ENTLEBUCH: Wirbel um Wasserkraft

Naturschutz-Organisationen und der Luzerner Fischereiverband reichen Beschwerde gegen das Wasserkraftwerk zwischen Flühli und Schüpfheim ein. Bei den CKW sitzt der Schock tief.

Stephan Santschi
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Das Wasser der Waldemme soll künftig für die Stromproduktion verwendet werden.Bild: Manuela Jans-Koch (Flühli, 20. November 2016)

Das Wasser der Waldemme soll künftig für die Stromproduktion verwendet werden.Bild: Manuela Jans-Koch (Flühli, 20. November 2016)

Ein Kleinwasserkraftwerk, das 3800 Haushalte und damit zwei Drittel des Entlebuchs mit Strom versorgt. Diesen Plan verfolgt die Centralschweizerische Kraftwerke AG seit 2008, seit man das Projekt von der Unesco-Biosphäre übernommen hat. Ende Oktober erteilte der Regierungsrat des Kantons Luzern die Konzession, prompt folgten die Baubewilligungen aus den Gemeinden Flühli und Schüpfheim.

Alles klar also für das 32-Millionen-Franken-Projekt? Keineswegs. Heute, am letzten Tag der Auflagefrist, reichen Naturschützer und der Fischereiverband des Kantons Luzern eine Beschwerde gegen den Bau des grössten Wasserkraftwerks im Kanton ein (siehe Kasten). «Der Schock sitzt tief», sagt Esther Denzler, Leiterin des Geschäftsbereichs Energie und Mitglied der CKW-­Geschäftsleitung.

Gegner wehren sich mit gleichen Argumenten

Woran happert es? An der fehlenden Verhältnismässigkeit, sagt die Gegnerschaft. «Was an der Waldemme gemacht werden soll, widerspricht dem gesunden Menschenverstand. Das ist ökonomischer und ökologischer Blödsinn», findet Kurt Eichenberger. Er ist der Geschäftsführer von WWF Luzern und Sprecher des Beschwerdeführers, dem auch WWF Schweiz, Pro Natura, Aqua Viva und der Fischereiverband des Kantons angehören.

Die gleiche Gruppierung reichte schon vor drei Jahren Einsprache gegen das Projekt ein. Die Gründe sind seither die gleichen geblieben. Der wirtschaftlich bescheidene Gewinn würde den Eingriff in die Natur zwischen Flühli und Schüpfheim nicht rechtfertigen, erklärt Eichenberger. «Nur dank eines zusätzlichen Wasserzinsrabatts des Kantons wirft das Werk bei den derzeitigen Strompreisen überhaupt etwas weniges ab. Was hier geschehen soll, ist von Bund und Kanton subventionierter Raubbau an der Natur.» Seine Empfehlung: «Die CKW sollten besser Anteile an bestehenden Schweizer Wasserkraftwerken erstehen. Dies führt zu keinen neuen Umwelteingriffen.»

Da es sich beim geplanten Bau an der Waldemme um ein Ausleitkraftwerk handelt, verliert der Fluss auf dem entsprechenden Abschnitt Wasser. «900 Liter pro Sekunde werden abgezogen. Das schadet insbesondere der Bachforellenpopulation in der Lammschlucht», erklärt Eichenberger. Bei der Dachorganisation WWF Schweiz gilt die Lammschlucht sogar als eines der nationalen Sorgenkinder, dessen Unberührtheit man wahren will. «Die Schweiz ist weltweit jenes Land, das die Wasserkraft im Verhältnis zur Fläche am meisten nutzt. Und das mit Abstand», erklärt Christopher Bonzi, Leiter des Bereichs Wasser beim WWF Schweiz. Zusammenfassend hält er fest: «Irgendwann ist eine Ressource ausgeschöpft. Bei den Gewässern ist das weitgehend der Fall. Wir sollten mindestens die verbleibenden Flussjuwelen schützen.»

CKW: Waldemme mit dem grössten Potenzial

Bei der CKW tut man sich mit der Argumentation der Einsprecher schwer. «Während vier Jahren haben wir immer wieder das Gespräch gesucht und sind bei vielen Anliegen entgegengekommen», sagt Geschäftsleitungsmitglied Denzler. Als Beispiel nennt sie die von Eichenberger angesprochene Restwassermenge in der Waldemme, die man deutlich erhöht habe. Oder die Ersatzmassnahmen zu Gunsten der Fischwanderung. «Wir sprechen hier über eine lange Liste, die in der Umweltverträglichkeitsprüfung enthalten ist.» Angesprochen auf die mangelhafte Wirtschaftlichkeit entgegnet Denzler: «Wir verfolgen nur Projekte, die rentieren. Das Kleinwasserkraftwerk Waldemme ist wirtschaftlich auf die nächsten 80 Jahre ausgelegt.» Kein anderer Standort im Kanton Luzern habe hinsichtlich der Wasserkraft ein grösseres Potenzial als die Waldemme zwischen Flühli und Schüpfheim.

CKW stösst immer wieder auf Widerstand

Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen, als Nächstes beschäftigt sich das Kantonsgericht mit der Sache. Für die CKW ist der Widerstand an der Waldemme aber ein weiterer Dämpfer in der Entwicklung erneuerbarer Energien. Erst Anfang dieses Monats musste man das Windparkprojekt in Kirchleerau/Kulmerau aus unternehmerischen Gründen abbrechen. 2013 scheiterte man mit der Solar-Grossanlage in Inwil. Denzler weist daraufhin, dass Energieproduktion ohne Beeinträchtigung der Natur nicht möglich sei, «irgendwo gibt es die immer». Sie wünschte sich trotzdem etwas mehr Unterstützung, insbesondere vor dem Hintergrund der angestrebten Energiewende: «Einerseits wird für den Ausstieg aus der Kernenergie plädiert. Andererseits werden unsere Projekte immer wieder kompromisslos torpediert.»

Stephan Santschi

Bild: Quelle: Kanton Luzern

Bild: Quelle: Kanton Luzern