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ENTLEBUCH: In der Biosphäre sorgt nun der eigene Lärm für Ärger

Zuschauer können diesen Sonntag ein spezielles Skirennen am Rothorn in einem Helikopter auch aus der Luft verfolgen. Das irritiert – weil hier oft über Fluglärm gejammert wird.
Blick vom Rothorn auf das Dorf Sörenberg. (Bild: PD / Matthias Nutt)

Blick vom Rothorn auf das Dorf Sörenberg. (Bild: PD / Matthias Nutt)

Diesen Sonntag liefern sich rund 70 Athleten ein alpines Rennen im Entlebuch. Am Down-to-one in Sörenberg gilt es, gleichzeitig mit allen anderen Teilnehmern die Freeride-Piste vom Brienzer Rothorn hinunter ins Tal zu fahren. Wer genügend schnell ist, erwischt die nächste Luftseilbahn und macht sich auf eine weitere Runde. Wer zu lange für die Abfahrt braucht, scheidet aus. Dabei wird die Kadenz der Seilbahn mit jeder Runde erhöht. Am Ende bleibt nur einer übrig – der Sieger.

So weit, so gut. Doch eine Neuerung für das diesjährige Rennen sorgt bereits im Vorfeld für Diskussionsstoff: Die Veranstalter planen rund zehnminütige Helikopterflüge für Zuschauer. Diese sollen mit der Swiss Helicopter AG aus Pfaffnau das Rennen aus der Luft mitverfolgen können. Gleichzeitig soll ein kurzer Rundflug für optimale Aussicht auf das Entlebuch sorgen. Dies vermeldet unlängst der «Entlebucher Anzeiger».

Biosphären-Direktor will keinen Fluglärm

Das neue Angebot passt nicht allen. Der Direktor der Unesco Biosphäre Entlebuch (UBE), Theo Schnider, kritisiert das Vorhaben: «Die Bevölkerung und sehr viele Gäste – vor allem aus Sörenberg – fordern eine Reduktion des Fluglärms und die Biosphäre Entlebuch setzt sich dafür ein. Wenn wir jetzt selber Heliflüge anbieten, setzen wir ein Stück weit die Glaubwürdigkeit der Destination aufs Spiel.» Man dürfe nicht lauthals über Fluglärm jammern und dann, wenn es gerade passe, selbst Helikopterflüge anbieten.

Die ganze Sache wird erst recht interessant, wenn man bedenkt, dass Schnider nebst seinem Amt bei der UBE auch im Verwaltungsrat der Sörenberg Bahnen AG sitzt. Und diese hat bekanntlich das Patronat des Freeride-Anlasses inne. Dabei stellt Schnider keineswegs in Frage, dass das Organisationskomitee hervorragende Arbeit leistet: «Das Rothorn und das beliebte Freeride-Rennen sind auch ohne ein riesiges Rahmenprogramm bereits unverwechselbar. Es braucht dazu keine Helikopterrundflüge.» Dass sich Schnider gegen den Fluglärm wehrt, kann OK-Präsident Martin Vogel verstehen: «Herr Schnider setzt sich für eine fluglärmfreie Destination Entlebuch ein. Da ist es klar, dass ihn der Einsatz eines Helikopters am Freeride-Rennen stört.» Er habe dies auch bereits persönlich mit ihm besprochen.

Mit dem Anstoss einer öffentlichen Diskussion hat Theo Schnider sein persönliches Ziel erreicht: «Ich bin weder Spassbremse, Moralpolizist noch OK-Präsident des Anlasses. Wichtig ist nur, dass man über neue Angebote diskutiert, sich damit auseinandersetzt und etwas daraus lernt.» An diesem Punkt verweist Schnider auf die gute Diskussionskultur in Sörenberg. Man könne hier offen miteinander reden und unterschiedliche Meinungen zulassen.

Preise für Helikopterflüge noch unklar

Martin Vogel hofft dennoch auf viele Besucher, die das neue Angebot nutzen: «Erfahrungsgemäss sind Helikopterflüge an anderen Anlässen – zum Beispiel an Gewerbeausstellungen –sehr beliebt.» Die Kosten für einen Helikopterflug kann Vogel noch nicht beziffern: «Die Planung läuft sehr kurzfristig und wir werden erst diese Woche die genauen Sichtungen mit dem Flugunternehmen durchführen. Danach können wir sagen, wie hoch die Preise sind und was man dafür alles zu sehen bekommt.» Start und Ziel der Flüge werden im Zielgelände sein.

Das Down-to-one ist ein Freeride-Rennen. Die Athleten sind Amateurfahrer und rasen – ausgestattet mit Lawinensuchgerät, Schaufel und Sonde – abseits der markierten Pisten ins Tal hinunter. Die Strecke befindet sich aber im gesicherten Bereich. Gestartet werden kann sowohl mit Skis als auch mit dem Snowboard. «Und selbstverständlich sind Frauen und Männer willkommen – die Männer sind jedoch klar in der Überzahl» so Vogel. Der OK-Präsident plant den Anlass derzeit bereits zum sechsten Mal. Durchgeführt werden konnte er aber nicht immer: Schneeknappheit, Nebel und Wind haben die Veranstalter zwei Mal zur Absage gezwungen. Die aktuellen Wetterprognosen verheissen jedoch gutes Wetter für das Wochenende. Der vierten Austragung inklusive Helikopterflügen scheint somit nichts mehr im Weg zu stehen.

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Das Rennen startet am Sonntag um 10 Uhr bei der Talstation der Brienz-Rothorn-Bahn.

Der Ski-Event «Down to one» findet am Wochenende in Sörenberg statt. Bild von der Austragung 2016. (Bild: PD)

Der Ski-Event «Down to one» findet am Wochenende in Sörenberg statt. Bild von der Austragung 2016. (Bild: PD)

Theo Schnider, Direktor der Biosphäre Entlebuch, übt Kritik. (Bild: PD)

Theo Schnider, Direktor der Biosphäre Entlebuch, übt Kritik. (Bild: PD)

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