Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Sogar eine eigene Garderobe haben die Kinder in ihrem Wald in Meggen. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 24. September 2018)

Sogar eine eigene Garderobe haben die Kinder in ihrem Wald in Meggen. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 24. September 2018)

Hier wird der Wald zum Schulzimmer

Egal, ob bei Regen, Sonne oder Schnee: In den Wald- und Naturkindergärten findet der Unterricht grösstenteils draussen statt. Wir haben zwei Klassen in Rothenburg und Meggen besucht.
Chiara Zgraggen

Sie schwingen den Hammer, zerkleinern Holz mit einer Säge und machen ein Feuer. Nein, die Geschichte spielt nicht etwa im Pfadi-Lager, sondern in einem «Kombi-Kindergarten» in Rothenburg. In diesem unterrichtet der Kindergärtner Thomas Herzig die Knaben und Mädchen während dreier Halbtage pro Woche im nahe gelegenen Wald. In den Wintermonaten wird dies noch an zwei Halbtagen der Woche der Fall sein. Kombikindergarten bedeutet, dass die Kindergärtler einen Teil ihrer Unterrichtszeit im Wald verbringen. Die restliche Zeit findet der Unterricht in einem konventionellen Kindergarten statt. Dennoch muss der Lehrplan 21 wie in einem normalen Kindergarten ebenfalls eingehalten werden. An der Volksschule Rothenburg ist dieser Kindergarten ein Novum: Erst vor gut einem Monat ist das Projekt gestartet.

Um zu ihrem Kindergarten zu gelangen, nehmen die Kinder täglich einen steinigen Weg unter ihre Füsse. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)

Um zu ihrem Kindergarten zu gelangen, nehmen die Kinder täglich einen steinigen Weg unter ihre Füsse. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)

«Alle Kinder laufen los», mit diesem Gesang startet der Morgen der 21 Kinderggärtler beim Kindergarten Gerbematt. Dann geht’s los: Die Kinder schnappen ihren Rucksack und machen sich mit Thomas Herzig, der Assistentin Nicole Budmiger und IF-Lehrerin Marion Berg auf den Weg in den Wald. Zuerst an der Strassenlampe vorbei, dann über Stock und Stein. Die Strecken dürfen sich die Kinder an einer Stelle selber aussuchen: Entweder sie nehmen den «Eichhörnchen-Weg» oder den gewöhnlichen. «Dort muss man klettern», erzählt ein Knabe aufgeregt und rennt los. Seine Kameraden tun es ihm gleich, kraxeln durchs Gebüsch an Baumwurzeln hoch und zurück auf den gewöhnlichen Wanderweg. «Es ist gut, wenn die Kinder selbst entscheiden können, welchen Weg sie gehen möchten», erklärt Kindergärtner Herzig.

«Es ist gut, wenn die Kinder selbst entscheiden können, welchen Weg sie gehen möchten»

Thomas Herzig (35), Kindergärtner

Die Kleinen lernen schon früh, ein Feuer zu machen. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)

Die Kleinen lernen schon früh, ein Feuer zu machen. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)

Kleinere Verletzungen gehören dazu

Fünfjährige Kinder, die mit Werkzeug und Feuer hantieren – dass die Sicherheit der Kinder hier oberste Priorität darstellt, ist klar. «Selbstverständlich unterrichten wir die Kinder über die Gefahren des Waldes. Aber wenn sich ein Kind mal am Finger schneidet, wird dieses im Umgang mit den Werkzeugen aufmerksamer», so Herzig. Er erzählt weiter, dass sich ein Kind in seiner Obhut kürzlich das Handgelenk gebrochen hat. «Das ist aber auf dem Spielplatz des regulären Kindergartens geschehen, nicht hier im Wald.» Auch über Pilze scheinen die Kinder bestens Bescheid zu wissen – mehr als einmal ermahnen die Kinder, ja keine Pilze zu essen. «Die sind giftig, wäisch!» Doch wo sind die Kinder bei Gewitter? «Bei ganz schlechter Witterung steht uns ein Planwagen und ein Tipi zur Verfügung», sagt Thomas Herzig. Der Planwagen bietet den Kindern und Lehrern nicht nur einen trockenen Raum, sondern auch eine Toilette sowie «Forschungsmaterial». Will heissen: Bücher über Pilze oder Anschauungsmaterialien in Form von Schnecken oder ähnlichem.

