ENTLEBUCH: 200-jährige Häuser fallen mit viel Krach

Die alte Post und die Drogerie sind gestern Abend im Rahmen der Dorfkernerneuerung abgerissen worden. Vorerst gibt es aber keinen Neubau.

Aleksandra Mladenovic
Drucken
Teilen
Aus und vorbei: Gestern hat das letzte Stündchen der über 200 Jahre alten Post (links) und der alten Drogerie (Mitte) in Entlebuch geschlagen. (Bild Boris Bürgisser)

Aus und vorbei: Gestern hat das letzte Stündchen der über 200 Jahre alten Post (links) und der alten Drogerie (Mitte) in Entlebuch geschlagen. (Bild Boris Bürgisser)

Es knackt und knarrt, die Fassade der alten Drogerie wippt leicht vor und zurück, und immer wieder steigt eine Staubwolke in die Höhe. Plötzlich stürzt das letzte Dachstück mit einem Teil der Fassade krachend zu Boden. Zwischen 20 und 22.15 Uhr sind gestern die alte Post und die alte Drogerie in Entlebuch Dorf im Rahmen der Dorfkernerneuerung abgerissen worden. Rund 50 junge, alte und Familienleute haben sich hinter den Strassenabsperrungen eingefunden, um dem Dorfspektakel beizuwohnen – eine Gruppe wehmütiger Rentner an vorderster Front. «Ach, der alte Willi», sagt ein Rentner, «der hat in der Drogerie noch alles verkauft, was ein Bauer so braucht. Mäusefallen, Schnüre für die Kuhschwänze und sogar Schiesspulver und Patronen – sein Vater war ja Jäger.» Eine Rentnerin fügt hinzu: «Ja, wenn der das noch miterlebt hätte, das hätte ihm schon weh getan.» Der «alte Willi» sei aber schon vor einigen Jahren gestorben, die Drogerie habe schon länger jemand anders geführt. Die Frau des alten Drogisten wohnt allerdings noch im Haus hinter den nun abgerissenen, über 200 Jahre alten Gebäuden.

Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
16 Bilder
Aus und vorbei: Am Montag hat das letzte Stündchen der über 200 Jahre alten Post (links) und der alten Drogerie (Mitte) in Entlebuch geschlagen. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ
Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ

Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ

Parkanlage bis Ende Schulferien

Sie war es auch, die die beiden Grundstücke der Gemeinde für die Dorfkernerneuerung zwischen dem Hotel Drei Könige und dem Marktplatz verkauft hat. Bereits seit Montag letzter Woche war ein Bautrupp mit den Abrissarbeiten beschäftigt. Gestern fiel dann noch der der Kantonsstrasse zugewandte Teil. Bis Ende nächster Woche soll der Bauschutt beseitigt werden, und bis Ende der Schulferien wird auf dem Areal eine Parkanlage mit zehn Parkplätzen, Kies- und Grünflächen sowie Bäumchen entstehen. Es sei ein Provisorium, so Gemeindeammann Robert Vogel: «Den Neubau können wir erst erstellen, wenn ein angrenzendes Grundstück erworben werden kann. Wir haben für dieses Grundstück aber bereits ein Kaufrecht.» Es sei jedoch noch nicht vorauszusehen, wann dort gebaut werde. Die Kosten für die Grundstücke, den Abriss und das Erstellen der Parkanlage belaufen sich auf rund 800 000 Franken. Das Areal soll an die Entlebuch Dorf AG veräussert werden, die eigens für die Dorfkern­erneuerung gegründet wurde.

Bereits vollendet ist das angrenzende neue Schützenhaus. Für 4,5 Millionen Franken gebaut und im März eröffnet, ersetzt es die beiden Gebäude Spycher und Schützenhaus. Für den Bau hat die Gemeinde von Bund und Kanton ein zinsloses Darlehen aus dem Topf der Neuen Regionalpolitik (NRP) von über 1,5 Millionen Franken erhalten. Der zweite Neubau, welcher noch auf sich warten lässt, werde wohl in etwa gleich viel kosten, so Vogel.

Auch Strasse wird erneuert

Mit den Neubauten geht auch eine Neugestaltung dieses Abschnitts der Kantonsstrasse für 7,5 Millionen Franken einher. Um eine grössere Fläche zu erhalten, hat die Gemeinde die Baulinie um 7 Meter zurückversetzt, was eine breitere und übersichtlichere Strassenführung ermöglicht. Zumindest der jungen Generation gefällt die nachhaltige Veränderung. So ist etwa der 6-jährige Raphael Giger vom Abriss begeistert und sagt: «Ich will auch mal Baggerfahrer werden, wenn ich gross bin.» Sein 4-jähriger Bruder Matthias fügt hinzu: «Das neue Schützenhaus ist schöner als die alten Häuser.» Und auch Irene Giger (33), Mutter der beiden kleinen Racker, sagt: «Etwas Neues, das in das Dorf passt, ist doch schön. Und so einen Abriss sieht man nicht alle Tage.»