ENTLEBUCH: Neue Strasse ärgert Anwohner

Rund zweieinhalb Jahre lang sanierte der Kanton die Hauptstrasse im Dorf. Nach der Fertigstellung zeigt sich nun: Bei starkem Regen fliesst das Wasser zu wenig schnell ab – es kommt zu Schäden.

Matthias Stadler
Drucken
Teilen
Läden wie der Stiltreff haben bei starkem Regen mit grossen Wassermassen zu kämpfen. (Bild: Roger Grütter (Entlebuch, 4. September 2017))

Läden wie der Stiltreff haben bei starkem Regen mit grossen Wassermassen zu kämpfen. (Bild: Roger Grütter (Entlebuch, 4. September 2017))

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch

Zu sagen, sie habe es satt, wäre eine Untertreibung. Alexandra Unternährer ist Geschäftsführerin des Stiltreffs Entlebuch, und sie ist wütend auf den Kanton. Ihr Geschäft steht an der Hauptstrasse in Entlebuch, kurz vor der Kirche, wenn man von Wolhusen her kommt. Seit April 2015 wurde dort die Kantonsstrasse K10 saniert und ausgebaut. Vor zwei Wochen schliesslich wurde das 7,9-Millionen-Projekt eingeweiht.

Nun, da der Verkehr wieder rollt, zeigt sich: Bei starkem Regen fliessen Wassermassen die an einem Hang liegende Strasse hinunter. Auf einem Video, welches Alexandra Unternährer aufnahm, ist zu sehen, wie Wasser aus der Kanalisation auf die Strasse fliesst. Ein Teil des Wassers gelangte einmal gar in ihr Geschäft, erklärt sie. Dies, weil die Kanalisation nicht alles Wasser zu schlucken vermag. «Es wurden wahrscheinlich zu kleine Leitungen verlegt», vermutet sie. Ein weiterer Grund könnte sein, dass der Unterschied zwischen Strasse und Trottoir zu gering ist. Tatsächlich ist der Absatz zirka ein Zentimeter hoch. Kurios: Bei einem Fussgängerstreifen 50 Meter weiter oben beträgt der Absatz mehrere Zentimeter.

«Ich habe die Nase gestrichen voll», sagt sie gegenüber unserer Zeitung. Der Kanton investiere teures Geld, schaffe es aber nicht, vernünftig zu planen. Es könne ja schliesslich nicht sein, dass sie ihr Geschäft jedes Mal, wenn es stark regne, beim Eingang mit Sandsäcken schützen müsse.

Mehrere Geschäfte verzeichnen Schäden

Der Laminatboden im hinteren Teil ihres Ladens wölbt sich seit kurzem, eine Ecke ist feucht. «Ich bin am Anschlag», erklärt Unternährer. Sie habe wegen der Baustelle bereits einen herben Einkommensverlust verzeichnet, und nun dies: «Wenn ich so arbeiten würde wie der Kanton, wäre ich schon längstens bankrott.»

Die Geschäftsfrau ist nicht die Einzige, die seit den Bauarbeiten Probleme hat. Andere Gewerbler an der Strasse erklären, dass sie ebenfalls Schwierigkeiten bei starkem Regenfall hätten. In einem Geschäft fliesse das Wasser in den Keller. Glücklicherweise befinde sich dort ein Abfluss, sagt der Inhaber, der nicht mit Namen genannt werden will. Nichtsdestotrotz habe er seit etwa vier Monaten Feuchtigkeit in den Räumen.

Thomas Reinhard, Projektleiter Kantonsstrassen, war unmittelbar nach dem von Unternährer geschilderten Gewitter vor Ort. Er erklärt, dass das Hochwasser vom oberen Dorfteil bei ausser­ordentlichen Ereignissen auf die Kantonsstrasse fliesse. Diese könne solche Wassermengen unmöglich via Strassenentwässerung geordnet ableiten. Die Einlaufschächte und die Leitungen seien zudem «normgemäss dimensioniert und richtig ausgeführt» worden. «Die Wasseraufnahmekapazität der Strasse ist heute grösser als vor dem Neubau.» Er führt aus, dass sich das Hochwasser infolge der neu erstellten Randsteine, aber auch infolge privater Neu- und Umbauten in den letzten zwei Jahren neue Wege gesucht habe. Deswegen könnten nun Grundstücke betroffen sein, die vorher weniger Probleme hatten. Er weist zudem darauf hin, dass der Randstein vor dem Geschäft nicht habe höher gebaut werden können, da vor und nach dem Haus Einfahrten sind. «Ein höherer Randstein würde einen Wechsel des Trottoir-Gefälles Richtung Eingangstür bewirken, was eine Verschlechterung darstellen würde.» Planungs- oder Ausführungsfehler lägen nicht vor. Nun würde zusammen mit der Gemeinde und den Betroffenen nach Lösungen gesucht.