Nicht nur Cervalats laden bei den Rothenburger Kinder auf dem Feuer. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)

Nicht nur Cervalats laden bei den Rothenburger Kinder auf dem Feuer. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)

An gewissen Tagen ist es den Kindern erlaubt, unter Thomas Herzigs Aufsicht ein Lagerfeuer zu machen. So auch heute. Die geübten Kinderhände benötigen hierzu knappe fünf Minuten. Rasch ist eine Cervelat aus dem Rucksack gepackt und mit einem Stecken zum Feuer hingehalten. Die Kindergärtler sind experimentierfreudig. So möchte einer der Knaben von Herzig erfahren, ob er denn auch sein «Blevita» ans Feuer halten dürfe. Er darf. Beim Begriff Waldkindergarten dürfte wohl manch einer ein klischiertes Bild mit «Öko-Eltern» verinnerlicht haben. Darauf angesprochen, widerspricht Thomas Herzig: «Die Berufe und Einstellungen der Eltern sind durchmischt. Von der alleinerziehenden Business-Mutter zum Landwirts-Vater ist alles dabei.»

In diesem Wagen finden die Kinder Anschauungsmaterial, eine Toilette sowie Unterschlupf bei garstigem Wetter (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)

In diesem Wagen finden die Kinder Anschauungsmaterial, eine Toilette sowie Unterschlupf bei garstigem Wetter (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)

In Meggen weht ein anderer Wind

Die Ausgangslage in Meggen ist eine andere. Nicht nur, weil die kalte Bise am Tag unseres Besuches im Spätsommer den Herbst ankündigt. Sondern auch, da der Unterricht im Waldkindergarten Meggen die gesamte Zeit über im Freien stattfindet. Die Ausnahme bildet lediglich der 14-tägliche Schwimmunterricht. «Die Kinder schätzen sehr, dass sie einen fixen Kindergarten haben und nicht an mehreren Orten unterrichtet werden», erklärt Remo Ehrenbolger, Schulleiter und Kindergärtner in Meggen. Nur bei Sturmwarnungen stehen dem Naturkindergarten Räumlichkeiten der Schulanlage Hofmatt zur Verfügung.

Bereits auf dem Weg in den Waldkindergarten werden die Kinder sanft an das Thema Herbst eingeführt. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 24. September 2018)

Bereits auf dem Weg in den Waldkindergarten werden die Kinder sanft an das Thema Herbst eingeführt. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 24. September 2018)

Der Weg zum Waldkindergarten führt die Klasse vom Kinderspielplatz Tschädigen über einen längeren Weg zum Waldrand. «Sammelt drei Gegenstände ein, die gerade vom Wind verweht werden», gibt die Kindergartenlehrperson Claudia Schluth zur Aufgabe. Sogleich rennen die 20 Kinder los – trotz anfänglicher Müdigkeit. Die Suche nach geeigneten Gegenständen führt sie an Bäumen und Pfützen vorbei. Dabei staunen die Kinder über die Regenwürmer auf dem Weg und die Kastanien, die sich noch in ihrem stacheligen Kleid befinden. Den Kindern scheint kaum aufzufallen, dass sie soeben einen anstrengenden Weg hinter sich legen. Zu gross scheint die Freude über den Tag im Waldkindergarten.

«Ob die Lernziele drinnen oder im Wald erarbeitet werden, ist unwichtig.»

