ENTWICKLUNG: Zürcher planen Luzern Süd neu

Wie soll das Gebiet um die Allmend in 20 Jahren aussehen? Das Zürcher Siegerprojekt, das aus einem Wettbewerb hervorging, gibt spannende Antworten.

Luca Wolf
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Matthias Senn, Manuela Jost, Pius Zängerle und Manuela Bernasconi (von links) gestern vor dem Modell des Wettbewerbssiegers, das zurzeit im Technikum Horw ausgestellt ist. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Matthias Senn, Manuela Jost, Pius Zängerle und Manuela Bernasconi (von links) gestern vor dem Modell des Wettbewerbssiegers, das zurzeit im Technikum Horw ausgestellt ist. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Ein halbes Dutzend neuer Hochhäuser, mehrere komplett neue dichte Stadtquartiere mit Tausenden Wohnungen und Arbeitsplätzen: So könnte Luzern Süd in 20 bis 30 Jahren aussehen. Als Luzern Süd wird das Gebiet zwischen der Brauerei Eichhof und der Horwer Seebucht bezeichnet. In diesem Perimeter wird ein riesiger Wachstumsschub erwartet, viele der grossen Brachen sollen überbaut werden. Um eine gemeindeübergreifende, koordinierte Entwicklung dieses Gebiets einzuleiten, wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Gestern hat der regionale Entwicklungsträger Luzern Plus unter der Leitung von Pius Zängerle das Gewinnerteam und dessen Projekt vorgestellt.

Bis 15 000 Wohn- und Arbeitsplätze

Als Sieger ging das Team um den Zürcher Architekten Ernst Niklaus Fausch hervor. «Seine Studie besticht mit Vorschlägen zu den zentralen Themen Freiraum, Verkehr, Bebauung, verbunden mit einer realistischen Umsetzungsstrategie», sagt Thomas Glatthard, Gebietsmanager Luzern Süd. In den nächsten Monaten wird auf Grundlage des Siegerprojekts ein Gesamtkonzept erarbeitet. Dieses wird als Vorgabe für die Bebauungs- und Gestaltungspläne der involvierten Gemeinden Kriens, Horw und der Stadt Luzern dienen.

In Kriens, auf dessen Boden der grösste Teil der Entwicklung stattfinden wird, ist man bereit. So wurde extra in der laufenden Ortsplanungsrevision ein neuer Artikel eingeführt. Demnach können neu etwa im Nidfeld/Mattenhofareal, das sich komplett vom düsteren Gewerbegebiet in ein attraktives Stadtquartier wandeln soll, Hunderte Wohnungen erstellt werden – falls ein Bebauungsplan vorliegt. Die Horwer Bauchefin Manuela Bernasconi lobt einen anderen Aspekt der Studie: «Der Bezug von Horw zu Luzern Süd wird verstärkt durch die geplante Einbindung des Pilatusmarktes, das Wiederbeleben der alten Dorfachse Horw–Kriens und die Fokussierung auf den Mattenhof als neues Subzentrum.» In Horw steht mit «Horw Mitte» ein Megabauprojekt vor dem Startschuss. Und die städtische Baudirektorin Manuela Jost fügt hinzu: «Nun liegt eine Grundlage vor, welche für alle beteiligten Gemeinden die Basis bildet, damit sich der eng zusammenhängende Wirtschafts-, Bildungs-, Wohn- und Erholungsraum Luzern Süd abgestimmt entwickeln kann.» Laut Pius Zängerle können dank der Studie die Zersiedelung gebremst und verdichtetes Wachstum nach innen gefördert werden. Insgesamt entstehen in Luzern Süd in den nächsten 10 bis 20 Jahren bis zu 15 000 Wohn- und Arbeitsplätze.

Hochhäuser an Horwer Seebucht

Die Studie wird jedoch kaum eins zu eins umgesetzt. Einige Vorschläge werden anregende Visionen bleiben. Oder dann sicher jahrzehntelang auf sich warten lassen. Etwa zwei neue Hochhäuser mit S-Bahn-Haltestelle an der Horwer Seebucht. Oder ein Hochhaus in der Stadt beim Eichwald. Oder eine «Südallee»: eine verbreiterte, von Bäumen gesäumte Nidfeldstrasse, die bis nach Horw an die Seebucht verlängert wird und Autos, den ÖV und Langsamverkehr aufnimmt. Oder Sportanlagen auf dem und rund um den Salesiapark bei der Autobahn. Auch kleine Seelein auf der Allmend haben derzeit kaum Priorität. Ebenso überraschend, aber realistischer sind andere Vorschläge des Siegerteams. So sind zwei Hochhäuser entlang der Arsenalstrasse laut Senn vorstellbar. Stellvertretend für alle drei Gemeinde-Bauchefs sagt Senn: «Hier bietet sich uns eine einmalige Chance, und die wollen wir nutzen.»

Hinweis

Die Resultate des Studienauftrags «Luzern Süd Eichhof-Schlund 2012» sind bis 15. März im Foyer Mensa der Hochschule – Technik & Architektur in Horw ausgestellt, von 8–22 Uhr (Mo–Fr) und 8–17 Uhr (Sa). Alle Infos unter www.luzernplus.ch