ENTLEBUCH: Biosphäre fordert mehr Geld vom Bund

Die Unesco-Biosphäre will Bestimmungen des Bundes ändern – um so zu mehr Mitteln aus Bern zu kommen. Doch es geht den Verantwortlichen auch um Anerkennung.

Kilian Küttel
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Die Karstlandschaft der Schrattenfluh gilt als die schönste der Schweiz.Bild: Christian Beutler/Keystone (Entlebuch, 18. August 2016)

Die Karstlandschaft der Schrattenfluh gilt als die schönste der Schweiz.Bild: Christian Beutler/Keystone (Entlebuch, 18. August 2016)

Die Unesco-Biosphäre Entlebuch (UBE) fühlt sich ungerecht behandelt: «Der Bund berücksichtigt zu wenig, dass wir international anerkannt sind», sagt Direktor Theo Schnider auf Anfrage unserer Zeitung. Die UBE ist einer von 19 Parks nationaler Bedeutung, die es in der Schweiz gibt. Das Heimatschutzgesetz unterscheidet drei Arten davon: Den Nationalpark in Graubünden, regionale Naturparks und Naturerlebnisparks. Die UBE gilt als regionaler Naturpark. Das greift Schnider zu kurz: «In den Bestimmungen soll unser Unesco-Status verankert werden.» Denn im Unterschied zu anderen Naturparks müsse die UBE mehr und komplexere Auflagen erfüllen. Nur so kann sie das Unesco-Zertifikat behalten. Zudem gäbe es einen Unterschied zwischen Biosphären und regionalen Naturparks. Schnider erklärt: «Die Kernaufgabe von Biosphärenreservaten ist die nachhaltige Entwicklung eines Gebiets.» Regionale Naturparks müssten sich derweil vor allem um den Schutz der Landschaft und der Natur kümmern.

Die UBE will die Bestimmungen des Bundes präzisiert haben. Sie lobbyiert: «Wir sind im Gespräch mit verschiedenen Organisationen, Netzwerken, Interessenverbänden und Politikern», so Schnider. Das begrüsst die zuständige Dienststelle des Kantons Luzern. «Wir wären froh, wenn der bestehende Interpretationsspielraum in den Bestimmungen geschlossen würde», sagt Christoph Böbner, Leiter der Dienststelle Landwirtschaft und Wald. UBE-Direktor Schnider hofft, bis ins Jahr 2019 eine Lösung gefunden zu haben.

Biosphäre erhält pro Jahr 730'000 Franken vom Bund

Dieser Zeitpunkt kommt nicht von ungefähr. Denn ab 2019 gilt die neue Programmvereinbarung für die folgenden vier Jahre: Damit Naturparks Beiträge vom Bund erhalten, müssen sie eine gewisse Anzahl von Aufgaben übernehmen. Diese sind in einem umfangreichen Leistungskatalog festgehalten. Alle vier Jahre verhandeln das Bundesamt für Umwelt, die Kantone und Naturparks die neuen Aufgaben und die Entschädigungen. Das nächste Mal eben im Jahr 2019. Auf die UBE bezogen heisst das: Bis dann müssen zum Beispiel jedes Jahr 10'000 Personen an den Bildungsangeboten der UBE teilnehmen. Oder sie muss jährlich mindestens fünf Weiterbildungen anbieten. Dafür und für zahlreiche weitere Programmpunkte erhält die Biosphäre jährlich rund 730'000 Franken vom Bund.

Mit einer Änderung der Bestimmung fordert die UBE auch höhere Beiträge vom Bund: 1 Million Franken pro Jahr. Auf die Forderung der UBE angesprochen, heisst es beim Bundesamt für Umwelt: «Aufgrund ihrer vielfältigen Leistungen erhielt die UBE bis anhin die höchste Bundesunterstützung aller Regionalen Naturparks in der Schweiz.» Für die laufende Programmperiode schüttet der Bund 67,9 Millionen Franken aus, die sich die 19 Parks von nationaler Bedeutung untereinander aufteilen müssen. Schnider meint dazu: «Wir sind ein wichtiger Botschafter für den Bund und ein Zugpferd. Er sollte seine Leader stärken und in seine echten Rennpferde investieren.»

Kilian Küttel