Remo Ehrenbolger, Schulleiter und Kindergärtner

Wie in einem konventionellen Kindergarten gibt es auch im Waldkindergarten Meggen eine Garderobe für die Knaben und Mädchen. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 24. September 2018)

Wie in einem konventionellen Kindergarten gibt es auch im Waldkindergarten Meggen eine Garderobe für die Knaben und Mädchen. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 24. September 2018)

Solche Erfahrungen sind für den Lernprozess der Kleinen wichtig. Denn der Lehrplan 21 schreibt beispielsweise vor dass die Kinder einen unebenen Weg bestreiten können sollten. «So balancieren Kinder im Naturkindergarten über umgefallene Bäume, anstelle über umgedrehte Langbänke in der Turnhalle», sagt Remo Ehrenbolger. «Der Lehrplan 21 passt perfekt zu unserem Konzept des Waldkindergartens.» Wie in einem Innenkindergarten nehme das freie Spiel einen wichtigen Teil des Kindergartenalltags ein. Die Wolken verziehen sich, der Wind ruht, die Kinder geniessen ihr Znüni. «Sie, Frau Schluth, die Sonne kommt», freut sich ein Knabe. Der Kindergärtler freut sich, die Tiere im Wald begrüssen zu dürfen. Er muss sich aber noch gedulden – noch ist die Pause nicht vorüber.

Der Waldkindergarten Meggen unterhält einen Instagram-Account mit aktuellen Bildern. Dieser kann unter naturchendsgi_meggen abgerufen werden.

Nachdem sich die Kleinen beim Kindergarten in Rothenburg begrüssen, nehmen sie den Weg zum Wald unter ihre Füsse. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)
Der Weg führt die Kindergärtler zuerst über die Strasse, dann an Wiesen entlang bis zum Waldrand. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)
Hier können sich die Kinder entscheiden, ob sie den steinigen, steilen Weg oder den gewöhnlichen Wanderweg nehmen möchten. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)
Unterwegs ist es wichtig, immer wieder zusammenzukommen und die Kinder durchzuzählen. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)
Kaum angekommen, beginnen die Kinder zu werkeln und...
... sich ein Feuer zu machen. Zu Beginn will das noch nicht recht klappen. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)
Zum Glück ist Kindergärtner Thomas Herzig (35) zur Stelle und hilft seinen Kindergärtlern. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)
Die Kinder sind begeistert von ihrem Feuer. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)
Die Freude über das (selbst-)gemachte Feuer ist gross. Nun können Würste oder andere Esswaren heiss gemacht werden. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)
In Rothenburg gibt es Würste und warmes Brot zum Znüni. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)
Auch wenn nicht alle Kinder Würste essen, gehen sie nicht leer aus. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)
Im Hintergrund ist der Wagen des Kindergartens zu sehen. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)
In diesem befindet sich Anschauungsmaterial, aber auch eine Toilette. Der Kindergarten findet bei garstigem Wetter hier Unterschlupf. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)
Statt mit Kinderspielzeug beschäftigt sich dieser Kindergärtler lieber mit der Erde. (Bild: Pius Amrein, Rothenburg, 19. September 2018)
Auch in Meggen machen sich die Kindergärtler mit ihren Lehrpersonen auf den Weg zum Wald. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 24. September 2018)
Das Wetter in Meggen meint es heute mit den Kindern nicht gut. Dafür gibt es für sie die Möglichkeit, Kulturen in Pfützen anzuschauen. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 24. September 2018)
Unterwegs spielen die Kinder mit gefundenen Naturgegenständen «Schäri, Stei, Papier, Natur». (Bild: Pius Amrein, Meggen, 24. September 2018)
Im Hintergrund erblicken die Knaben und Mädchen «ihr» Tipi. In diesem können sie sich bei Kälte aufwärmen. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 24. September 2018)
Wie in einem konventionellen Kindergarten müssen die Jacken und Rucksäcke hier im Waldkindergarten Meggen säuberlich aufgehängt werden. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 24. September 2018)
Auch das Stillsitzen im Kreis soll geübt sein. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 24. September 2018)
Mit kleinen Zwergpuppen erklärt die Kindergärtnerin Claudia Schluth den Kindern, was sie nun machen sollen. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 24. September 2018)
Um sich aufzuwärmen, spielen die Kinder ein Fangspiel. (Bild: Pius Amrein, Meggen, 24. September 2018)
22 Bilder

So viel Platz: Impressionen aus dem Waldkindergarten

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.