Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ENTLEBUCH: Spätromanischer Turm mit neuer Treppe

Für rund 1,225 Millionen Franken ist die Pfarrkirche St. Martin saniert worden. Dabei hat man sich für die Fledermäuse etwas Spezielles einfallen lassen.
Susanne Balli
Die Pfarrkirche St. Martin in Entlebuch strahlt dank einer Aussensanierung wieder. (Bild: Manuela Jans (Neue LZ))

Die Pfarrkirche St. Martin in Entlebuch strahlt dank einer Aussensanierung wieder. (Bild: Manuela Jans (Neue LZ))

Die bereits erschienenen Artikel der Serie finden

Sie unter www.luzernerzeitung.ch/kirchen

Susanne Balli

Schlicht und strahlend weiss steht die Pfarrkirche St. Martin erhaben an der Kantonsstrasse und blickt mit der Hauptfassade auf den unteren Dorfteil von Entlebuch hinab. Die Kirche hat eine umfassende Aussensanierung hinter sich. Kostenpunkt: Knapp 1,225 Millionen für die Sanierung der Kirche und der Friedhofmauer. «Das ist ein grosser Betrag für die Kirchgemeinde Entlebuch», sagt Kirchmeier Werner Brun (55), der dieses Amt seit 2002 ausübt. Vor der Sanierung der Pfarrkirche musste die Kirchgemeinde während zirka zehn Jahren ihre Finanzen sanieren. Um das Kässeli nicht erneut zu stark zu belasten, wurde ein Teil der benötigten Mittel auf dem Spendenweg eingeholt. Zudem sind die Kirchenkollekten im Kanton Luzern von Maria Himmelfahrt am 15. August für das Sanierungsprojekt bestimmt.

Der Arbeitsaufwand für die Aussensanierung der Kirche war beachtlich. «Die ganze Aussenfassade wurde gereinigt und gestrichen. Die Sandsteinelemente wurden in mühsamer Handarbeit mit Drahtbürsten geputzt, damit der Sandstein keinen Schaden nimmt», berichtet Werner Brun. Am gesamten Mauerwerk wurden Risse ausgebessert. Die vom Salzwasser der Wintersaison beschädigten Sandsteinbodenplatten vor dem Haupteingang wurden durch Gubersteinplatten aus Stansstad ersetzt.

Brun: «Besonders aufwendig war die Sanierung des Kirchturms.» Das schadhafte Kupferdach musste entfernt werden. «Dabei stellte sich heraus, dass auch das ganze Unterdach eine Holzkonstruktion – neu gemacht werden musste. Es hat durch eindringende Feuchtigkeit über die Jahre stark gelitten», so Brun. Bei dieser Gelegenheit wurde eine neue Treppe mit Zwischenböden und Geländer im Turm gebaut. «Vorher führten fast schon kriminelle Leitern in den Kirchturm. Der Aufstieg war nicht ungefährlich», sagt der Kirchmeier. Besucher wurden darum jeweils nur bis zu den Glocken vorgelassen. In diesem Zusammenhang wurden auch die vier Glocken und die beiden Turmuhren renoviert.

Turm überlebt Kirchenneubauten

Der Turm der Kirche St. Martin hat eine ganz besondere Anziehungskraft, denn es handelt sich um den ältesten Teil des Gotteshauses, welches vor ziemlich genau 235 Jahren, am 20. Juli 1780, eingeweiht wurde. Beträchtlich älter ist der Turm, einziger Bestandteil einer um 1300 erbauten spätromanischen Kirchenanlage. 1595 wurde die mittelalterliche Kirche durch eine neue Kirche ersetzt, der Turm blieb stehen. 1680 wurde an das Langhaus ein neuer Chor gefügt. 13 Jahre später erfolgte die Renovation des Glockenstuhls und eine neue Schindeldeckung des Turms. Erstmals wurde auch eine Uhr erwähnt. 1776 beschloss die Kirchgemeine einen Neubau ihrer Pfarrkirche. Auch hier wurde der spätromanische Turm beibehalten. «Weil die Kirche jedes Mal etwas grösser wurde, besteht heute ein gewisses Missverhältnis zwischen Kirchengebäude und Turmhöhe», erklärt Brun. Baumeister war Niklaus Purtschert, der mehrere Kirchen in der Zentralschweiz gebaut hat, unter anderem die Pfarrkirchen von Ruswil, Reiden und Schüpfheim.

Uhren nicht auf gleicher Höhe

1937 wurde das mehrmals ersetzte Schindeldach durch einen Kupferblechhelm ersetzt. «Eine Besonderheit sind auch die beiden Uhren auf der südlichen und nördlichen Seite, die nicht auf gleicher Höhe angebracht sind», erklärt Brun. So fügt sich die südliche Uhr in eine Aussparung des Kupferdaches, während sich jene auf der gegenüberliegenden Seite weiter unten am Turm befindet. Die Sonnenuhr, welche die Südfassade ziert, wurde bei der Aussenrenovation ebenfalls neu aufgemalt.

Bei der Aussensanierung wurde auch an die Fledermäuse gedacht, die im Estrich der Kirche leben. «Vor der Sanierung fanden sie den Eingang über schadhafte Stellen, die aber geflickt wurden. Darum wurde für die Fledermäuse extra ein Holzfenster mit einer winzigen Öffnung angebracht», sagt Werner Brun. Das Holzfenster wird im Winter, wenn die Fledermäuse schlafen, durch ein Glasfenster ersetzt.

Viel Licht im Innern

Während die Pfarrkirche St. Martin von aussen schlicht und zurückhaltend wirkt, zeigt sie sich im Innern den Besuchern mit einer reichen spätbarocken Ausstattung. Durch die grossen Bogenfester strömt viel Licht ins hallenartige Innere, wo Mittelsäulen gänzlich fehlen. Auffallend sind die zahlreichen Deckengemälde des Horwer Malers Josef Reinhart (17491824), welche die Geburt Christi und die Anbetung durch die Hirten sowie die Auferstehung Christi und das Pfingstwunder zeigen. Über dem Hochaltar thronen die Apostel Peter und Paul.

Hinweis

Quelle: Heinz Horat: Entlebuch, Pfarrkirche und Kapellen. Schweizerische Kunstführer. Basel 1980.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.