ENGELBERG: Dieses Ferienhaus hält ihn jung

Seit 50 Jahren hat der ehemalige Pfarrer vom Gormund bei Neudorf ein Ferienheim in Engelberg. Eine Herzensangelegenheit.

Cyril Aregger
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Walter Zimmermann (86) betrachtet vor seinem Ferienheim St. Raphael in Engelberg ein Dia des 50-jährigen Hauses. (Bild Pius Amrein)

Walter Zimmermann (86) betrachtet vor seinem Ferienheim St. Raphael in Engelberg ein Dia des 50-jährigen Hauses. (Bild Pius Amrein)

Alles begann in Basel. Der junge Jugendseelsorger Walter Zimmermann organisierte ab 1958 in Basel Skilager in Engelberg. 80 bis 100 Kinder übernachteten jeweils in Unterkünften des Klosters Engelberg, ehe diese einer Erweiterung der Klosterschreinerei weichen mussten. «An einem Elternabend musste ich dann den Eltern erklären, dass es keine Skilager mehr geben werde – es war kaum möglich, für so viele Kinder eine günstige Unterkunft zu finden», erinnert sich Zimmermann, der 1928 in Alpnach geboren wurde. Doch einige wohlhabende Väter wollten sich damit nicht abfinden. «Sie warteten nach dem Elternabend auf mich und erklärten, sie hätten noch etwas Geld, das sie mir als zinsloses Darlehen übergeben möchten. Damit sollte ich ein neues Ferienheim in Engelberg bauen.» Im Oktober 1963 begannen die Bauarbeiten, und zu Ostern 1964 übernachtete die erste Gruppe im neuen Ferienheim St. Raphael am Wiesenweg 3.

Stammgäste aus Beromünster

Als eine der ersten Gruppen richtete sich die Kanti Beromünster im heimeligen, zweckmässig eingerichteten Chalet ein. Sie blieb dem Ferienheim St. Raphael bis heute treu. Ende Februar feierten ehemalige und aktive Lehrerinnen und Lehrer der Schule im Ferienheim den 50. Besuch, ehe tags darauf die Schüler die Zimmer in Beschlag nahmen. Auch das 51. Lager im kommenden Jahr sei bereits gebucht, erzählt Zimmermann.

Nach seiner Zeit in Basel war er Pfarrer und Dekan in Aesch BL, ehe er Pfarrer in Reussbühl wurde. «Ich wollte wieder zurück in ‹meine› Innerschweiz, zu den Bergen», sagt Walter Zimmermann. Er sitzt vor dem Ferienheim St. Raphael in Engelberg und blickt bei strahlendem Sonnenschein auf das beeindruckende Alpenpanorama. Die letzten 14 Jahre bis zu seiner Pensionierung mit 80 Jahren war Zimmermann Kaplan der Wallfahrtskapelle Gormund bei Neudorf. In der beliebten Hochzeitskapelle traute er Dutzende Paare.

Zimmermann hat das Chalet, das heute rund 55 Personen Platz bietet, über Jahre abbezahlt. Zuerst bei den Basler Geldgebern, danach bei der Bank, die das Darlehen übernommen hatte. «Alles Geld, das nach den Unterhaltsarbeiten von den Mieten übrig blieb, habe ich dafür eingesetzt.»

«Eine Seelsorge-Aufgabe»

Das Haus ist eine Herzensangelegenheit für ihn. Unter der Woche lebt Zimmermann als Wochenaufenthalter in Rothenburg – weil er seinen Arzt so in der Nähe hat. Doch auch unter der Woche kommt er mindestens einmal nach Engelberg, um nach dem Rechten zu sehen. «Ich betrachte ‹St. Raphael› auch als eine Seelsorge-Aufgabe», erzählt Zimmermann. «Ich kann Kinder und Jugendliche unterstützen und ihnen mit dem Haus helfen, dass sie unsere unvergleichliche Bergwelt entdecken können.» Auch deshalb habe er immer darauf geachtet, dass die Mietpreise erschwinglich blieben. «Und im Zweifelsfall wird die Rechnung abgerundet», sagt er bestimmt. Hunderte Kinder, Jugendliche, Familien und Vereine haben das Haus seit seiner Fertigstellung vor 50 Jahren genutzt.

Rechnungen, die Entgegennahme der Buchungen und die Aufträge für den Unterhalt des Hauses erledigt Walter Zimmermann nach wie vor selber – ohne Internet und Mobiltelefon. «Vielleicht hält mich das Haus etwas jung, auch dank dem Kontakt mit den Jugendlichen und den Lehrern», meint er mit einem leichten Schmunzeln. Die heutigen Jugendlichen seien im Übrigen nicht so schlecht, wie ihnen manchmal nachgesagt werde, findet Zimmermann. «Natürlich hat sich einiges verändert über die Jahrzehnte, aber die meisten sind sehr anständig und freuen sich über den Aufenthalt im ‹St. Raphael›.»

Sorgen um Zukunft des Heims

Damit das auch weiterhin möglich sein wird, beschäftigt sich Zimmermann mit der Zukunft. Denn, auch wenn das Haus Zimmermann jung hält, seine 86 Lebensjahre kann es nicht ungeschehen machen. Mit ernster Miene sagt er: «Die Zukunft des Ferienheims bereitet mir Sorge.» Er möchte, dass es auch nach seinem Tod in seinem Sinne weitergeführt wird, nicht zum Spekulationsobjekt verkommt oder luxuriös ausgebaut wird. Sein Haus diene seit 50 Jahren einem – durchaus auch seelsorgerischen – Zweck: «Das Haus soll Schulen, Vereinen und Eltern helfen, Jugendliche in kameradschaftlicher Gemeinschaft zu betreuen. Jeder und jede soll hier lernen, auf die andern Rücksicht zu nehmen und einander zu helfen.»