ENERGIE: Mehrheit erhält teureren Strom

EWL-Kunden, die sich beim Stromanbieter nicht aktiv melden, erhalten automatisch Naturstrom. Der Konsumentenschutz kritisiert die Praxis.

Red
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Stephan Marty, Vorsitzender der Geschäftsleitung, vor der Werbekampagne. (Bild: PD)

Stephan Marty, Vorsitzender der Geschäftsleitung, vor der Werbekampagne. (Bild: PD)

Kunden von Energie Wasser Luzern (EWL) zahlen seit Januar standardmässig für Naturstrom, also für Strom aus erneuerbarer Energie. Wer diese Stromart nicht wünschte, musste sich aktiv beim Stromlieferanten melden, um ein anderes Stromprodukt zu erhalten, wie zum Beispiel Graustrom. Dieser ist der billigste Strom, erzeugt aus Kernenergie und fossilen Quellen wie Kohle und Öl.

Nun präsentiert EWL Zahlen: 76,2 Prozent oder rund 40'000 Kunden erhalten seit Januar Strom aus erneuerbarer Energie. Davon haben sich 1,7 Prozent aktiv für Luzerner Wasserstrom oder Luzerner Solarstrom entschieden. 23,8 Prozent entschieden sich für Graustrom.

28 Prozent wählten aktiv

Der Konsumentenschutz kritisiert die Praxis als kundenunfreundlich, weil viele Strombezüger den EWL-Brief nicht gelesen hätten und in der Folge unwissentlich teureren Naturstrom erhielten. Die Zahlen zeigen: lediglich 28 Prozent oder 14'500 aller EWL-Stromkunden haben aktiv per Antwortkarte oder Internet geantwortet. Diesen Rücklauf wertet EWL aber als Erfolg, «zumal sich die Kunden für eine Wahl von Naturstrom nicht aktiv bei uns melden mussten». Die Kritik der Unlauterkeit, da möglicherweise ein Grossteil der Kunden unwissentlich den teureren Naturstrom erhalten, weist EWL zurück. «Wir können natürlich nicht komplett ausschliessen, dass einzelne Kundinnen oder Kunden eine Rückmeldung übersehen haben. Um diesem Fall vorzubeugen, haben wir mehrfach über verschiedene Kanäle informiert», sagt Zimmermann.

Was aber, wer keinen Naturstrom beziehen will und nicht auf den Brief geantwortet hat? «Das ist kein Problem. Wir haben nur eine einmonatige Kündigungsfrist auf das Ende jeden Monats.» Zudem: Der Preisunterschied zwischen Naturstrom und Graustrom sei nur gering.

Konsumentenschutz gibt Tipps

Konsumentenschützer André Bähler hält an der Kritik fest: «Wir erhalten immer wieder Beschwerden. Die Erfahrung zeigt, dass viele Leute solche Briefe wenig bis gar nicht lesen und fortwerfen.» Zwar sei das Vorgehen rechtlich korrekt. «Besser wäre es aber, wenn sich der Kunde aktiv für Naturstrom entscheiden könnte.» Er rät Konsumenten, immer alle Briefe sorgfältig zu lesen, so zum Beispiel auch Briefe von Banken. Diese würden immer wieder ihre allgemeinen Geschäftsbedingungen ändern. «Wer sich nicht aktiv meldet, stimmt automatisch zu.»

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