ENTLEBUCH: «Die grösste Hürde ist der Standort»

Das ehemalige Ackermann-Gebäude verliert mit der Zentral- und Hochschulbibliothek einen seiner besten Mieter. Für den Geschäftsleiter ist dies aber eher Chance als Bedrohung.

Cyril Aregger
Drucken
Teilen
Adrian Sfintesco (33), CEO der A Aco AG, in den Räumlichkeiten des ehemaligen Ackermann-Versandhandels, dem heutigen Businesspark Aentlebuch.ch. (Bild Pius Amrein)

Adrian Sfintesco (33), CEO der A Aco AG, in den Räumlichkeiten des ehemaligen Ackermann-Versandhandels, dem heutigen Businesspark Aentlebuch.ch. (Bild Pius Amrein)

Im Februar beginnt der grosse Umzug: Die Zentral- und Hochschulbibliothek (ZHB) zügelt ihre rund 900 000 Bücher aus dem Businesspark Aentlebuch.ch beim Bahnhof Entlebuch in die neue Speicherbibliothek in Büron (Ausgabe vom 9. Januar). Auf dem Areal des ehemaligen Versandhauses Ackermann (heute A Aco AG) werden so bis Ende Jahr zirka 4000 der insgesamt 35 000 Quadratmeter Büro- und Gewerbefläche frei. Belegt sind derzeit rund 18 000 Quadratmeter.

Im Februar beginnt der grosse Umzug: Die Zentral- und Hochschulbibliothek (ZHB) zügelt ihre rund 900 000 Bücher aus dem Businesspark Aentlebuch.ch beim Bahnhof Entlebuch in die neue Speicherbibliothek in Büron. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
9 Bilder
Auf dem Areal des ehemaligen Versandhauses Ackermann (heute A Aco AG) werden so bis Ende Jahr zirka 4000 der insgesamt 35 000 Quadratmeter Büro- und Gewerbefläche frei. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Belegt sind derzeit rund 18 000 Quadratmeter. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Das Konzept von Aentlebuch.ch besteht eigentlich darin, dass so gut wie alles möglich ist: Büro-, Gewerbe, Lager- oder Verkaufsräume, alles findet seinen Platz in den alten Ackermann-Gebäuden aus den Jahren 1947 bis 1970. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
64 Firmen sind derzeit im Businesspark domiziliert, darunter Start-up-Firmen, denen in den ersten drei Monaten die – im Vergleich zur Stadt und Agglomeration tiefe – Miete erlassen wird. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Der Businesspark hat bereits 107 Arbeitsplätze nach Entlebuch geholt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Adrian Sfintescu ist CEO des «Businessparks Aentlebuch». (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Der Firmenmix ist bunt. Von der Post über Versicherungen, Therapeuten, Künstler, ein Tonstudio bis zur Kesb Entlebuch reicht das Angebot. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Ein Grossmieter fand dadurch aber bisher noch nicht nach Entlebuch. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Im Februar beginnt der grosse Umzug: Die Zentral- und Hochschulbibliothek (ZHB) zügelt ihre rund 900 000 Bücher aus dem Businesspark Aentlebuch.ch beim Bahnhof Entlebuch in die neue Speicherbibliothek in Büron. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Für Adrian Sfintesco, CEO der A Aco AG und in dieser Funktion auch Geschäftsführer des Businessparks, kein Grund zur Beunruhigung: «Das Konzept des Businessparks funktioniert. Und für rund 3000 ZHB-Quadratmeter haben wir bereits einen Interessenten. Spruchreif ist allerdings noch nichts.» Für die Vermietung der noch leer stehenden Flächen arbeite man eng mit der Wirtschaftsförderung des Kantons Luzern zusammen, Kontakte auch mit ausländischen Firmen seien zu Stande gekommen. Ein Grossmieter fand dadurch aber bisher noch nicht nach Entlebuch. Dabei sind grosse Büroflächen in der Stadt Luzern Mangelware und verhindern die Ansiedlung grosser, internationaler Firmen (Ausgabe vom 19. Dezember).

Alles findet Platz

«Die grösste Hürde ist der Standort», erklärt Sfintesco. «Die Leute haben das Gefühl, wir seien weitab vom Schuss. Doch das stimmt gar nicht. Mit dem Zug ist man beispielsweise in 25 Minuten in Luzern.» Dies ins Bewusstsein möglicher Interessenten zu bringen, sieht er als eine seiner Hauptaufgaben.

