Entlebucher Biosphären-Chef hat genug

Der Direktor des Biosphären-Reservates Entlebuch hat genug vom Fluglärm. Letzte Woche ist ihm der Kragen geplatzt. In einem offenen Brief an die Schweizer Armee droht er angesichts der abreisenden Feriengäste mit einer Schadenersatzklage.

Drucken
Teilen
Ein PC-21, mit denen zurzeit die Schweizer Luftwaffe auch über Obwalden trainiert. (Bild: Pilatus Flugzeugwerke)

Ein PC-21, mit denen zurzeit die Schweizer Luftwaffe auch über Obwalden trainiert. (Bild: Pilatus Flugzeugwerke)

Die heulenden Flugzeuge der Armee plagen das Entlebuch schon lange. Im letzten Jahr etwa ärgerte sich der Gemeinderat von Escholzmatt über die Zunahme des Fluglärms an schönen Sommertagen. Er wies seine Bürger explizit (und mit Angabe der entsprechenden Telefonnummer) darauf hin, dass man sich persönlich bei der Flugwaffe beschweren könne.

Auch die Luzerner Regierung intervenierte in Bern. Bis heute ohne hörbaren Erfolg. Letzte Woche war es offenbar besonders schlimm mit den Flügen: «Zuerst über die Schrattenfluh, Marbach und Sörenberg und anschliessend über die Haglern in Sörenberg und die ganze Region», schreibt Theo Schnider, Direktor des Unesco Biosphärenreservates Entlebuch, in einem offenen Brief an die Schweizer Armee.

Abreisende Feriengäste

Der Fluglärm hatte Folgen: Die Reklamationen der Feriengäste seien im Zehnminutentakt eingetroffen, schreibt Schnider. Bereits seien einige Gäste wegen des Fluglärms abgereist. «Der Luftwaffenchef hat keine Ahnung, was er anrichtet.» Angesichts der abreisenden Feriengäste prüfe man deshalb eine Schadenersatzklage.

Wenn man bei der Luftwaffe reklamiere, bekomme man schnell die Antwort, man sei ein Armeegegner, so Schnider. Aber «solchen Schwachsinn» müsse er sich nicht anhören. Er habe unzählige Tage Dienst geleistet.

Schnider räumt ein, dass der Lärm möglicherweise auch durch Testflüge der Pilatus Flugzeugwerke verursacht wird. Dann sollen sie doch, so Schniders Empfehlung, die Testflüge dort durchführen, wo sie das Geschäft mit dem PC 21 machen - oder wenigstens über Nidwalden, wo die Fabrik ihr Domizil hat.

Auch von der Bahn abgehängt

Im Entlebuch fühlt man in sich in diesem Sommer ohnehin schon benachteiligt. Seit Anfang Juli und noch bis zum 19. August erneuert die SBB die Bahnlinie zwischen Wolhusen und Trubschachen.

Auf der Schiene läuft deswegen gar nichts mehr. Die Züge werden durch Busse ersetzt - mit längeren Fahrzeiten. Da viele Touristen sonst mit der Bahn in die Biosphäre anreisen, befürchtet das Entlebuch auch in diesem Fall negative Auswirkungen.

sda