Emmer Gemeinderat Urs Dickerhof: «Am liebsten stehe ich am Rednerpult»

Gemeinderat Urs Dickerhof (SVP) verlässt Ende August die Emmer Exekutive. Er zieht Bilanz und erzählt von Hochs und Tiefs seiner Amtszeit.

Beatrice Vogel
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Urs Dickerhof bei der Budget-Debatte im Einwohnerrat Emmen. (Bild: Boris Bürgisser, 20. März 2018)

Urs Dickerhof bei der Budget-Debatte im Einwohnerrat Emmen. (Bild: Boris Bürgisser, 20. März 2018)

Kaum ein Emmer Gemeinderat war in den vergangenen Jahren medial so präsent wie Urs Dickerhof. Das hängt auch mit seinen beiden Rollen zusammen: Präsident des Innerschweizerischen Fussballverbands (IFV) und Finanzdirektor Emmens. Als Letzterer musste er auch unangenehme Themen vertreten – zuletzt eine Steuererhöhung und einen miserablen Rechnungsabschluss. Trotzdem blickt er gern auf seine fast 15-jährige Amtszeit zurück.

2003 war Urs Dickerhof erst seit drei Jahren Einwohnerrat und schaffte im Kampf um die Nachfolge von Gemeinderat Josef Unternährer einen Überraschungssieg: Der SVP-Mann schnappte der CVP den Sitz weg. Da es sich um eine Ersatzwahl handelte, übernahm Dickerhof die Direktion Finanzen und Personelles von Unternährer. Sie stellte sich für ihn als ideal heraus. «Die Leitung der Finanzdirektion ist herausfordernd, vielfältig, man muss über alle Direktionen den Überblick haben – und es besteht nie die Gefahr der Langeweile», begründet Dickerhof.

«Resultate zeigen sich erst nach Jahren»

Die Direktion, die Finanzen, Personal und Immobilien unter sich vereint, könne man durchaus als machtvoll bezeichnen, «aber im Grunde ist man abhängig von den anderen Direktionen», so Dickerhof. Der Finanzdirektor habe eine Art Vermittlerrolle, er muss Wünsche und gesetzlich vorgegebene Leistungen bezüglich finanzieller Umsetzung koordinieren.

Als amtsältestes Exekutivmitglied in Emmen kann Urs Dickerhof, der im Oktober 65 Jahre alt wird, auf einige Erfolge zurückblicken. «Wir haben die Auslagerung der Betagtenzentren auf Kurs gebracht und eine Hochschule angesiedelt, im ‹Bilanz›-Ranking ist Emmen heute in der vorderen Hälfte.» Unter anderem ist er stolz darauf, die Fussballakademie SFV nach Emmen geholt zu haben. Die Gemeinde sei heute auf gutem Weg, der positive Imagewechsel sei eine Strategie, die der Gemeinderat zu Beginn seiner Amtszeit ausgearbeitet habe. «Viele vergessen, dass Politik etwas Langfristiges ist, die Resultate eines Entscheids zeigen sich oft erst nach Jahren.»

Bild des Gemeinderats hat sich verändert

Nicht selten erntete Urs Dickerhof als Finanzdirektor Kritik. «Persönlich kann ich das gut wegstecken.» Er stelle aber fest, dass sich das Bild des Gemeinderats verändert habe. «Früher wurde der Dienst am Allgemeinwohl geschätzt, danach konnte man nichts mehr recht machen, und heute erntet man Mitleid für die schwierige Aufgabe in der Exekutive.» Und ja, vielleicht sei er dünnhäutiger geworden, das sei wohl eine Verschleisserscheinung. Schliesslich habe er «gefühlte hundert Einwohnerräte» kommen und gehen sehen, und jeder von ihnen habe es besser gewusst als der Gemeinderat.

Trotzdem: «Die Aufgabe würde mich weiterhin reizen.» Warum dann nicht, die Legislatur vollenden? Der Entscheid zum Rücktritt sei während des vergangenen Budgetprozesses gefallen, sagt Dickerhof. Für die Erholung der Finanzlage reiche es nicht, nur die Weichen zu stellen. Das müsse nachhaltiger sein. Darum sei es Zeit, dass jemand anders das Finanzruder übernimmt. Und dennoch: «Dass ich zum Ende meiner Amtszeit die Steuern erhöhen muss, dafür kann ich mir kein Kränzchen winden, bin ich doch angetreten, um die Steuern zu senken.» Ganz aus der Politik verschwinden wird Urs Dickerhof aber nicht. Als Kantonsrat will er 2019 für eine weitere Legislatur antreten. «Am liebsten stehe ich am Rednerpult», sagt er.

Er mimte den «Walterli»

Ein Talent fürs Auftreten wurde ihm wohl in die Wiege gelegt. Im Film seines Vaters, «Wilhelm Tell – Burgen in Flammen» von 1960, spielte Urs Dickerhof den Walterli. Dass der Spross eines Künstlerehepaars Unternehmer wurde, kommt dennoch nicht von ungefähr: «Das finanzielle Auf und Ab der Künstlerfamilie hat mich geprägt, ich wollte finanzielle Unabhängigkeit», sagt er.

Wobei, eigentlich wollte er ja Profifussballer werden. «Deshalb habe ich mich für die damals kürzest mögliche Ausbildung entschieden und lernte Verkäufer», erzählt er schmunzelnd. Nach einer Karriere bis in Führungspositionen machte er sich zusammen mit seiner Frau selbständig. Sie führen seit 30 Jahren das Bildungszentrum Dickerhof AG für Massage und Kosmetik. «Dass meine Frau mich beruflich entlastet und mich meine Familie in meiner Politkarriere unterstützt, ist sehr wertvoll für mich.»

Am 31. August räumt Urs Dickerhof sein Büro. Was rät er seinem Nachfolger? «Diesen Job kann man nicht lernen.» Das Wichtigste, was man mitbringen könne, seien Führungskompetenzen und eine dicke Haut.

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