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Ende der alternativen Lebensform im Luzerner Eichwäldli naht

Im Eichwäldli in der Stadt Luzern erproben die Bewohner einer städtischen Liegenschaft ein gemeinschaftliches, solidarisches Zusammenleben. Ende Jahr ist damit allerdings Schluss: Das Gebäude sei statisch in unhaltbarem Zustand.
Pirmin Bossart
Der offene Mittagstisch im Eichwäldli besteht wohl nur noch bis Ende Jahr. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 13. Dezember 2018))

Der offene Mittagstisch im Eichwäldli besteht wohl nur noch bis Ende Jahr. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 13. Dezember 2018))

Seit Jahren wird die Liegenschaft Murmattweg 2 beim Eichwäldli mit befristeten Mietverträgen bewohnt. Die ehemalige «Soldatenstube» wurde vom bekannten Architekten Armin Meili projektiert. Es ist ein schlichter, in die Jahre gekommener Bau mit einem grossen Gemeinschaftsraum und mehreren Zimmern. Ideal für Bewohner, die wenig Ansprüche an Komfort stellen. So ist es bis jetzt gehandhabt worden. Ende Dezember soll damit fertig sein. Dann läuft der befristete Mietvertrag aus.

Im vergangenen Sommer sind neun Frauen und Männer und ein Baby in das Haus gezogen. Die «Familie Eichwäldli» belebt das Quartier mit Eigeninitiative, Kreativität und Gemeinschaftssinn. Jeden Montagabend und Donnerstagmittag laden sie alle, die kommen wollen, zum Essen ein. Das Angebot wird rege genutzt, die Gäste sind zufrieden.

Neue Lebensformen ausprobieren

Gegen 50 Personen finden sich inzwischen zu den offenen Essen ein. Arbeiter, Studierende, Eltern und Grosseltern, Nachbarn, Kinder, Freunde, Familien aus dem Quartier. Sie bedienen sich am gesunden Buffet, diskutieren, geniessen die Atmosphäre und das Zusammensein quer durch die sozialen Gruppierungen. Wer will, spendet am Ende einen Betrag in die Geldbüchse. Im September wurde ein Familiennachmittag organisiert. Jeden Mittwoch wird ein Yoga-Training angeboten. Das Engagement der Bewohnerschaft wirkt ansteckend und zeigt, was im Kleinen alles geleistet werden kann, um am Grossen nicht zu verzweifeln.

«Wir wollen in einer Nachbarschaft leben, wo man einander kennt, vertraut und unterstützt», sagt Daniel, der als Kulturschaffender tätig ist. Das Eichwäldli ermögliche es durch seine Lage und den grossen Gemeinschaftsraum, Impulse für eine solche Nachbarschaft zu setzen. Es werde unterschätzt, was solche Orte für viele Menschen bedeuten können, sagt Isa, die als Grafikerin tätig ist. «Sie bieten wichtige Grundlagen für kulturelle und soziale Engagements. Hier kann man herausfinden und erproben, wie ein kollektives und solidarisches Leben funktionieren kann.»

Die Bewohnerinnen und Bewohner sind enttäuscht, dass ihre Bemühungen, bei der Stadt Luzern Gehör zu finden, versandet sind. Zwei Briefe an Manuela Jost seien nur knapp beantwortet worden. «Auf unseren Wunsch, ein Gespräch zu führen, wurde nicht eingegangen. Offenbar genügen wir nicht, um ernst genommen zu werden.»

Die Liegenschaft am Murmattweg 2 in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser, 13. Dezember 2018)

Die Liegenschaft am Murmattweg 2 in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser, 13. Dezember 2018)

Eine Hausecke hat sich abgesenkt

Klar ist, dass das Haus baulich nicht mehr im besten Zustand ist. Weil sich die Liegenschaft im Planungsperimeter des Südzubringers befinde, sei die ehemalige Soldatenstube «von der Baudirektion seit über zehn Jahren auf Abbruch bewirtschaftet» worden, schrieb der Stadtrat in der Antwort auf eine Interpellation von Simon Roth (SP) vor einem Jahr. Das befristete Mietverhältnis sei mehrmals verlängert worden.

Daniel Bernet, stellvertretender Stabschef der Baudirektion, bestätigt, dass das befristete Mieterverhältnis Ende 2018 endet. «Das Gebäude ist in einem schlechten Zustand. Wegen Absenkungen ist die Statik betroffen. Das Gebäude muss überwacht werden. Das hat bisher rund 30000 Franken gekostet.» Die schlechte Statik sei ein sicherheitstechnisches Risiko. «Zudem liegt das Haus in der Zone für öffentliche Zwecke. Die heutige Wohnnutzung war nur als befristete Zwischennutzung zulässig.»

Materialraum für Stadtgärtnerei

Trotzdem: Die Stadt will nach dem Auszug der Mieter die Liegenschaft nochmals gründlich untersuchen und eruieren, wieweit sie bei einem vernünftigen Kostenrahmen eventuell doch noch saniert werden könne. Dieser Bescheid ist nicht vor Frühling 2019 zu erwarten. Ob sich die Bewohnerschaft also doch noch Hoffnungen machen darf?

Folgt man den Ausführungen Bernets, ist nicht damit zu rechnen. Bis das Ergebnis über eine Sanierungsmöglichkeit vorliege, werden die Stadtgärtnerei und das Strasseninspektorat das Haus als Materialraum nutzen. Wie es nachher weitergeht, ist offen. Bernet: «Eine Wohnnutzung wie bisher wird es nicht mehr geben. Dafür ist das Haus schon in der falschen Zone.»

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