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Er ist in ganz Wolhusen bekannt: Während 30 Jahren prägte Hans Bucher das Kinderhaus Weidmatt

Hans Bucher (71) tritt aus dem Rat der Leberer-Stiftung zurück. Mit seinem Engagement hat der frühere Sozialvorsteher der Gemeinde Wolhusen die Lebensqualität von behinderten Kindern verbessert.
Stephan Santschi
Hans Bucher vor dem Heilpädagogischen Kinderhaus Weidmatt. (Bild: Nadia Schärli, Wolhusen, 16. Mai 2019)

Hans Bucher vor dem Heilpädagogischen Kinderhaus Weidmatt. (Bild: Nadia Schärli, Wolhusen, 16. Mai 2019)

«Vor der Geburt hatte ich grosse Träume, was ich mit Myles alles erleben wollte. Diese wurden mit einem Schlag zerstört. Heute freue ich mich sehr über seine Fortschritte – ohne grosse Erwartungen zu haben.» So umschreibt ein Vater im aktuellen Weidmatt-Kalender das Leben mit seinem behinderten Sohn. Bis zu 30 Kinder werden im Heilpädagogischen Kinderhaus in Wolhusen stationär oder ambulant gefördert, betreut und gepflegt – bei Bedarf von der Geburt bis zum Eintritt in eine Schule. Gründerin war im Jahr 1952 Maria Leberer, die in ihrer Arbeit als Hebamme auf aussergewöhnliche Schicksale aufmerksam geworden war.

In der Folge nahm sie behinderte Kinder bei sich auf, um die Grossfamilien zu entlasten. 1985 wurde die Weidmatt in die Stiftung für Schwerbehinderte Luzern (SSBL) eingegliedert, 1989 gründete Maria die Leberer-Stiftung, um die Eltern finanziell zu unterstützen. «Maria war ein Beispiel für gelebte Menschlichkeit. Sie war eine stille, bescheidene Person, die genau wusste, was sie wollte», erzählt Hans Bucher und schmunzelnd fügt er an: «Als sie die Leberer-Stiftung gründete, sagte sie mir: Hans, du bist dabei!»

In einer Grossfamilie aufgewachsen

Und so tat der damalige Gemeinderat ohne grosse Bedenkzeit, wie ihm geheissen. Schliesslich hatte er bereits ein Sensorium für die Sorgen der Bevölkerung entwickelt – sowohl aus beruflicher, wie auch aus politischer und aus privater Perspektive.

Bucher war in Wolhusen während insgesamt 24 Jahren Sozialvorsteher und 13 Jahre lang Geschäftsleiter des Wohn- und Pflegezentrums Berghof. Zehn Jahre figurierte er für die CVP im Grossrat des Kantons Luzern. Aufgewachsen war er auf einem Bauernhof in einer Grossfamilie mit 13 Geschwistern. «Wir alle waren gesund und zwäg, dafür bin ich sehr dankbar. Da die Eltern nicht alle Kinder alleine erziehen konnten, haben die älteren mitgeholfen. Es war ein Für- und Miteinander. Eine lehrreiche Zeit, auf die ich sehr stolz bin.»

Stolz darf der mittlerweile 71-jährige Pensionär auch sein, wenn er auf seine drei Jahrzehnte als Stiftungsrat in der Leberer-Stiftung zurückblickt. Wegen schwindender Zinserträge musste die Bewirtschaftung des Stiftungskapitals neu beurteilt werden, weshalb man vor ein paar Jahren zum Schluss kam: «Wir müssen präsenter werden und zeitgemäss in Erscheinung treten. Wir müssen uns öffnen, Spender finden und binden!»

Weidmatt füllt Lücken im Netz der Versicherungen

Hans Bucher spielte hierbei als eine Art Allrounder im siebenköpfigen Stiftungsrat eine wichtige Rolle. Er profitierte von seinem organisatorischen Geschick und der Fähigkeit, Ideen zu kreieren und umzusetzen. Es entstanden Spenderbriefe, geistige Blumenspenden, eine Website und Inserate für Lokalzeitungen. «Heute zählen wir über 400 Spender», sagt Bucher, der als Beirat der Weihnachtsaktion der Luzerner Zeitung weiss, dass eine schlanke Administration und regionale Verwendung der Gelder sehr wichtig sind.

Die Art und Weise, wie die finanziellen Mittel der Leberer-Stiftung verteilt werden, hat sich im Vergleich zu früher deutlich verändert. «Damals gab es keine IV-Gelder für behinderte Kinder, die Eltern hatten die Kosten für die Betreuung zu bezahlen. Deshalb war unsere Unterstützung vor allem für Kost und Logis gedacht.» Heute fülle man Lücken im sozialen und staatlichen Versicherungsnetz aus. «Wir finanzieren spezielle Angebote wie heilpädagogisches Reiten, Sehförderung oder Lager- und Projektwochen.» Auch ehemalige Weidmatt-Bewohner gehen nicht vergessen. «Mitglieder des Stiftungsrats besuchen sie einmal jährlich und schenken Zeit und kleine Barbeträge.» Auch Mitarbeiter des Kinderhauses erfahren Wertschätzung, beispielsweise in Form von Beiträgen an das Personalfest.

Weshalb Gott die Grosseltern erfunden hat

Nun aber möchte Hans Bucher etwas kürzertreten, Ende April ist er nach 30 Jahren aus dem Stiftungsrat der Leberer-Stiftung zurückgetreten. «Es ist mir nicht verleidet, irgendwann ist es aber Zeit, dass jemand anderes in die Fussstapfen tritt», erklärt er. Seine Nachfolge hat die gelernte Laborantin und Lokaljournalistin Lisbeth Wicki-Blum aus Wolhusen angetreten.

Bucher selber hat auch so genug zu tun – unter anderem ist er langjähriges Mitglied im Jodlerklub Bärgglöggli Steinhuserberg, Stiftungsrat der St.-Anna-Stiftung-Luzern oder Organisator von Seniorenferien im Verein «Aktives Alter Wolhusen». Er freut sich nun auf etwas mehr Zeit für seine Frau, vier Söhne und sieben Enkelkinder. «Sie wissen ja, weshalb Gott die Grosseltern erfunden hat», fragt er und antwortet mit einem Lächeln gleich selbst: «Weil Gott nicht überall sein kann.»

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