ENTSORGUNG: Neues Regime stösst auf Kritik

Die neuen Vorschriften für die Entsorgung von Grüngut, Karton oder Papier geraten unter Beschuss. Dies sei nicht gerechtfertigt, wehrt sich Real.

Olivia Steiner
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Neu muss Karton in der Stadt gebündelt werden, in einer Schachtel wird er nicht mehr mitgenommen. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Neu muss Karton in der Stadt gebündelt werden, in einer Schachtel wird er nicht mehr mitgenommen. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

«Eigentlich sollte Real für die Einwohner da sein und nicht umgekehrt.» Dies sagt Daniel Wettstein, FDP-Präsident der Stadt Luzern und Grossstadtrat. Er drückt damit aus, was – wie zahlreiche unserer Zeitung zugestellte Leserbriefe zeigen – viele Bürger beschäftigt: Die neuen Entsorgungsvorschriften des Gemeindeverbands Real (Recycling Energie Abwasser Luzern) erscheinen vielen Leuten als wenig sinnvoll und zu aufwendig. So schreibt uns etwa ein Leser: «Was jetzt betreffend Vorschriften abläuft, grenzt an eine Frechheit.»

WC-Rollen landen im Abfall

Ein Beispiel: Karton muss neu gebündelt werden. In Schachteln oder Tragtaschen darf er nicht bereitgestellt werden – für die Stadt Luzern ein Novum. «Kleine Kartonstücke wie WC-Rollen oder Zahnpastaschachteln lassen sich kaum bündeln. Oder soll ich die WC-Rölleli auffädeln? Nun muss ich kleine Stücke wieder im normalen Hausmüll entsorgen. Das kann es doch nicht sein», ärgert sich Daniel Wettstein. «Eine wenig praktikable Schreibtischtat.» Nicht zu vergessen: So entsteht mehr Abfall, was auch die Kosten für den Bürger in die Höhe treibt.

Die neuen Regelungen (siehe Kasten) gelten seit Anfang Jahr, als Real fast die gesamte Entsorgung von Abfall, Papier, Karton und Grünabfällen in 21 Luzerner Agglomerations- und Seegemeinden sowie den Betrieb der Stoffsammelstellen übernommen hat.

Real-Direktor Martin Zumstein sagt zu den Vorwürfen: «Generell ist die Akzeptanz hoch. Ich kann aber verstehen, dass sich einige Leute mit der Umstellung schwertun – das ist menschlich. Doch die Vorschriften sind keine Schikane, sondern haben ihren Grund, weshalb wir auch daran festhalten.» Im Falle von Karton gehe es vor allem darum, unerlaubtes Entsorgen von Güsel zu verhindern. «Es gibt Leute, die Styropor, Plastik oder gar Windeln in eine Schachtel legen und mit Karton zudecken. Das führt zu Problemen in der Verwertung und reduziert die Kartonqualität und damit den Verkaufspreis erheblich.» Zudem könnten nasse Kartonschachteln beim Einladen reissen. «Wenn unsere Mitarbeiter dann alles einzeln zusammenlesen müssen, ist dies sehr mühsam und aufwendig», so Zum­stein. Landen nun kleine Kartonstücke im Abfall, da der Karton also gebündelt werden muss? Zumstein: «Nein, dafür gibt es eine einfache Lösung. Man kann einen grossen Karton einmal falten und die kleinen Dinge wie zwischen zwei Buchdeckeln dazwischen einklemmen.»

Illegal entsorgter Abfall sowie zerrissene Papiertaschen seien auch der Ausschlag dafür, dass Altpapier nur noch gebündelt oder im Container bereitgestellt werden darf. Zusätzlich seien viele Papiertaschen beschichtet und gehörten deshalb eigentlich in den Abfall.

Für Ärger sorgen auch die Änderungen beim Grünabfall, weil die kleinen grünen Plastikkübeli, abgesehen von einigen Ausnahmen in der Stadt Luzern, nicht mehr geleert werden. Zumstein: «Wenn jeder Kübel einzeln geholt, geleert und zurückgestellt werden muss, ist dies gesamthaft gesehen ein grosser Aufwand, der die Sammeltouren verlängert und verteuert.» Zudem würden auch in grünen Kübeln immer wieder Speiseabfälle entsorgt. Real habe auch viele Anfragen erhalten, weil die schwarzen oder grünen Laubsäcke nicht mehr benutzt werden dürfen. «Dies liegt primär daran, dass die Säcke oft zu schwer und für die Belader zum Gesundheitsrisiko werden können», so Zumstein.

Anpassungen in den Ökihöfen

Verärgert waren auch einige Besucher von Ökihöfen. Anfangs führte Real nämlich die Regel ein, dass das Entsorgen von Abfall mindestens drei Franken kostet. Wer nun also einen Plastiksack abgeben wollte, den er zum Entsorgen von Kaffeekapseln dabeihatte, wurde zur Kasse gebeten. «Wir wollten eine einfache Grundregel», erklärt Zumstein. Inzwischen habe man die Mitarbeiter aber dahingehend instruiert, bei Kleinstmengen Kulanz walten zu lassen.

Hinweis

Weitere Infos unter www.real-luzern.ch oder Gratis-Abfalltelefon: 0800 22 32 55.