Emmer Vereine wollen ihre Konzerte im Le Théâtre retten

Vereinsanlässe im Le Théâtre werden derzeit durch die Gemeinde Emmen nicht mehr finanziell unterstützt. Nun nehmen drei Musikvereine das Heft selbst in die Hand – und stellen klare Forderungen an den Gemeinderat.

Beatrice Vogel
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Das Orchester Emmen, hier bei einem Neujahrskonzert im Le Théâtre, geht mit zwei anderen Vereinen auf Sponsorensuche. (Bild: Roger Grütter, Emmen, 27. Januar 2018)

Das Orchester Emmen, hier bei einem Neujahrskonzert im Le Théâtre, geht mit zwei anderen Vereinen auf Sponsorensuche. (Bild: Roger Grütter, Emmen, 27. Januar 2018)

Werden Emmer Vereine die Saalmiete noch zahlen können, wenn Le Théâtre im Gersag einzieht? Diese Frage stand schon 2016 im Raum. In der Vereinbarung mit Le Théâtre wurde deshalb festgehalten: Die Gemeinde werde Veranstaltungen der Ortsvereine «im Rahmen der bewilligten Budgets auch in Zukunft finanziell unterstützen».

Drei Jahre später ist klar: Die Mieten sind gestiegen. Doch Vereinssubventionen wurden zurückgefahren, für Auftritte im Le Théâtre gibt es kein Geld mehr – was schlecht ankommt. Tanja Steger, Mitglied der Musikgesellschaft Emmen, sagt etwa:

«Wenn der Gemeinderat verspricht, die Veranstaltungen der Vereine finanziell zu unterstützen, dann muss er dies auch budgetieren.»

Für das Jahreskonzert zahlte die Musikgesellschaft letztes Jahr rund 7500 Franken Miete – laut Steger 5000 Franken mehr als früher. Neben der Saalmiete von 1700 Franken fallen unter anderem Kosten für die Bestuhlung und die Technik an. Auch für die zwei anderen Vereine, die im Le Théâtre auftreten, das Orchester Emmen mit dem Neujahrskonzert und der Jodlerklub Maiglöggli mit dem jährlichen Heimatabend, haben sich die Kosten vervielfacht, um rund 5000 respektive 3500 Franken. «Langfristig können wir uns das alle drei nicht leisten», sagt Steger.

Gemeinsam auf Sponsorensuche

Die drei Musikvereine haben sich darum zusammen getan, um den Dachverein «Emmer Musik im Le Théâtre» (EMiLT) zu gründen. Tanja Steger amtet als designierte Präsidentin. Zweck des Vereins ist es, Geld für die drei Veranstaltungen zu sammeln. «Gemeinsam sind wir interessanter für Grosssponsoren.»

Daneben stellt EMiLT klare Forderungen an die Gemeinde: «Unser Ziel ist es, mit der Gemeinde eine Leistungsvereinbarung abzuschliessen, das Gesuch liegt dem Gemeinderat vor. Die drei Anlässe haben eine lange Tradition und leisten einen wichtigen Beitrag zu Leben und Kultur in Emmen», so Steger. Würde die Gemeinde jährlich 10'000 Franken an die Anlässe zahlen, wären rund zwei Drittel der anfallenden Mehrkosten gedeckt. «Wir sind auch mit Privatsponsoren in Verhandlungen», sagt Steger, stellt aber klar: «Ohne Unterstützung durch die Gemeinde geht es nicht.»

Diskrepanz zwischen Sport- und Kulturförderung

In der Sitzung vom Dienstag behandelt der Einwohnerrat einen Bericht, in dem die Vereinsbeiträge der Gemeinde einzeln aufgelistet sind. Mit knapp 150'000 Franken unterstützt Emmen die ansässigen Sportvereine, wobei 99 Prozent davon in die Jugendförderung fliessen. An Kulturorganisationen wurden 2018 rund 244'000 Franken verteilt, davon 150'000 Franken an die Stiftung Akku. 62'500 Franken gehen jährlich an Vereine mit Leistungsvereinbarung. Bleiben noch 31'200 Franken für zehn Musikvereine und drei weitere Kulturinstitutionen. Soziale Organisationen erhalten total rund 165'000 Franken von der Gemeinde, 60'000 Franken davon gehen an die Spielgruppen.

Interessant ist: Während Musikvereine im Schnitt mit 1000 Franken (pauschal) subventioniert werden, fliessen an einen Sportverein mit Jugendsektion durchschnittlich 6000 Franken (zusammengesetzt aus Grund-, Kopf- und Qualitätsbeitrag).

Postulant ist unzufrieden

Einwohnerrat Tobias Käch (CVP) hatte die Auflistung per Postulat gefordert, ist mit dem Resultat aber nicht zufrieden: «Wir wollten Transparenz schaffen, um abschätzen zu können, ob die Unterstützung fair verteilt ist. Das ist mit der reinen Auflistung von Geldbeiträgen nicht möglich. Auch Vergabekriterien sind nicht ersichtlich.» So fehlen Mieterlasse, unentgeltliche Arbeit durch die Gemeinde, aber auch die Inhalte der Leistungsvereinbarungen. «Es wäre schön, zu sehen, was Gemeinde und Vereine füreinander leisten», so Käch. Weitere Vorstösse zum Thema wird er vorläufig nicht einreichen: «Wir haben derzeit dringendere Themen».

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