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Das Grossprojekt am Dorfplatz in Entlebuch stiftet Unruhe im Dorf

Der Bebauungsplan für das Dorfzentrum kommt Ende März zur Abstimmung. Während die Gemeinde für eine moderne Zukunft wirbt, wehren sich SVP und Handwerker gegen das Millionenprojekt.
Stephan Santschi
So könnte der Entlebucher Dorfplatz künftig aussehen. (Visu: PD)

So könnte der Entlebucher Dorfplatz künftig aussehen. (Visu: PD)

In Entlebuch soll für 30 bis 40 Millionen Franken ein neues Dorfzentrum entstehen. 50 Wohnungen, ein Parkhaus, eine Coop-Filiale, Geschäftsräume und ein Treffpunkt mit Café, Sitzbänken und einem Brunnen sind die Eckpfeiler des Megaprojekts, das auf Höhe des Markplatzes nördlich und südlich der Glaubenbergstrasse geplant ist. Investoren sind die Anliker Holding AG mit Sitz in Emmenbrücke und die einheimischen Müller & Stalder Immobilien. «Das Projekt bringt uns in die Zukunft. Alle Generationen in Entlebuch gewinnen», ist Gemeindepräsidentin Vreni Schmidlin-Brun (FDP) überzeugt.

Alles in Minne also? Keineswegs. Wenn der Gemeinderat am nächsten Montag im Hotel Drei Könige ab 20 Uhr zur Informationsveranstaltung lädt, wird es auch kritische Stimmen geben. Federführend hierbei ist die lokale SVP, die bereits einen kleinen Erfolg verbuchen kann. Mit einer Unterschriftenaktion hatte sie erwirkt, dass der Bebauungsplan, die Zonenplanänderung und der Sonderkredit von 1,28 Millionen Franken nicht Ende 2018 an der Gemeindeversammlung gelangt waren, sondern am 31. März über die Urne zur Abstimmung kommen.

«Ein Projekt von solch grosser Tragweite bedarf des Mitspracherechts aller. Es gibt Leute, die aus beruflichen und familiären Gründen oder wegen des Alters nicht an eine Gemeindeversammlung gehen können», sagt Jeannette Steiner von der SVP.

Handwerker befürchten, leer auszugehen

Mittlerweile hat die Entlebucher SVP für die Abstimmung von Ende Monat sogar die Nein-Parole gefasst. Unter anderem werden die fehlende Wertschöpfung für die Region und das mangelhafte Verkehrskonzept moniert.

Punkt eins wird untermalt durch einen Flyer, der in dieser Woche in den Entlebucher Briefkästen aufgetaucht ist. Darin beschweren sich Haustechniker Schreiner, Dachdecker, Maler und Baggerbetriebe über die fehlende Nachhaltigkeit der Dorfkernbebauung. Konkret: Sie fürchten, bei der Vergabe von Aufträgen leer auszugehen. «Die einheimischen Handwerker dürften kaum zum Zug kommen, da sie mit den grossen Konkurrenzfirmen preislich wahrscheinlich nicht mithalten können und auch das Arbeitsvolumen in so kurzer Zeit nicht bewältigen könnten», heisst es. Deshalb würden sie eine etappenweise Bauentwicklung bevorzugen. «Wir befürchten zudem, dass nach diesem Grossprojekt die Bautätigkeit in der Gemeinde für die nächsten Jahre einbricht», sagt Steiner.

Gegner bemängeln die Verkehrssicherheit

Auf keine Gegenliebe stösst auch das Verkehrskonzept, welches die Sicherheit nicht gewährleiste. «Die Einfahrt zur Tiefgarage, der Zulieferer für den Grossverteiler und auch die Buslinie werden den Weg der Kinder zur nahe gelegenen Schule kreuzen.»

Zudem werde die enge Glaubenbergstrasse nicht verbreitert. Im Weiteren stört man sich an der Tatsache, dass alle Gebäude im Gemeindezentrum an Private veräussert würden und dass der Verkaufspreis für den Grossinvestor aus Emmenbrücke deutlich zu niedrig sei.

FDP und CVP dürften die Ja-Parole fassen

Gemeindepräsidentin Vreni Schmidlin-Brun möchte am Montag an der Informationsveranstaltung vieles richtigstellen. «Die beiden Baumeister sind sehr wohl gewillt, Handwerkerarbeiten an regionale Unternehmen zu vergeben», betont sie. Ob die neue Buslinie Wolhusen-Entlebuch über den Markplatz führen werde, stehe noch nirgends geschrieben.

«Tatsache ist, dass kein Schulbus über den Marktplatz fahren wird.» Für die Glaubenbergstrasse sei eine Verbreiterung von einem Drittel gegenüber dem heutigen Strassenraum vorgesehen (inklusive Trottoirs). Und 70 Prozent der Baufläche, sprich der öffentliche Bereich des Marktplatzes, kämen nach der Realisierung wieder in Gemeindebesitz. «Entlebuch bietet sich eine einmalige Chance. Das Risiko liegt nicht bei uns, sondern bei den Investoren. Durch die 3,4 Millionen Franken, die sie an uns überweisen, sind unsere Kosten für die Liegenschaftskäufe und den Sonderkredit gedeckt.»

Schmidlin-Brun bleibt daher trotz des Gegenwinds sehr zuversichtlich. Dafür sorgt auch das kürzlich gegründete Unterstützungskomitee «IG Pro Marktplatz». Und obwohl FDP und CVP ihre Parolen erst nächste Woche fassen, zeichnet sich ab, dass beide Parteien für den neuen Marktplatz votieren werden.

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