Entscheid des Gemeinderats
«Wir finden schlicht kein Personal mehr» – Buchrain gibt sein Alterszentrum ganz auf

Der Buchrainer Gemeinderat schliesst das Alterszentrum Tschann in Kürze. Den nötigen Ausbau kann die Gemeinde nicht stemmen. Grund dafür ist nicht nur die finanzielle Lage der Gemeinde.

Roman Hodel
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Die Tage des Buchrainer Alterszentrums Tschann sind gezählt – es wird geschlossen. «Schweren Herzens», wie Gemeindepräsident Ivo Egger (SP) am Donnerstagvormittag vor den Medien sagte. Zusammen mit Sozialvorsteher Stephan Betschen (FDP) verkündete er die Hiobsbotschaft für die 16 Bewohnerinnen und Bewohner sowie die rund 30 Mitarbeitenden, davon gut die Hälfte in der Pflege. Alle Betroffenen seien vorgängig informiert worden. Die Reaktionen schwankten laut Betschen zwischen Bestürzung und «das haben wir schon länger erwartet».

Sozialvorsteher Stephan Betschen und Gemeindepräsident Ivo Egger vor dem Alterszentrum Tschann.

Sozialvorsteher Stephan Betschen und Gemeindepräsident Ivo Egger vor dem Alterszentrum Tschann.

Bild: Pius Amrein (Buchrain, 18. November 2021)

Tatsächlich kommt der Entscheid nicht ganz überraschend: Seit Längerem war klar, dass das Zentrum in seiner heutigen Form nicht mehr lange weitergeführt werden kann – es ist zu klein, die kritische Grösse fehlt. Darum wollte der Gemeinderat das Alterszentrum, das 2007 eigentlich bloss als Pflegewohngruppe mit 16 Plätzen in Betrieb genommen worden war, erweitern – ursprünglich auf 80 Plätze. Und hierbei insbesondere die Infrastruktur pflegezentrumstauglich erweitern.

Ursprüngliche Ausbaupläne waren viel zu teuer

Nur: 2015 sistierte er das auf 30 Millionen Franken veranschlagte Projekt ein erstes Mal mit Blick auf die finanziell angespannte Lage der Gemeinde. Nach Opposition aus der Bevölkerung nahm er die Planung wieder auf, um sie 2018 ein zweites Mal zu sistieren – die prognostizierten Kosten waren mittlerweile auf 42 Millionen Franken gestiegen. Von Bedeutung war überdies, dass der Bettenbedarf sinkt, weil ältere Menschen dank Spitex länger im eigenen Haushalt bleiben. Nun also sollte es eine abgespeckte Version richten. Doch selbst ein Ausbau um nur 8 bis 12 Plätze hätte laut einer Studie noch über fünf Millionen Franken gekostet, wie die beiden Gemeinderäte am Donnerstag erläuterten. «Vor allem hätten wir den Ausbau und die Sanierung bei laufendem Betrieb nicht stemmen können.»

Das Alterszentrum Tschann wurde 2007 eröffnet – es belegt die unteren zwei Etagen dieses Gebäudes.

Das Alterszentrum Tschann wurde 2007 eröffnet – es belegt die unteren zwei Etagen dieses Gebäudes.

Archivbild: LZ

Denn, und das hörte man zum ersten Mal in dieser Deutlichkeit – das Alterszentrum Tschann hat noch ein ganz anderes Problem: Personalknappheit. «Wir finden schlicht keine Mitarbeitenden mehr», sagte Betschen. Dies sei schon seit Jahren schwierig und habe sich in den letzten Monaten verschärft. «Wir haben Ausfälle aufgrund von Kündigungen, Unfall, Krankheit und Corona und können die Vakanzen nur mit Temporärkräften kurzfristig besetzen», sagte er. In der Pflege sind zurzeit 370 Stellenprozent unbesetzt.

Unter den Kündigungen ist jene des Zentrumsleiters letzten Sommer nach nicht einmal zwei Jahren. Grund: «Eine neue berufliche Herausforderung», so Betschen. Die aktuelle Zentrumsleiterin sei bereits die vierte Leitungsperson in rund sechs Jahren. Zwar finden auch andere Alters- und Pflegeheime nicht problemlos neue Mitarbeitende, doch in Buchrain ist es ausgeprägt. Als Gründe nannte er die Grösse:

«Wir sind etwa bei den Dienstplänen weniger flexibel, können weniger Aufstiegschancen bieten und bei den Löhnen nicht mithalten.»

Das Wohl und die Sicherheit der Bewohnenden seien «dank ausserordentlichem Einsatz» der Mitarbeitenden aktuell gewährleistet, betonte Betschen. Eine Betriebsanalyse eines externen Beraters habe aber ergeben, dass dies nur noch für beschränkte Zeit der Fall sein werde. Ausserdem sei die Ausbildung der Lernenden nicht mehr sichergestellt, weil die notwendigen Fachpersonen dafür fehlten. Diese angespannte Lage beim Personal und die finanziellen Aspekte seien letztlich «gleichwertig» ausschlaggebend für den Schliessungsentscheid gewesen, so Betschen. Wobei er betonte, dass das Alterszentrum selber finanziell gut dastehe.

Aktuell wohnen 34 Pflegebedürftige aus Buchrain bereits auswärts

Bereits ab Montag beginnt die Suche nach Anschlusslösungen für die Bewohnenden und Mitarbeitenden. «Erst wenn alle Bewohnerinnen und Bewohner ein neues Zuhause haben, werden wir das Zentrum schliessen», sagte Betschen. In Frage kommen primär umliegende Pflegezentren in Root, Ebikon, Eschenbach und Adligenswil. Erste Kontakte hätten stattgefunden. Schon heute wohnen 34 Pflegebedürftige aus Buchrain auswärts. Dass etwa Adligenswil nicht ausgelastet ist, sei für den Schliessungsentscheid nicht entscheidend gewesen, so Betschen:

«Aber natürlich hatten wir das im Hinterkopf.»

Für den Gemeinderat ist das Ende des Alterszentrums Tschann bitter. «Buchrain will für seine Bewohnerinnen und Bewohner in allen Lebensphasen ein attraktiver Wohnort sein», sagte Egger. Diesem Anspruch wird die Gemeinde bald nicht mehr gerecht werden können. Aber: Punkto Wohnen und Betreuung im Alter verspricht er eine umfassende Neuausrichtung. Eine spezialisierte Beratungsfirma soll zusammen mit der Gemeinde eine Strategie erarbeiten. Auch eine Kommission setzt der Gemeinderat ein. Zu klären sein wird dabei, was wo möglich sein könnte. Und: Was passiert mit den Räumen des Alterszentrums? Dabei spielt das laufende Generationenprojekt, also die Neugestaltung des Dorfzentrums, eine wichtige Rolle.

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