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Grundwasser soll Überbauungen am Emmer Seetalplatz und in der Viscosistadt heizen

Die neue Wärmeverbund Seetalplatz AG will 25 Millionen Franken investieren, um in Emmen ein nachhaltiges Fernwärmenetz aufzubauen. Damit soll auch die Umwelt entlastet werden.
Beatrice Vogel

Im Gebiet um den Seetalplatz in Emmen entstehen in den nächsten Jahren rund 1500 Wohnungen und 4000 Arbeitsplätze. Nachdem das Verkehrs- und Hochwasserschutzprojekt nun abgeschlossen ist, werden die Bauten bald in die Höhe wachsen. Noch vorher wird aber die Energie bereitstehen, mit der diese Gebäude geheizt und gekühlt werden – dafür sorgt die in der Viscosistadt angesiedelte Garnherstellerin Monosuisse AG. Sie hat im Frühling 2018 zu diesem Zweck die Tochterfirma Wärmeverbund Seetalplatz AG gegründet.

Gewonnen wird die Energie aus dem Grundwasserstrom der kleinen Emme, der sich direkt unter besagtem Gebiet befindet. Aus Zeiten der Viscosuisse AG gibt es mehrere Grundwasserbrunnen auf dem Areal. «Es besteht also bereits eine gewisse Infrastruktur, die wir nutzen können», sagt Werner Häller, Geschäftsführer der Wärmeverbund Seetalplatz AG und Monosuisse AG.

Ein Grundwasserbrunnen in der Viscosistadt. (Bild: PD)

Ein Grundwasserbrunnen in der Viscosistadt. (Bild: PD)

Das Grundwasser wird in die Wärmezentrale gepumpt, die im Produktionsgebäude der Monosuisse AG entsteht. Zwei weitere, kleinere Zentralen sind auf anderen Grundstücken geplant. Mittels Wärmetauschern wird dem Wasser Wärme entzogen, respektive zugefügt. Die gewonnene Wärme, die durch Abwärme der Industrie ergänzt wird, heizt in einem anderen Kreislauf Wasser auf, das über Fernleitungen zu den einzelnen Gebäuden geleitet und zum Heizen verwendet wird. Danach fliesst es zurück zur Wärmezentrale. Die folgende Grafik zeigt das geplante Verteilnetz:

Analog zum Kreislauf mit warmem Wasser gibt es auch einen mit kaltem Wasser, mit dem gekühlt werden kann. Die Pumpen werden mit eigenem Solarstrom betrieben.

«Wir haben geprüft, Wärme aus einem anderen Fernwärmenetz zu beziehen. Da wir für den Industriebetrieb aber nicht nur Wärme, sondern auch Kälte benötigen, hat es sich angeboten, eine eigene Lösung zu entwickeln», sagt Werner Häller – «zumal wir hier dieses aussergewöhnliche Grundwasservorkommen haben». Das Wasser wird nach der Nutzung durch den Wärmeverbund übrigens wieder ins Grundwasser eingespeist und kann so später auch als Trinkwasser dienen.

5800 Tonnen weniger CO2-Ausstoss

Bisher bezieht die Monosuisse AG und die gesamte Viscosistadt ihre Energie aus dem sogenannten Kesselhaus, wo Wärme mit Dampf erzeugt wird. Rund 15 Gigawattstunden Gas werden jährlich verbraucht – das entspricht rund 1,5 Millionen Liter Erdöl.

Zwei dieser Heizkessel im Kesselhaus versorgen heute die Viscosistadt mit Wärme. (Bild: PD)

Zwei dieser Heizkessel im Kesselhaus versorgen heute die Viscosistadt mit Wärme. (Bild: PD)

«Die Anlage ist veraltet und produziert zu viele Treibhausgase», so Häller. Auch sind derzeit nur noch zwei Kessel in Betrieb, weil nicht mehr so viel Energie benötigt wird. Kommt die Wärmezentrale, wird das Kesselhaus, das sich direkt neben der Hochschule Luzern – Design und Kunst befindet, abgebrochen.

Heute wird die Viscosistadt vom Kesselhaus aus mit Gas beheizt. (Bild: Beatrice Vogel (Emmen, 21. Januar 2019))

Heute wird die Viscosistadt vom Kesselhaus aus mit Gas beheizt. (Bild: Beatrice Vogel (Emmen, 21. Januar 2019))

Mit dem Wärmeverbund-Projekt werden die Vorgaben der Energiestrategie 2050 für die Areale rund um den Seetalplatz erfüllt. Künftig werden jährlich 25 Gigawattstunden Energie erzeugt. Damit könnten 500 Mehrfamilienhäuser à 7 Wohnungen beheizt werden.

Die Umwelt werde dadurch jährlich um rund 5800 Tonnen CO2-Ausstoss entlastet, teilt der Wärmeverbund Seetalplatz mit. Dies entspreche rund 0,015 Prozent des gesamten CO2-Ausstosses der Schweiz. Ganz ohne fossile Energie wird aber auch der Wärmeverbund nicht auskommen. Um Verbrauchsspitzen abzudecken, müsse noch auf maximal 7 Prozent fossile Energie zurückgegriffen werden.

Bereits 2020 Inbetriebnahme der Wärmezentrale

Das Projekt kostet rund 25 Millionen Franken. Bereits 2020 soll die erste Etappe abgeschlossen sein, welche die Wärmezentrale und das Verteilnetz in der Viscosistadt umfasst. Nach und nach sollen die weiteren Gebiete erschlossen werden – je nachdem, wie es mit der Bebauung vorwärts geht.

Der neue Wärmeverbund tritt in Konkurrenz zu anderen bestehenden Fernwärmenetzen – etwa der Fernwärme Luzern AG, welche die Abwärme der Renergia in Perlen nutzt. Diese beliefert unter anderem Gebiete in Emmen und plant einen Ausbau nach Littau und Reussbühl. Lohnt es sich da wirklich, noch einen neuen Wärmeverbund zu betreiben? Werner Häller:

«Wir werden mehr Energie produzieren, als wir benötigen, weshalb wir auch unsere Nachbarn versorgen können, teils mit bestehenden Wasserleitungen.»

Aber da bereits andere Anbieter in der Nähe seien, die jenseits der Bahngleise besser positioniert sind, habe man den Perimeter bewusst klein gehalten. Es sei auch kein weiterer Ausbau geplant. «Da hier Grundwasser vorhanden ist, lohnt es sich, diese natürliche Ressource zu nutzen», ergänzt der Emmer BaudirektorJosef Schmidli (CVP). Für andere Gebiete sei hingegen die Fernwärmeleitung aus Perlen besser geeignet.

Zu den geplanten Neubauten am Seetalplatz, die durch den Wärmeverbund beheizt werden sollen, gehört auch die kantonale Verwaltung. Regierungspräsident Robert Küng (FDP) äussert sich begeistert über das Projekt: «Es zeigt, dass die Wirtschaft die Energiepolitik unterstützt, und dass erneuerbare Energie wirtschaftlich nachhaltig ist.» Und Josef Schmidli rühmt es als «beispielhafte Zusammenarbeit der öffentlichen Hand mit der Industrie».

Mehr Informationen unter: www.waermeverbundseetalplatz.ch

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