Energie
Grossteil von Malters soll mit erneuerbarer Wärme versorgt werden – breit abgestützte Genossenschaft gegründet

Die neu gegründete Genossenschaft Wärmeverbund Malters will einen Grossteil des Dorfs klimaneutral mit Wärme versorgen. Der nachhaltige Brennstoff soll aus den regionalen Wäldern stammen.

Hugo Bischof
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So wird die geplante Heizzentrale auf dem Areal der Weibel AG Holzverarbeitung aussehen.

So wird die geplante Heizzentrale auf dem Areal der Weibel AG Holzverarbeitung aussehen.

Visualisierung: PD

Acht Firmen und Körperschaften gründeten nach intensiver Vorarbeit die Genossenschaft Wärmeverbund Malters. Am Donnerstagabend wurden die Verträge unterzeichnet. Die Genossenschaft wolle Malters mit erneuerbarer, regionaler Energie versorgen und so zur nachhaltigen Energiezukunft beitragen, teilte sie am Freitag morgen mit.

«Damit beginnt ein neues Kapitel der nachhaltigen Energiezukunft in unserer Gemeinde», sagt der frisch gewählte Genossenschaftspräsident und Vertreter der katholischen Kirchgemeinde Christof Studhalter.

Rascher Ausstieg aus der fossilen Energie

Gemäss dem aktuellen Energiespiegel des Kantons Luzern basiere die Wärmeversorgung der Wohngebäude in der Gemeinde Malters noch immer zu rund 53 Prozent auf Heizöl, heisst es in der Mitteilung der Genossenschaft. Bei den Industriebetrieben werde der Anteil von fossiler Energie noch höher geschätzt. Der Malterser Gemeindeammann Marcel Lotter ist erfreut über die Gründung der Genossenschaft:

«Mit dem Wärmeverbund Malters haben die Gebäudeeigentümer in Malters eine weitere attraktive Alternative, das Ziel Netto Null bei der Heizenergie weit vor 2050 zu erreichen.»

Nebst Wärme wird in der Heizzentrale auch erneuerbarer Strom aus Holz produziert. Damit soll das volle Potenzial aus der Ressource Holz genutzt und ein Beitrag gegen die winterliche «Fotovoltaik-Stromlücke» geleistet werden, so die Genossenschaft.

Drei Ausbauschritte geplant

In einem ersten Ausbauschritt soll ein Wärmenetz realisiert werden, das Gebäude im Kerngebiet des Dorfes Richtung Schachen mit nachhaltiger Wärme versorgt. Dazu gehören unter anderem die Quartiere Hirzli, Unter- und Oberfeld, Dangelbachmatte, die Kirche St. Martin, die ganze Dorfkernzone und auch der Gemeindesaal. Genossenschaftspräsident Christof Studhalter betont: «Wir verfolgen das ambitionierte, aber machbare Ziel, bereits auf die Heizsaison 2021/22 anzufeuern und erste Wärme zu liefern.» In einem zweiten Schritt sollen die Quartiere Muoshof inklusive Schulanlage sowie weitere Gebäude Richtung Luzern erschlossen werden. In einem dritten und voraussichtlich letzten Ausbauschritt soll ab 2025/26 das Industrieareal mit Wärme versorgt werden. Christof Studhalter betont:

«Mit dem Anschluss an den Wärmeverbund können beispielsweise auch gemeinnützige Wohnbauträger wie ‹wohnen malters› den anspruchsvollen Ausstieg aus der fossilen Energie auf einen Schlag schaffen.»

Ein weiteres Ziel der Genossenschaft ist es, dass der nachhaltige Brennstoff aus den regionalen Wäldern stammt. Die Versorgung des Wärmeverbunds mit regionalem Holz leistet gemäss Studhalter einen namhaften Beitrag an die lokale Wertschöpfung und erhält beziehungsweise schafft Arbeitsplätze.

Die Genossenschaft sei durch ihre Mitglieder breit abgestützt, sagt Studhalter: «Nebst der Einwohnergemeinde Malters konnten Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette eingebunden werden. So als potenzielle Holzlieferanten der Dorfzwing Malters und die regionale Waldeigentümerorganisation Pilatus-Nord.» Ein wichtiger Partner ist auch die Weibel AG Holzverarbeitung, an deren Standort auch die Heizzentrale zu stehen kommt.

Die Markus Schmid AG und die Heitzmann AG stellen ihr Wissen aus der erfolgreichen Realisierung des Wärmeverbundes Schachen zur Verfügung. Gründungsmitglieder sind auch grosse potenzielle Wärmebezüger wie die Genossenschaft «wohnen malters», die katholische Kirchgemeinde Malters, die Einwohnergemeinde Malters und die Landi Pilatus AG. «Die Genossenschaft steht natürlich weiteren Interessierten offen», sagt Studhalter. Mit der Zeichnung eines Anteilscheines von 5000 Franken kann jede Person Mitglied der Genossenschaft werden.

Als nächstes wird nun das Baugesuch eingereicht

An zwei Informationsveranstaltungen wurde das Grossvorhaben der Bevölkerung vorgestellt. Das danach angemeldete Interesse an einem Anschluss an den Wärmeverbund war gemäss Studhalter gross: «Das soll eine hohe Anschlussdichte und somit attraktive Konditionen ermöglichen.» Der Genossenschaftspräsident betont: «Mit unseren Wärmekunden sollen nun verbindliche Wärmelieferverträge ausgearbeitet werden. Zeitgleich werden wir das Leitungsnetz weiter optimieren und ein Baugesuch bei der Gemeinde einreichen.»