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ENERGIE: Luzerns Atomausstieg ist auf Kurs

Schon ab nächstem Jahr reduziert EWL den Anteil an Kernkraft. Ab 2044 liefert das Unternehmen vollständig atomfreien Strom. Doch trotz des vom Volk beschlossenen Atomausstiegs bleiben Schlupflöcher.
Robert Knobel
Bild: Grafik: LZ

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Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Das Ende der Schweizer Atomenergie ist absehbar. Mit dem Ja zur Energiestrategie 2050 haben die Stimmberechtigten entschieden, dass die Schweiz keine neuen Atomkraftwerke mehr baut.

In der Stadt Luzern wurde 2011 zudem die «Energie- und Klimastrategie» des Stadtrats angenommen. Diese sieht vor, dass die Stadt ab 2045 keinen Atomstrom mehr bezieht. Jetzt legt der Luzerner Stadtrat dem Parlament einen Zwischenbericht vor. Dieser zeigt auf, wie weit die Stadt mit dem Atomausstieg schon ist.

Atomstrom aus Gösgen, Leibstadt und Frankreich

Die Frage, wie viel Atomstrom in der Stadt Luzern konsumiert wird, ist allerdings gar nicht so einfach zu beantworten. Fest steht, dass der städtische Energieversorger EWL rund 130 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr aus den Atomkraftwerken Gösgen und Leibstadt bezieht. Hinzu kommen Verträge mit französischen Stromproduzenten, welche ebenfalls hauptsächlich Atomstrom liefern. Offiziell betrug der Anteil der Kernenergie im Jahr 2016 rund 40 Prozent. Knapp 33 Prozent des EWL-Stromes stammen hingegen aus Wasserkraft (siehe Grafik). Ein Viertel der Energie wiederum wird als «nicht überprüfbar» deklariert. Der Stadtrat geht in seinem Bericht davon aus, dass es sich dabei teilweise um versteckten Atomstrom handelt.

Doch woher kommt der hohe Anteil «unbekannter» Energie? Grund ist unter anderem der teilweise Produktionsausfall des AKW Leibstadt. Dieser musste mit Strombezug aus dem europäischen Netz kompensiert werden. Das europäische Stromnetz gleicht einem riesigen Pool, in dem Elektrizität aus unterschiedlichsten Quellen zusammenfliesst. Aus welchem Kraftwerk der Strom stammt, der am Ende aus der Steckdose kommt, ist nicht überprüfbar. Dieses Problem besteht allerdings nicht nur auf europäischer Ebene. Auch EWL selber kann beispielsweise nicht Solar- von Atomstrom trennen: Selbst wer Solarstrom bestellt hat, bezieht seine Elektrizität aus dem allgemeinen Strom-Pool. Mit seiner Bestellung stellt der Kunde aber sicher, dass die entsprechende Menge Solarstrom in den Pool fliesst.

Wie geht es konkret weiter mit dem Atomausstieg in der Stadt Luzern? 2019 läuft der erste Vertrag für französischen Atomstrom aus, 2024 dann der zweite. Gemäss Energiestrategie dürfen neue Verträge keine Atomenergie mehr enthalten. Mit der Abschaltung der Kernkraftwerke Gösgen (2039) und Leibstadt (2044) wird EWL dann vollständig frei von Atomstrom. Das Ausstiegsziel bis 2045 könne aus heutiger Sicht erreicht werden, schreibt der Stadtrat in seinem Bericht.

Doch wie wird der wegfallende Atomstrom kompensiert? «Ein grosser Teil wird durch Eigenproduktionen sowie mit den Beteiligungen an Produktionen mit erneuerbaren Quellen kompensiert», erklärt Stephan Marty, CEO von EWL. Schon heute ist EWL als Aktionärin an Wasserkraftwerken, Windparks und Solaranlagen in der Schweiz und Europa beteiligt. Allerdings fliesst auch dieser Strom nicht direkt in die Steckdosen der EWL-Kunden, sondern ins allgemeine Netz. «Grundsätzlich entscheiden die Kunden, welche Stromqualität sie bestellen. Die Beschaffung wird dann entsprechend angepasst», sagt Stephan Marty. Und bei den Kunden wird ökologischer Strom immer beliebter. «Im letzten Herbst konnten wir über 1600 Kunden für Luzerner Wasserstrom gewinnen», sagt Marty.

Trotz Ausstieg kann weiter Atomstrom fliessen

Neben der Stadt-eigenen EWL ist auch die CKW in Teilen des Stadtgebiets tätig. Dort präsentiert sich die Lage ähnlich: Die CKW unterhalten dieselben Verträge mit französischen Stromkonzernen und werden sie nach deren Ablauf ebenfalls nicht erneuern. Hingegen werden die CKW wie EWL so lange Strom aus Gösgen und Leibstadt beziehen, bis die dortigen Reaktoren abgeschaltet werden. Der Atomstrom wird vor allem an CKW-Grosskunden geliefert. Privatkunden beziehen zu über 95 Prozent Wasserstrom.

Der Luzerner Stadtrat will zudem mit verschiedenen Fördermassnahmen den Übergang zu einer ökologischen Stromproduktion beschleunigen. Schon 2020 sollen 60 Prozent der Elektrizität in der Stadt Luzern aus erneuerbaren Energien stammen. Erreicht werden soll dies beispielsweise mit Solargenossenschaften und dezentraler Energieproduktion. Erste Vorschläge sollen im Verlauf dieses Jahres vorliegen. Trotz all dieser Bemühungen hält der Stadtrat fest: «Solange Kernkraftwerke in Betrieb stehen, wird auf dem Gebiet der Stadt Luzern Atomstrom bezogen.» Denn seit der Strommarktliberalisierung können Grosskunden ihren Anbieter selber wählen. EWL hat in ihrem Einzugsgebiet bisher Grosskunden mit einem Gesamtvolumen von 80 GWh an andere Anbieter verloren. Auf diesen Stromanteil haben logischerweise weder EWL noch die Stadt einen Einfluss.

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