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ENTLEBUCH: Ein Dorf probt den Ausnahmezustand

Die Region Luzern West ehrt die Theatergesellschaft für ihre Operette mit dem Kulturpreis 2017. Die Produktionen zeichnen sich durch eine bodenständige Qualität aus.
Ernesto Piazza
Inmitten der Kostüme für die Operette fühlt sich Vereinspräsidentin Petra Wey sichtlich wohl. (Bild: Pius Amrein (Entlebuch, 21. November 2017))

Inmitten der Kostüme für die Operette fühlt sich Vereinspräsidentin Petra Wey sichtlich wohl. (Bild: Pius Amrein (Entlebuch, 21. November 2017))

Das Pflegen von Traditionen ist im Entlebuch Programm. Dazu gehört auch die Operette in der Gemeinde Entlebuch. Mittlerweile hütet die örtliche Theatergesellschaft dieses kulturelle Gut seit über 180 Jahren. Innerhalb der Musiktheater Vereinigung ist sie sogar die einzige Bühne, die alle Produktionen ausschliesslich mit eigenen Solistinnen und Solisten sowie dem dorfeigenen Laienorchester realisiert. Die meisten seien sogar im Dorf aufgewachsen, sagt Vereinspräsidentin Petra Wey-Hofstetter.

Alle drei Jahre herrscht in Entlebuch vor und nach den Aufführungen der Operette Ausnahmezustand. Diesmal wagen sich die Verantwortlichen mit «Madame Pompadour» an ein Stück in drei Akten von Leo Fall. Regie führt die in Wien lebende Claudia Fischer. Bereits ihr 2014 verstorbener Vater Adi hatte zarte Bande nach Entlebuch geknüpft, oblag ihm doch während mehrerer Produktionen ebenfalls die musische Verantwortung über die aufgeführten Werke.

Preis wird am Sonntag verliehen

Bei «Madame Pompadour» sei die Wahl auf etwas Aussergewöhnliches, weil eher Unbekanntes, gefallen, verrät Petra Wey. Dass sich die Theatergesellschaft an diese Herausforderung wagt, zeugt auch von Mut und Leidenschaft. Diese Tugenden werden nun vom Verband Region Luzern West mit dem Kulturpreis 2017 belohnt. «Die Entlebucher Theaterbühne steht für Nachhaltigkeit, Begeisterung und Erhalt der wichtigen Tradition», umreisst Geschäftsführer Guido Roos die Gründe für die Auszeichnung. Sie wird am Sonntag, 18.30 Uhr, im Landgasthof Drei Könige, Entlebuch, öffentlich verliehen und ist mit 5000 Franken dotiert. Seit 1998 vergibt die Region Luzern West alle zwei Jahre einen Preis für herausragendes Kulturschaffen.

Petra Wey zeigt sich «hoch erfreut» über diese Wertschätzung. Seit 2015 präsidiert die 45-Jährige den Verein. Mit der Operette kam sie aber schon früh in Kontakt. «In unserer Familie ist der Anlass seit jeher präsent.» So spielte Wey schon Geige im Orchester und genoss beispielsweise 2014 beim «Bettelstudent» Bühnenpräsenz. Zudem gehört ihrer Schwester Christa Hofstetter Marbacher bei der aktuellen Produktion im Hotel Port die Titelrolle.

Die ersten fünf Stücke nach der Gründung im Jahre 1834 waren reine Sprechtheater. Später folgten Singspiele, dann die Volksoper, bis der Weg schliesslich zur Operette führte. Diesem Genre ist die Theatergesellschaft – mit wenigen Ausnahmen – bis heute treu geblieben. «Rund 200 Personen setzen sich mit grossem Idealismus und viel Begeisterung dafür ein, dass alle drei Jahre eine Produktion auf hohem Niveau realisiert werden kann», erklärt Petra Wey. Bis der Anzug jeweils sitzt, muss jedoch intensiv gearbeitet werden. Bei der grössten Rolle seien es diesmal rund 100 Proben gewesen, so die Vereinspräsidentin. Eine spezielle Herausforderung sei auch immer wieder, über keine Doppelbesetzungen zu verfügen. «Ich habe Respekt davor, aber keine Angst – ansonsten wäre ich am falschen Ort.»

Den dreijährigen Turnus für ihre jeweils 30 Aufführungen hat die Theatergesellschaft bewusst gewählt. «Für einen engeren Rahmen würden wir die Leute gar nicht finden», sagt Petra Wey. Denn während der Operetten-Zeit müssten die involvierten Personen einen grossen Spagat zwischen Beruf, Familie und Proben respektive Aufführungen machen. Und sie hätten stets den Anspruch, eine möglichst gute Produktion auf die Bühne zu bringen. Dass das den Operettenmachern von Entlebuch immer wieder gelingt, zeigt die mittlerweile weit über die Region hinausgehende Ausstrahlung ihrer Werke.

Ideeller Wert der Auszeichnung sehr gross

Und dennoch sind die Aufführungen – auch mit Blick auf den finanziellen Rahmen – keine Selbstläufer. «Wir sind glücklich, von der politischen Gemeinde, von der Korporation und der Kirchgemeinde unterstützt zu werden. Weitere öffentliche Gelder bekommen wir nicht», so Wey. Umso wichtiger sei es, auf Sponsoren zählen zu dürfen. Auch über den monetären «Zustupf» des Kulturpreises ist die Theatergesellschaft froh. Wofür der Verein die 5000 Franken verwenden will, ist im Moment noch offen. Wobei die Präsidentin betont: «Der ideelle Wert der Auszeichnung ist für uns sehr gross.» Und nicht zu unterschätzen sei der volkswirtschaftliche Aspekt einer Produktion für die Gemeinde.

Die Aufführungen laufen noch bis am 9. Dezember. Nach einem etwas durchzogenen Start sei der November und der Dezember sehr gut besetzt, weiss Petra Wey. Daher sagt sie: «Jetzt geht es um die letzten Plätze.»

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Weitere Informationen gibt es unter: www.operette-entlebuch.ch

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