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ENTWICKLUNGSHILFE: Luzerner Lehrer setzt sich für Tamilen ein

Ein Lehrer der Berufsschule Heimbach bildet in Sri Lanka Berufsleute aus. Dabei helfen ihm auch Luzerner Lehrlinge.
Dominik Weingartner
Tamilische Schneiderinnen erlernen ihr Handwerk im Rahmen eines früheren Projekts der Stiftung Tamils Aid. (Bilder Corinne Glanzmann/PD)

Tamilische Schneiderinnen erlernen ihr Handwerk im Rahmen eines früheren Projekts der Stiftung Tamils Aid. (Bilder Corinne Glanzmann/PD)

Bald ist es so weit: Adrian Wirz packt einmal mehr seine Koffer und fliegt am 29. Juli nach Sri Lanka. Dort will er ein Jahr lang ein neues Projekt der Stiftung Tamils Aid (STA) leiten, bei der er als ehrenamtlicher Stiftungsrat wirkt. Für dieses Projekt nimmt der 38-jährige Lehrer für Allgemeinbildung und Sport an der Berufsschule Heimbach in Luzern ein Jahr unbezahlten Urlaub. Die STA ist seit zehn Jahren in Sri Lanka aktiv und betreut dort unter anderem Kinder-, Betagten- und Behindertenheime.

Der Luzerner Adrian Wirz. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Der Luzerner Adrian Wirz. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Wirz weilte 2004 erstmals für die STA in Sri Lanka. Damals verwüstete der verheerende Tsunami im Indischen Ozean den Süden und den Osten des 65 000 Quadratkilometer grossen Inselstaates und forderte mehr als 30'000 Menschenleben. Wirz half damals, provisorische Häuser für die obdachlos gewordene Bevölkerung zu bauen.

Im Osten boomt der Tourismus

Zwischen 1983 und 2009 wütete in Sri Lanka ein Bürgerkrieg zwischen der Minderheit der Tamilen und der singhalesisch geprägten Regierung. Die Tamil Tigers, die für einen von den Singhalesen unabhängigen Staat kämpften, besetzten weite Teile des Nordens und des Ostens der Insel. «Die besetzten Gebiete waren während des Krieges nicht oder nur schwer zugänglich», sagt Adrian Wirz. Genau dort sei die Armut heute am drängendsten, fügt er hinzu.

Um den Menschen in diesen Gebieten eine Perspektive aufzuzeigen, konzen­triert sich das neuste Projekt der STA auf die Berufsbildung. «Im Osten des Landes ist ein regelrechter Tourismus-Boom ausgebrochen», sagt Wirz. Doch obwohl die Tamilen, die etwa 11,2 Prozent der Gesamtbevölkerung von Sri Lanka bilden (Singhalesen: 74,9 Prozent), in weiten Teilen des Ostens die ethnische Mehrheit sind, arbeiten fast keine Tamilen in den neuen Luxushotels. «Fragt man die Hotelmanager nach den Gründen, sagen sie, die Tamilen seien zu schlecht ausgebildet. Viele sprechen kein Englisch», sagt Wirz. In den unterschiedlichen Bildungs- und damit auch Lebensstandards zwischen Tamilen und Singhalesen sieht der gebürtige Luzerner ein grosses Konfliktpotenzial: «Die Wohlstandsschere zwischen den beiden Ethnien geht immer weiter auf.»

Fünf verschiedene Berufe

Das Bildungssystem in Sri Lanka gleiche jenem in den USA, erklärt Wirz. Man gehe neun oder zwölf Jahre in die Grundschule und besuche anschliessend ein College, das entweder berufsbezogen oder akademisch ausgerichtet sei. Ihm ist wichtig: «Wir wollen in Sri Lanka nicht das schweizerische duale Bildungssystem einführen. Vielmehr wollen wir etwas kreieren, das sich ins bisherige System einfügt und das später vielleicht von den staatlichen Behörden übernommen werden kann, sodass es unser Projekt gar nicht mehr braucht.»

Das Projekt beinhaltet Ausbildungen für die Berufe Elektroinstallateur, Sanitärinstallateur, Koch, Schneiderin und Touristenführer. Die Berufe wurden nicht zufällig ausgewählt: «Wir analysierten genau, nach welchen Berufen es in der jeweiligen Region eine grosse Nachfrage gibt», erläutert Wirz.

Die Ausbildungen werden an vier Standorten angeboten. Drei davon sind im aufblühenden Osten des Landes, eine im Norden in der Stadt Kilinochchi. Die Stadt war einst die Hochburg der Tamil-Tigers-Rebellen. «In Kilinochchi haben wir festgestellt, dass die elektrische Infrastruktur dürftig ist», sagt Wirz. Aus diesem Grund findet dort auch die Ausbildung der Elektroinstallateure statt.

Schüler aus Luzern helfen mit

Es sind auch fünf Elektroinstallateure im vierten Lehrjahr aus seiner Luzerner Klasse, die zusammen mit zwei weiteren Berufsschullehrern aus Luzern im Oktober für zwei Wochen nach Sri Lanka reisen und sich im Rahmen des Projektes mit ihren angehenden sri-lankischen Berufskollegen austauschen werden. Bei den Luzerner Schülern handelt sich um eine sogenannte BiLi-Klasse. Bei dieser Schulform wird ein Drittel des Unterrichts in englischer Sprache erteilt. «Für die Schüler ist die Mitarbeit an einem solchen Projekt sicher eine prägende und lehrreiche Erfahrung», meint Adrian Wirz. Die Schüler werden im kommenden Jahr ihre Lehrabschlussarbeit über das Projekt schreiben.

Staatlich anerkannter Abschluss

Am Ende der mehrmonatigen Ausbildung werden die Absolventen einen staatlich anerkannten Berufsabschluss in der Tasche haben. «Die offizielle Anerkennung ist mir sehr wichtig», sagt Wirz. Nur so sei sichergestellt, dass die Ausbildung eine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände mit sich bringt. Um die staatliche Anerkennung zu erreichen, muss die STA gewährleisten, dass die offiziellen Lehrpläne von Sri Lanka eingehalten werden.

Die Kosten für die Ausbildungslehrgänge in den fünf Berufen belaufen sich während dreier Jahre auf 91 330 Franken. Finanziert wird das Projekt von privaten Spendern aus der Schweiz. Die Finanzierung ist laut Wirz noch nicht komplett abgeschlossen, aber «auf gutem Weg».

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