ENTLEBUCH: Biosphärendirektor setzt Kopfgeld auf Wolf aus

Theo Schnider will den Tourismus im Entlebuch mit einer unge­wöhnlichen PR-Idee anheizen: Er bläst zur Amateurjagd auf den Wolf – mit der Fotokamera.

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Ein Wolf, hier in einem Tierpark. (Bild EQ)

Ein Wolf, hier in einem Tierpark. (Bild EQ)

In Zusammenarbeit mit den Sörenberger Bergbahnen werde die «Jagd» auf den Wolf eröffnen – und dies parallel zu den behördlich verordneten Abschussversuchen der Wildhüter, wie es in einer Medienmitteilung der Unesco Biosphäre Entlebuch heisst. Das Tier müsse lebend, in freier Natur und im Perimeter der Biosphäre «geschossen» werden. Wem es als Erster gelingt, den Entlebucher Wolf in der Zeit vom 24. August bis 1. November 2009 zu fotografieren, erhält kostenlos eine Saisonkarte der Sörenberger Bergbahnen. Fotomontagen und professionelle Fotofallen seien nicht gestattet.

PR-gewürzte «Sensibilisierungskampagene»
Die PR-Aktion wird aus eigener Warte als «Sensibilisierungskampagene» beschrieben. Da der Abschuss des Wolfes generell keine nachhaltige Lösung darstellt, müssen sich langfristig die unterschiedlichen Nutzergruppen im gleichen Raum entsprechend arrangieren, wird Theo Schnider, Direktor der Unesco Biosphäre Entlebuch, in der Mitteilung zitiert. Das Miteinander sei äusserst komplex und die Einwanderung des Wolfes könne nie konfliktfrei verlaufen, glaubt Schnider. Die Schafalpung werde sich durch die Präsenz des Wolfes unweigerlich ändern – inwiefern, müsse «im Rahmen eines partizipativen Prozesses mit den unterschiedlichen Akteuren vor Ort erarbeitet werden». Mit der Feststellung «Eines ist sicher, der Wilde Westen von Luzern ist um eine (Wolfs-)Spur wilder geworden», schliesst die Mitteilung.

Nur der eigentliche Protagonist fehlt...
Knackpunkt an der Kampagne: Zum einen fehlt vom Wolf seit Tagen jede Spur. «Es besteht eine gewisse Hoffung, dass er sich in ein anderes Gebiet zurückgezogen hat, wo er genug Wild findet», sagt Kurt Eichenberger, Projektleiter Biodiversität beim WWF Schweiz. Der dreieinhalbjährige Abruzzen-Berghund hatte vor ungefähr einem Monat auf der Schafmatt – mit 1979 Metern der höchste Punkt der Gemeinde Schüpfheim – einen heftigen Kampf mit dem Wolf. Zum anderen stellt sich die Frage, wie gross die Freude bei der Abteilung Fischerei und Jagd des Kantons Luzern über einen möglichen Wolf-«Tourismus» ist. Schliesslich handelt es sich bei der Wolfsjagd um eine äusserst sensible Angelegenheit, die keine Störung durch äussere Einflüsse verträgt: Die Chancen für einen erfolgreichen Abschuss liegen gemäss Marco Giacometti, Geschäftsführer des Jäger-Dachverbandes Jagd Schweiz, bei etwa 50 Prozent. Zudem stellt sich die Frage, wie die Sicherheit der Foto-«Jäger» gewährleistet ist.

scd/red