gebieten Meierhöfli, Feldbreite und Emmen-Dorf. Quartiere, die als «Orte mit guter Baukultur» wahrgenommen werden, sind Hübeli und Listrig. «Das sind Bebauungen mit vielseitigem Aussenraum und viel Aufenthaltsqualität für Familien», erklärt Bopp.

«Im Umkehrschluss zeigt sich, dass Blockrandbebauungen als nicht so positiv wahrgenommen werden, da sie für Emmen untypisch sind.»

Betreffend Wohnraum finden die Emmer offenbar, dass die Förderung von Wohnungsbau für den gehobenen Mittelstand weniger wichtig ist als von erschwinglichem Wohnraum. Auch soziale Durchmischung ist für die Bevölkerung sekundär. Hingegen wird attraktiver Wohnraum für Familien hoch priorisiert. Das ist insofern interessant, weil die Politik in jüngster Zeit ein Augenmerk auf die Förderung von gehobenem Wohnraum legt – um die Gemeindefinanzen aufzupolieren. Muss die Gemeinde also ihre Wohnraumpolitik revidieren? Christine Bopp relativiert: «Die Auswertung zeigt in erster Linie, dass die Befragten aus ihrer eigenen Perspektive heraus antworten.» Eine mögliche Erklärung sei, dass junge Erwachsene oder auch Familien in Emmen bleiben möchten, wenn sie bezahlbaren Wohnraum finden. Wohnungen des gehobenen Preissegments zielen hingegen vor allem auf gutverdienende Neuzuzüger ab, «die jetzt vielleicht noch nicht wissen, dass sie in Emmen einen guten Standort finden könnten». Insofern müsse die Wohnraumpolitik nicht angepasst werden, so Bopp, «es ist aber ein deutliches Zeichen, dass sie nicht zu einseitig geführt werden darf».

Auswärtige beurteilen Lebensqualität kritischer

Grundsätzlich zeige die Umfrage auch, dass die Emmerinnen und Emmer zufrieden mit ihrer Wohngemeinde seien, so das Fazit der Projektleitung. 53 Prozent der Befragten attestierten Emmen eine hohe bis sehr hohe Lebensqualität. Besonders gute Noten vergeben die unter 20-Jährigen. Eher kritisch sind hingegen Grundeigentümer über 50, die selbst nicht in Emmen wohnen.

Die Umfrageergebnisse fliessen nun ins städtebauliche Gesamtkonzept ein. Dieses wird der Einwohnerrat voraussichtlich im Dezember behandeln. Im Anschluss folgt die planungsrechtliche Umsetzung, also die Anpassung der Planungsinstrumente wie Bau- und Zonenreglement sowie Zonenplan. Über die definitive Ortsplanungsrevision wird das Volk voraussichtlich 2023 abstimmen können.

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