ENERGIE: Luzerner zeigen der Sonnenwärme die kalte Schulter

Im Kanton Luzern werden immer weniger Anlagen zur Nutzung von Solarwärme gebaut. Grund dafür ist die Konkurrenz durch Fotovoltaikanlagen. Diese produzieren bereits Strom für umgerechnet 20'000 Haushalte.

Chiara Stäheli
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Auf immer mehr Luzerner Hausdächern sind Fotovoltaikanlagen zu sehen. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Auf immer mehr Luzerner Hausdächern sind Fotovoltaikanlagen zu sehen. (Bild: Christian Beutler/Keystone)

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

Seit zehn Jahren fördert der Kanton Luzern thermische Solaranlagen für die Warmwasseraufbereitung. Doch in den vergangenen Jahren haben die Luzerner das Angebot immer weniger genutzt. Wurden 2009 insgesamt 842 Anlagen vom Kanton unterstützt, so waren es 2016 noch 80. Dies bedeutet aber keinesfalls, dass die Nutzung erneuerbarer Energien stagniert. Denn im Gegenzug zu den thermischen Solaranlagen ist der Energieertrag durch neu erbaute Fotovoltaikanlagen in den letzten Jahren massiv gestiegen.

Der Unterschied: Thermische Anlagen produzieren Wärme, Fotovoltaikanlagen Strom. «Es herrscht ein gesamtschweizerischer Trend weg von Solarthermie hin zu Fotovoltaik. In den Jahren 2009 und 2010 war Solarthermie noch sehr gefragt», sagt Jules Gut, Teamleiter Energie der kantonalen Dienststelle Umwelt und Energie. Damals sei Solarthermie noch deutlich günstiger gewesen als Fotovoltaik. Mit dem Rückgang der Fördergesuche haben sich auch die ausbezahlten Förderbeiträge für solarthermische Anlagen im Kanton Luzern seit 2012 laufend reduziert. Waren es damals noch rund 2 Millionen Franken, sank der Betrag für das Jahr 2016 auf 500 000 Franken.

Anteil Solarenergie schweizweit bei drei Prozent

Den aktuellen Trend verfolgt auch der Schweizerische Fachverband der Solarenergie Swissolar. Geschäftsleiter David Stickelberger erklärt den Wandel: «Die Preise für Fotovoltaikanlagen sind in den letzten zehn Jahren um fast 80 Prozent gesunken, während sich diejenigen für Solarwärme kaum verändert haben. Zudem ist eine Fotovoltaikanlage einfacher in die Haustechnik zu integrieren – Strom ist überall anwendbar und Überschüsse kann man ans Netz abgeben.»

Etwas mehr als 3000 solarthermische Anlagen hat der Kanton Luzern seit dem Förderbeginn im Jahr 2007 finanziell unterstützt. Diese versorgen jährlich rund 8000 Haushalte mit Warmwasser. Im Vergleich dazu betrug die Energieproduktion durch Fotovoltaikanlagen 2017 im ganzen Kanton mehr als 100 Gigawattstunden. Mit dieser Strommenge können jährlich etwa 20 000 durchschnittliche Vier-Personen-Haushalte versorgt werden.

Gesamtschweizerisch gibt es gemäss Swissolar rund 150 000 Solarwärmeanlagen und 70 000 Fotovoltaikanlagen. Spezifische Zahlen für den Kanton Luzern liegen keine vor. Die Stromproduktion aus Solarenergie deckt rund drei Prozent des Stromverbrauchs der Schweiz. Somit ist die Solarenergie nach der Wasserkraft die zweitwichtigste erneuerbare Energiequelle.

Die Förderung thermischer Solaranlagen ist Sache der Kantone. Sie finanzieren diese durch den kantonalen Anteil an der CO2-Abgabe auf Brennstoffe. Bei der Förderung gibt es laut David Stickelberger zwischen den Kantonen grosse Differenzen: «Durch das föderalistische System funktioniert die Umsetzung nur mangelhaft – in den Kantonen Aargau, Zug und Zürich wird beispielsweise keine Solarthermie gefördert.» Zudem habe die kantonale Finanzpolitik massive Einflüsse auf die Förderbeiträge, welche prozentual immer noch tiefer seien, als jene für Fotovoltaikanlagen. Denn diese werden vom Bund gefördert und aus dem Netzzuschlag finanziert.

Eine typische Anlage zur Warmwasseraufbereitung für einen Vier-Personen-Haushalt kostet laut Stickelberger etwa 15 000 Franken. Davon übernimmt der Kanton Luzern 3750 Franken. Ähnlich teuer ist bei gleicher Haushaltsgrösse der Bau einer Fotovoltaikanlage, welche jährlich rund 4500 Kilowattstunden Strom produziert. Der Förderbeitrag des Bundes beträgt dabei 3400 Franken. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass mit einer Fotovoltaikanlage der gesamte Strombedarf eines Haushaltes gedeckt werden kann – solarthermische Anlagen dienen lediglich der Warmwasseraufbereitung und teilweise zur Heizunterstützung.

Kanton Luzern hat neues Förderprogramm

Im kantonalen Energiegesetz hat sich der Kanton Luzern zum Ziel gesetzt, den Anteil erneuerbarer Energien von 2007 bis 2030 zu verdoppeln. Dazu gehören Wind- und Wasserkraft, Erdwärme und Sonnenenergie. Zudem unterstützt der Kanton den Bau von Wärmedämmungen und Wärmepumpen. Auf Beginn dieses Jahres hat er das Förderprogramm angepasst. Der Grund: Im letzten Jahr musste es bereits Ende November eingestellt werden, weil die Fördergelder vollständig ausgeschöpft waren. Für das laufende Jahr wurden die Beiträge auf 9,2 Millionen Franken erhöht. «Mit dem neuen Förderprogramm gehen wir davon aus, dass die Beiträge nicht komplett ausgeschöpft werden. Seit Januar bis heute wurden davon erst 1,2 Millionen aufgebraucht», sagt Jules Gut von der kantonalen Dienststelle Umwelt und Energie. Sollte es Ende Jahr tatsächlich ungenutzte Fördergelder geben, entscheidet das Parlament was mit dem Kantonsanteil geschieht. Im Normalfall wird dieser auf das nächste Jahr übertragen.

Hinweis

Informationen zu den Förderprogrammen des Kanton Luzern: www.uwe.lu.ch/themen/energie