Das Konzept von Aentlebuch.ch besteht eigentlich darin, dass so gut wie alles möglich ist: Büro-, Gewerbe, Lager- oder Verkaufsräume, alles findet seinen Platz in den alten Ackermann-Gebäuden aus den Jahren 1947 bis 1970. «Ich sage eigentlich nie nie», meint Sfintesco. «Einzig bei Gewerben mit sehr grossen Emissionen müssen wir schauen, ob wir eine Lösung finden können, die die übrigen Mieter nicht belästigt.» Wer will, kann auch auf die Dienstleistungen des Vermieters zurückgreifen. Dazu gehören beispielsweise IT-Support, Reinigung – auch der Ausbau der Räumlichkeiten kann von Aentlebuch.ch übernommen werden. «Gerade letzteres kann für kleine Unternehmen interessant sein», sagt Sfintesco. «Sie bezahlen den Ausbau über die Miete und brauchen dafür kein Kapital für Investitionen.»

«Es war eine schwierige Zeit»

Seit einem Jahr ist Adrian Sfintesco nun CEO der A Aco AG. Die ehemaligen Ackermann-Gebäude bezeichnet der 33-Jährige als «Spielwiese, auf denen vieles möglich ist». Für ihn persönlich galt dies auch wortwörtlich: Als Sohn des ehemaligen Ackermann-Chefs Corneliu Sfintesco ist er schon durch die Gebäude gestreift, als hier noch bis zu 600 Angestellte Waren in die ganze Schweiz verschickten. Er habe deshalb eine emotionale Bindung zu diesem Ort, betont Adrian Sfintesco. «Es war eine schwierige Zeit, als mein Vater den Versandhandel einstellen musste. Nun sehe ich es als Verpflichtung, dass wir dafür sorgen, dass das Leben hier wieder pulsiert. Es ist gewissermassen eine Lebensaufgabe.»

107 Arbeitsplätze

64 Firmen sind derzeit im Businesspark domiziliert, darunter Start-up-Firmen, denen in den ersten drei Monaten die – im Vergleich zur Stadt und Agglomeration tiefe – Miete erlassen wird. Gemäss Sfintesco hat der Businesspark bereits 107 Arbeitsplätze nach Entlebuch geholt. Der Firmenmix ist bunt. Von der Post über Versicherungen, Therapeuten, Künstler, ein Tonstudio bis zur Kesb Entlebuch reicht das Angebot. Diese Mischung im 2008 eröffneten Businesspark sei eigentlich aus Zufall entstanden. Nun aber sieht Sfintesco diesen Mix als Vorteil: «Die Mieter schätzen dies. Es entstehen viele interessante Kontakte, zum Beispiel im hauseigenen Panorama-Restaurant.»

Der Businesspark sei mittlerweile profitabel, sagt Sfintesco. Genaue Zahlen publiziere das Unternehmen aber nicht.

Erster Versandhandel in Europa

Geschichte ca. Der heutige Businesspark «Aentlebuch.ch – Park für Arbeiten & Wohnen» eröffnete 2008 in den Gebäuden des ehemaligen Versandhauses Ackermann beim Bahnhof Entlebuch. Der Versandhandel wurde in Entlebuch ab 1871 systematisch betrieben, 1900 wurde die Firma «Gebrüder Ackermann & Cie. – Fabrikation und Handel mit Tuchwaren» als erstes Versandhaus Europas ins Handelsregister eingetragen. Die Firma zählte bis zu 600 Mitarbeiter.

In den 2000er-Jahren kam die europaweite Versandhandelskrise. Eigentümer Corneliu Sfintesco musste den Versandhandel 2006 aufgeben, 330 Mitarbeiter verloren ihre Stelle. 2007 übernahm die Quelle AG den Versand und die Marke Ackermann, drei Jahre später ging das Versandgeschäft in die Hände einer Tochterfirma des österreichischen Otto-Versandes über. Ackermann existiert heute noch als Versandhandelsmarke.

Die Ackermann Versandhaus AG heisst heute A Aco AG und betreibt auf dem Firmenareal mit Projektleiter Peter Lüthi den Businesspark Aentlebuch.ch. Zusammen mit der SVZ Schweizer Versandzentrum AG gehört Sie zur Entlebucher Regula Holding, Verwaltungsratspräsident ist Corneliu Sfintesco, sein Sohn Adrian ist Mitglied des Verwaltungsrates. Die Regula Holding beschäftigt total rund 80 Mitarbeiter.

Modernes Logistikzentrum
Zum Areal gehört auch das moderne, 1997 eröffnete Logistikcenter mit Hochregallager auf der anderen Seite der Gleise. Das «Schweizer Versandzentrum» ist seit 2003 eine eigenständige Aktiengesellschaft der Regula Holding. Die rund 60 Mitarbeiter übernehmen heute Logistik- und Dienstleistungen für rund 70 Firmen. Zu den Kunden zählen beispielsweise die Post, Swiss/Lufthansa, die Schweizerischen Zollbehörden, Nivea, die Pilatus Flugzeugwerke oder der Schweizerische Fussballverband.