ENTLEBUCH/RUSWIL: Die Bundesrätin und der grosse Knall

Von Schlümpfen und Bombenfrisuren: Vor allem die Bundesrätinnen mussten an der Fasnacht dran glauben.

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Die Probleme um den Autobahnanschluss Rothenburg gaben am Umzug Ruswil ein Sujet her. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Die Probleme um den Autobahnanschluss Rothenburg gaben am Umzug Ruswil ein Sujet her. (Bild Philipp Schmidli/Neue LZ)

Von mystisch bis urchig - der gestrige Umzug zum 40-Jahr-Jubiläum der Chräje-Zunft Entlebuch lebte von Gegensätzen. So folgten sich geheimnisvolle Hexen, farbenprächtige Zwerge, Drachen und urtümliche Trychler Schlag auf Schlag. Die heimlichen Stars des Umzugs waren aber klar Micheline Calmy-Reys 1.-August-Auftritt auf dem Rütli und die Abwahl von Christoph Blocher. «Das schwarze Schaf ade, Schlumpfine juhe», freute sich etwa der Jodlerclub Edelweiss Romoos und stellte die neue Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf im Schlumpfkostüm als Hüterin von echten – weissen – Schafen dar.

Gletscherschwund in Ruswil
Die Klimaerwärmung und das Gletscherschwinden waren eines der originell glossierten Themen am gestrigen Umzug der Zieberli-Zunft in Ruswil. Zur Untermalung der Problematik wurde grosszügig eisgekühlter Schnee in die dichten Zuschauerreihen geschaufelt.

Das Publikum bekam mit viel Rauch- und Lärmspektakel vorgeführt, wie «Tempo 30 im Dorf» zu Grabe getragen wurde, und vernahm auch von einem gezielten Eberbiss in die zunftmeisterlichen Waden. Zieberli-Zunftmeister Richard Felber-Lustenberger wird allerdings dem Aggressor spätestens nach dem gelungenen Umzug endgültig verziehen haben.

Wem die dörflichen Sujets nicht genügten, der konnte sich an Eidgenössischem gütlich tun: «Blocher raus und Widmer rein» hiess es zu den Bundesratswahlen, und auch die letztjährige Rütlifeier wurde aufs Korn genommen – insbesondere die «wüsten Frisen der zwei höchsten Schweizerinnen» nach dem grossen Knall.

Mirjam Gastund Hannes Bucher