Entlebucher planen Karte mit Mutterkuh-Herden

Ein Luzerner Komitee kämpft für ein Ja zum eidgenössischen Jagdgesetz. Es sei legitim, eine Lenkung des Wolfbestands zu verlangen.

Lukas Nussbaumer
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Mutterkühe – hier auf der Bannalp im Kanton Nidwalden – beschützen ihre Kälber konsequent. So kommt es immer wieder zu Zwischenfällen mit Wanderern und ihren Hunden.

Mutterkühe – hier auf der Bannalp im Kanton Nidwalden – beschützen ihre Kälber konsequent. So kommt es immer wieder zu Zwischenfällen mit Wanderern und ihren Hunden.

Bild: Urs Flüeler/Keystone (29. Juli 2020)

Die Sörenberger Tourismusdirektorin und Jägerin Carolina Rüegg ist sich mit der Bäuerin und künftigen Flühler Gemeindepräsidentin Hella Schnider einig: Für den Tourismus sowie die Alp- und Landwirtschaft im Entlebuch sind Wölfe und Luchse eine Herausforderung. Etwa deshalb, weil es wegen Herdenschutzhunden laut Rüegg vermehrt zu Konflikten mit Wanderern und Bikern kommt. Zunehmend an Bedeutung gewinne zudem die Reaktion von Mutterkühen auf Wanderer mit eigenen Hunden. Sörenberg Flühli Tourismus plane deshalb eine Karte, wo sämtliche Mutterkuhherden im Entlebuch eingezeichnet seien, so Rüegg am Dienstag vor den Medien in Luzern.

Rüegg, Hella Schnider, die auch Vizepräsidentin der Luzerner Bäuerinnen ist, der Udligenswiler FDP-Nationalrat Peter Schilliger sowie Peter Krummenacher, Leiter der Geschäftsstelle Revierjagd Luzern mit 1800 Mitgliedern, präsentierten die Argumente des Luzerner Komitees, das sich bei der Abstimmung vom 27. September für ein Ja zum eidgenössischen Jagdgesetz starkmacht.

Urinstinkt von Bauern, ihre Tiere zu schützen

Neben Konflikten zwischen Schutzhunden und Wanderern kommt es auch immer wieder zu Rissen von Nutztieren. So töteten Wölfe im Kanton Luzern in den letzten elf Jahren 60 Schafe und 8 Ziegen. Die Bauern hätten inzwischen gelernt, mit Grossraubwild zusammenzuleben, sagte Schnider. Dafür nehme man einen Mehraufwand in Kauf: «Es entspricht dem Urinstinkt von Bäuerinnen und Bauern, Tiere möglichst vor Gefahren zu schützen.»

Es sei deshalb «legitim, in Gebieten mit Konflikten eine vernünftige Lenkung der Wolfbestände zu verlangen». Durch das neue Jagdgesetz werde dies gewährleistet.

Jäger müssen treffsicher sein und verletzte Tiere suchen

Auch Peter Krummenacher betonte, der Tierschutz stehe im Vordergrund. Das widerspiegle sich in der Umbenennung der Jagdbanngebiete in Wildtierschutzgebiete. Der Fokus liege klar auf dem Schutz der Wildtiere. Das werde in der Jagdausbildung vermittelt – durch Verschärfungen beim Nachweis der Treffsicherheit und die zwingende Nachsuche verletzter Tiere. Jagdliche Eingriffe gebe es «nur dort, wo die Bestände es erlauben».

Befürchtungen, wonach es zu einem landesweiten Flickenteppich komme, weil die Kantone künftig in Eigenkompetenz Abschüsse anordnen können, hat Krummenacher keine. «Die Verantwortlichen in den Kantonen treffen sich regelmässig. Das Einvernehmen ist gut.»

Mehr Kompetenzen für Kantone «richtig und logisch»

Peter Schilliger war bei der Erarbeitung des Regelwerks als Mitglied der nationalrätlichen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie dabei. Dass die Kantone mehr Kompetenzen erhalten würden, sei «richtig und logisch, da die Städter nicht mit dem Wolf konfrontiert sind und die Berggebiete nicht mit den zunehmenden Fuchs-, Dachs-, Wildschwein- oder Biberbeständen». Auch Schilliger geht nicht von einem Flickenteppich aus: «Die Kantone werden in die Pflicht genommen, die Jagdplanung untereinander zu koordinieren.»

Wie emotional der Abstimmungskampf ist, zeigte sich an der Reaktion Schilligers auf Plakate der Gegner, die Hasen, Luchse und Biber durch ein Zielfernrohr zeigen und auf denen von einem «Abschussgesetz» die Rede ist. «Das ist unlauter. Statt über 250 Arten wie bisher können neu nur noch Wölfe, Steinböcke und Höckerschwäne reduziert werden. ‹Abschussgesetz› trifft wohl eher auf das alte Regelwerk zu», echauffierte sich der frühere Präsident der FDP des Kantons Luzern. Eine Verbesserung sei auch der Passus zu den regulierbaren Tieren: Wer auf die Liste komme, bestimme künftig das Parlament und nicht mehr der Bundesrat in Eigenkompetenz.