Er bespuckte und schlug Zugpassagiere und Zugbegleiter in Luzern – wegen paranoiden Wahnvorstellungen kann der Täter nicht bestraft werden

Ein 46-jähriger Schweizer hat viel auf dem Kerbholz. Ein Gutachten attestiert ihm schuldunfähig. Die Staatsanwaltschaft Luzern beantragt daher eine stationäre Massnahme.

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(rem) Die Liste seiner Straftaten ist lang:

  • Er bettelte verbotenerweise während Zugfahrten.
  • Dabei war er mehrfach aggressiv und beschimpfte, bespuckte oder schlug Zugpassagiere oder Zugbegleiter.
  • Für die Fahrten konnte er jeweils keinen gültigen Fahrausweis vorzeigen.
  • In einem Fall schlug er eine wartende Zugpassagierin am Bahnhof Luzern grundlos ins Gesicht. Die Frau erlitt Prellungen.
  • Er zog unerlaubterweise während einer Zugfahrt die Notbremse und verübte weitere Sachbeschädigungen.

Die meisten Delikte hat der 46-jährige Schweizer anfangs 2019 verübt. Die Staatsanwaltschaft Luzern hat für den Mann beim Bezirksgericht Luzern nun eine stationäre Massnahme (siehe Box) beantragt. Der Beschuldigte ist damit einverstanden und hat diese per sofort angetreten. Der Fall kommt damit vors Bezirksgericht Luzern.

Stationäre Massnahme: Darum geht es

Die stationäre therapeutische Massnahme verfolgt den Zweck, die Öffentlichkeit vor verurteilten psychisch kranken, suchtmittelabhängigen oder in der Persönlichkeitsentwicklung gestörten Personen zu schützen sowie durch eine angemessene Behandlung oder Betreuung das Rückfallrisiko zu vermindern.
Die eingewiesene Person besucht regelmässig Therapiesitzungen und wird im Vollzugsalltag behandelt. Ein weiteres Ziel ist es, deliktrelevante Verhaltensweisen im Alltag zu erkennen und aufzuarbeiten. Eine stationäre Massnahme unterscheidet sich von einer ambulanten Behandlung insofern, als die Therapie nicht nur isoliert während der Therapiestunde und in den Therapieräumen stattfindet, sondern in einem stationären Setting, d.h. die stationäre Massnahme ist im Gegensatz zur ambulanten Behandlung freiheitentziehend.

Festgenommen wurde der Mann, der stark drogensüchtig ist, im Mai 2019. Er wurde in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Aus dieser entwich er mehrmals. Die Staatsanwaltschaft Luzern lies vom Verurteilten ein forensisch-psychiatrisches Gutachten erstellen. Der Gutachter diagnostizierte eine schwere psychische Störung. So gibt es gemäss Gutachten klare Hinweise auf paranoide Wahnvorstellungen. Der Mann wird vom Experten als vollumfänglich schuldunfähig beurteilt und kann daher für seine Taten nicht bestraft werden.