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Ein Luzerner will die Schweiz mit grünem Papier versorgen

Yves Beljean (49) will mit seinem nachhaltigen Papier etwas Gutes für die Natur tun. Sein Start-Up steht vor einigen Herausforderungen.
Fabienne Mühlemann
Yves Beljean will mit seinem Papier die Schweiz erobern. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 11. September 2019)

Yves Beljean will mit seinem Papier die Schweiz erobern. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 11. September 2019)

140 Kilogramm Papier verbraucht ein Schweizer jährlich – sei es beim Zeitunglesen oder auf der Toilette. Diese Zahl der Papierindustrie liegt über dem weltweiten Durchschnitt. Laut WWF wird 40 Prozent des weltweit geschlagenen Holzes zu Papierprodukten verarbeitet. Um die Abholzung zu reduzieren, wird nun ein Luzerner aktiv. Der 49-jährige Yves Beljean hat mit einem Partner ein Start-Up gegründet, um in der Schweiz und Liechtenstein Papier per Post nach Hause zu liefern.

Sein «Envopapier» besteht zu 80 Prozent aus landwirtschaftlichen Abfallprodukten von Zuckerrohr und Weizenstroh, Holz macht 20 Prozent aus. «Die Umweltbelastung ist um 38 Prozent geringer als bei normalem Papier», sagt Beljean.

Papier wird in Indien produziert

Der Unterschied zu anderen Recyclingpapieren liegt neben der Zusammensetzung bei der Farbe. «Das Papier muss nicht gebleicht werden», erläutert er. Auch offiziell darf es sich nachhaltig nennen: Das Unternehmen Intertek zertifizierte Envopapier als biologisch abbaubar, kompostierbar, wiederverwendbar und energiesparend.

Auf das Envopapier ist Beljean, der auch im Export-Bereich arbeitet, zufällig gestossen. «Immer, wenn ich ein Blatt wegwerfen musste, tat mir das innerlich weh.» Daher habe er nach einer nachhaltigen Alternative gesucht. Bei Envopap wurde er fündig. Das englische Unternehmen beliefert über 40 Länder. Laut Webseite wurden bisher 760 000 Bäume durch ihre Produktion gerettet. Jetzt wird er Vertriebspartner der Firma.

Da fragt man sich, warum noch nicht längst ein anderer in der Schweiz auf die Idee gekommen ist. Wie sich zeigt, gibt es einen Haken: Das Papier werde im Schwellenland Indien hergestellt. Mit Schiffen gelange es nach Europa. «Natürlich wäre mir lieber, wenn das Papier hier produziert würde. Aber Zuckerrohr gibt es eben in der Schweiz nicht», so Beljean. Überhaupt werde in der Schweiz nur 26 Prozent des Papiers aus heimischen Bäumen hergestellt. Ein Bild des Produktionsstandortes habe er sich noch nicht gemacht. Er vertraue Envopap, dass die Arbeiter fair entlöhnt werden und gute Arbeitsbedingungen herrschen. «Das Unternehmen hat mir das unterschriftlich versichert.»

Um sein Projekt zu lancieren, will Beljean innert 30 Tagen 36 000 Franken sammeln. «Damit könnten wir einen ersten Container bestellen und den Leuten den Bezug des Papiers ermöglichen.» Er habe keine Angst, dass die Summe nicht zusammenkommt. «Bis jetzt habe ich nur positive Feedbacks gekriegt.» Und mit FDP-Ständerat Damian Müller hat er einen prominenten Befürworter gefunden.

Trotzdem weiss Beljean nicht, ob die Leute sein Papier überhaupt kaufen werden. Denn die Konkurrenz ist gross. Kundenumfragen habe er nicht gemacht. Dies zeugt von seinem Wagemut. «Wenn ich nicht 100-prozentig von dieser Sache überzeugt wäre, würde ich es nicht tun.» Seine Zielgruppe seien Privatpersonen und Unternehmen. Der Preis sei noch nicht festgelegt, er werde ähnlich sein wie bei herkömmlichem Papier.

Greenpeace ist skeptisch

Nicht alle sind von dem nachhaltigen Papier begeistert. Für Greenpeace Schweiz ist es keine langfristige Lösung gegen die Abholzung. «Zuckerrohr- und Weizenabfälle sind begrenzt. Das Papier wird deshalb ein Nischenprodukt bleiben», sagt Waldexpertin Asti Roesle von Greenpeace. «Die einzige ökologisch nachhaltige Lösung ist eine Reduktion des Papierverbrauchs.» Sie frage sich, ob sich der Konsument mit diesem Papier nicht in falscher Sicherheit wiege, etwas Gutes für die Umwelt zu tun. Beljean kontert, dass sich der Papierkonsum nicht von heute auf Morgen auf ein Minimum senken lasse. Dieser ist zwar statistisch rückgängig, auch wegen der Digitalisierung, trotzdem brauchen die Leute immer noch Papier. «Envopapier ist daher eine sofortige, gute Alternative», meint er.

Die aktuelle «grüne Welle» dürfte ihm bei seinem Vorhaben entgegenkommen. Er sagt: «Die Bereitschaft, etwas für die Umwelt zu tun, ist heute grösser als früher.»

Hinweis
Mehr Infos unter www.envopapier.ch.

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